Festwochenende in Gadebusch : Lagerleben am Schlachtfeldrand

Mit Trommel und Artillerie: Der Norweger Tore K. Gransäther wird morgen auf dänischer Seite Stellung beziehen. 'Norwegen gehörte vor 300 Jahren zu Dänemark', sagt er.
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Mit Trommel und Artillerie: Der Norweger Tore K. Gransäther wird morgen auf dänischer Seite Stellung beziehen. "Norwegen gehörte vor 300 Jahren zu Dänemark", sagt er.

Noch stolziert ein Storch über die hügeligen Wiesen am Stadtrand von Gadebusch, doch sein Revier zwischen Bundesstraße 104, Kleingartenanlage und Industriegebiet wird von Stunde zu Stunde kleiner.

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06. Juli 2012, 06:43 Uhr

Gadebusch | Noch stolziert ein Storch über die hügeligen Wiesen am Stadtrand von Gadebusch, doch sein Revier zwischen Bundesstraße 104, Kleingartenanlage und Industriegebiet wird von Stunde zu Stunde kleiner. Jetzt tritt Meister Adebar den gepflegten Rückzug an, denn Generalfeldmarschall Jacob Heinrich Reichsgraf von Flemming hat einen Teil des Geländes besetzt und lässt seine Zelte aufschlagen.

"Wenn am Sonnabend die Schlacht bei Gadebusch nachgestellt wird, dann werde ich wohl von einem Hügel aus das Geschehen verfolgen", sagt Maj-Britt Resch. Die Frau mit den langen blonden Haaren ist 43 Jahre alt, kommt aus Dresden, ist dort Stadtführerin und Theater-Schauspielerin und verwandelt sich liebend gern in den sächsischen Generalfeldmarschall von Flemming. "Ich interessiere mich seit 25 Jahren für die Historie zu Zeiten von August des Starken", sagt Maj-Britt Resch. Zwar wird sie nicht, wie seinerzeit von Flemming, per Pferd mitten ins Schlachtgetümmel ziehen, "aber fehlen", sagt sie, "darf der Generalfeldmarschall hier auf keinen Fall".

Auf keinen Fall fehlen, das wollen auch Alf Prytz und seine zehn Mitstreiter nicht. Die Scheden kommen aus der Nähe von Malmö und haben sich an diesem Freitagmorgen schon im Feldlager eingerichtet. Sie gehören zu den rund 300 Darstellern, die die Schlacht nachstellen wollen, die vor 300 Jahren in Wakenstädt stattfand. Schweden kämpfte damals um die Vorherrschaft im Ostseeraum und stellte ein Heer gegen das Königreich Dänemark, das mit Rußland, Sachsen und Polen verbündet war. "Ein Regiment, das damals bei der Schlacht dabei war, stammt aus unserer Heimatregion", sagt Alf Prytz. Die Erinnerung an diese blutige Schlacht wach zu halten, bei der allein rund 200 schwedische und 2000 dänische Soldaten ihr Leben verloren, das sei ein Grund dafür, so Prytz, "warum wir jetzt nach Gadebusch gekommen sind". Wenn am heutigen Sonnabend um 11 Uhr die Schlacht nachgestellt wird, dann ziehen sie ins Feld. Nur der einjährige Rasmus, jüngstes Mitglied dieser schwedischen Truppe, wird weit hinter den Linien diesem Spektakel zuschauen und zwischen den rund 5000 erwarteten Besuchern an seinem Schnuller lutschen.

Mittlerweile ist schon der Nachmittag angebrochen und die Zeltreihen werden immer länger. Dänen sind gekommen, Russen und Finnen auch. Matratzen, Geschirr, Stühle und Tische werden in den Unterkünften verstaut. Die Männer und Frauen des Lützower Freicorps schauen sich das Getue in aller Ruhe an. Historisch hatte das Freicorps, das als Freiwilligenverband der preußischen Armee in den Befreiungskriegen 1813-14 kämpfte, zwar nichts mit der Schlacht bei Gadebusch zu tun, aber als Verein aus der Region kümmern sich mehrere Dutzend Mitglieder nun um die Organisation des Biwaks.

"Stell’ den Wagen vorne ab", sagt Wolfgang Sarkander und lotst den Fahrer eines Autos mit Anhänger zum Eingang des Geländes. Auf der Ladefläche ist eine von über 20 Kanonen festgezurrt, die die Lützower für die Schlachtnachstellung stellen werden. Auch für das Pulver, das sich Sonnabend in Rauch auflösen wird, sind die Lützower zuständig. "Die Sicherheit steht an erster Stelle", sagt Wolfgang Sarkander, Chef des Vereins, dem in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen rund 300 Mitglieder angehören. Laut könne es werden, weiß Sarkander, wenn die Kanonen abgefeuert werden.

Den Storch, wird’s nicht stören, denn der hat längst das Weite und sich ein anderes Plätzchen gesucht - ohne Generalfeldmarschall von Flemming.

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