Serie: Parteiprogramme im Test : Längere Schulzeit, längere Ferien?

Schülerdemo in früheren Jahren
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Schülerdemo in früheren Jahren

Was die Parteien zur Landtagswahl versprechen – heute: Schulen und Hochschulen

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03. August 2016, 06:15 Uhr

Am 4. September wählen die  Bürger einen neuen Landtag – eine neue Regierungskonstellation ist möglich. Damit es den Mecklenburgern und  Vorpommern nicht so geht wie den Briten beim Brexit, analysieren wir in einer kurzen Serie die Programme der Parteien. Was bekommt der Wähler, wenn er wen wählt. Heute: Bildung  und Hochschulen

Das 47-seitige Wahlprogramm der SPD beschäftigt sich allein auf viereinhalb Seiten mit den Schulen, Hochschulen und Berufsschulen des Landes. Bei den letzteren gab es im Wahlkampf immer wieder Kritik an Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD). Hohe Abbrecherquoten, keine Berufsschulstrategie, die hohe Studierneigung torpediert die Ausbildung in einfachen Berufen, so die Vorwürfe. 

Berufsschulen: Die SPD verspricht für die nächste Wahlperiode, die von der CDU gerade eingeführte Meisterprämie, das Meister-Extra, von 1000 auf 2000 Euro zu verdoppeln. Bei herausragenden Meisterabschlüssen soll es sogar 5000 Euro geben. Zudem verspricht die SPD nach einer Reihe von Reformen, die jetzige Berufsschulstruktur zu stabilisieren. Bündnis 90/die Grünen fordern und versprechen eine „verbindliche Berufsorientierung“ ab Klasse 7. Berufsschulen sollen flächendeckend erhalten werden und Fernlernangebote stehen im Wahlprogramm.

Die AfD will durch Eignungstests an Gymnasien die Zahl der potenziellen Abiturienten reduzieren – und möglicherweise so mehr Jugendliche an die Berufsschulen bringen. Sie verspricht Fahrten zur Berufsschule und den Kauf von Lernmitteln für Azubis zu fördern. Die Linke will zum Erhalt der Schulstruktur „Die kleine Berufsschule im ländlichen Raum“ schaffen. Das wird jedoch von Praktikern wegen der vorzuhaltenden Lehrer für die vielen Berufsrichtungen für problematisch gehalten. Auch die Linke  will eine kostenfreie Beförderung der Auszubildenden. Berufsschulklassen sollen kleiner werden. Die Grünen setzen auf ein kostengünstiges Azubiticket. Die CDU will mit dem Berufsschulabschluss  das Abitur möglich machen. Freie Horizonte setzt auf eine bessere Berufsberatung, während bei anderen Parteien wie den Piraten oder den Achtsamen das heißdiskutierte Thema Berufsschulen gar nicht stattfindet.

Den umfangreichsten Bildungsteil hat das Wahlprogramm der FDP. Auch sie fordert elternunabhängige Zuschüsse zu Fahrten zur Berufsschule,  die Beschränkung der Lehrerstundenzahl auf 25 Wochenstunden - hier trifft sie sich mit der Linkspartei, aber vor allem mehr Eigenregie an den Berufsschulen wie in der Schullandschaft insgesamt.

Schulen: „Schulen müssen frei und selbständig sein“, heißt es bei der FDP. Die CDU fordert wie die FDP eine Schulwahlfreiheit und auch den Erhalt der Schulen auf dem Lande. Freie Schulen werden als gleichberechtigt befürwortet. Außerdem will die CDU mehr Deutschunterricht. Hier hatte eine CDU-Kultusministerin Anfang der 90-er Jahre reduziert. Die Linke will vor allem die Schulpflicht auf zehn Jahre ausweiten und  auf dem Lande kleinere Schulen zulassen, um sie zu erhalten. Als einzige fordert die Linkspartei, Informationsveranstaltungen der Bundeswehr an Schulen zu verbieten.

Die AfD setzt auf polytechnischen Unterricht wie in der DDR. „Die Betonung von Naturwissenschaften und Technik im polytechnischen Unterricht der DDR war richtig und sollte Vorbild für unser heutiges Bildungssystem sein“, heißt es im AfD-Wahlprogramm. Kostenfreie Schülerbeförderung für alle wird versprochen und eine einheitliche Schulkleidung für alle Schüler einer Schule gefordert. Außerdem will die AfD die Herbstferien auf zwei Wochen verlängern, was Schüler freuen wird. Bei der SPD hingegen heißt es: keine Experimente. Sie hat auch den Schulneubau im Programm. Kurz  findet sich der Begriff Bildungsimmobilien auch bei der Partei Freie Horizonte,   wo ein „Internatssystem ab Oberstufe“ gefordert wird, was auch immer das heißt. Und auch die Freien Wähler haben die Sanierung von staatlichen Schulen im Blick. Sie fordern aber insbesondere die freie Entscheidung zwischen zwölf- und 13-jährigem Abitur. Aber hier nichts zu Hochschulen. Die Entscheidung zwischen beiden Abiturmöglichkeiten versprechen auch die Grünen. Sie wollen die Mindestklassengrößen an den Grundschulen auf 15 Schüler senken. Das Schulgesetz soll noch einmal auf die Mitbestimmung vor Ort durchleuchtet werden.

Hochschulen: Auch bei der AfD sieht es hier eher mager aus,  Magister und Diplom werden zurückgefordert – und jede Hochschule soll sich ihre Studenten selbst nach Noten, „Interesse, Begabung und Motivation“ auswählen.  Auch die SPD setzt auf das Diplom, die CDU auf den Diplom-Ingenieur – und auf Bewährtes an den zwei Unis und fünf Hochschulen des Landes. Die SPD verspricht acht Millionen Euro für Wohnheime und bis zum Jahre 2020 insgesamt 460 Millionen Euro für den Hochschulbau und wissenschaftliche Geräte. Hier trifft sich die SPD mit ihrem jetzigen Partner CDU. Diese will vor allem die Hochschule für Musik und Theater in Rostock räumlich besser ausstatten, stellt aber auch die beiden großen Universitätskliniken  in Rostock und in Greifswald unter „besondere Fürsorge des Landes“.

Umfangreich finden sich bei der Linkspartei die Hochschulen wieder. Hier geht es vor allem um Geld: schlecht bezahlte Assistenten besserstellen, mehr Geld für Hochschulen, Studierendenwerke auskömmlich ausstatten – und wieder: keine Forschung für militärische Zwecke. Eine „angemessene Bezahlung für Lehraufträge“ steht auch bei den Grünen im Programm. Studiengebühren wollen die Grünen nicht, sondern sogar die Verwaltungsgebühren für Studenten abschaffen. Und der Frauenanteil unter den Dozenten und Professoren soll erhöht werden. 15 Prozent weibliche Professoren sind zu wenig, meinen die Grünen.

>> Alles rund um die Landtagswahl MV am 4. September lesen Sie in unserem Dossier.

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