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Minderjähriges Partyvolk : Länger feiern dank Muttizettel

vom
Aus der Onlineredaktion

16- und 17-Jährige dürfen nur bis 24 Uhr in die Disko. Eine Ausnahme gibt es allerdings: wenn sie über ein Aufsichtsformular verfügen

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erstellt am 17.Mär.2017 | 11:45 Uhr

Laute Musik, tanzen, feiern und Spaß haben – so sieht für viele Jugendliche der Plan fürs Wochenende aus. Doch was, wenn der Feierwütige erst 16 oder 17 Jahre alt ist? Dann muss er laut dem Jugendschutzgesetz die Disko um 24 Uhr verlassen. Passiert das nicht, können der Betreiber des Clubs und die Eltern zur Rechenschaft gezogen werden. Doch es gibt auch noch eine andere Lösung: den sogenannten Muttizettel. In ihm wird ein Erziehungsbeauftragter festgelegt, der mit dem Jugendlichen in die Disko geht und für ihn die Verantwortung trägt. In Begleitung des jungen Erwachsenen, darf der Teenie dann länger als bis 24 Uhr feiern.

Eine Möglichkeit, die auch die Diskothek Kosmos in Rostock hätte nutzen können. Denn nach einer Groß-Razzia hat die Hansestadt Konsequenzen gezogen und den Club Anfang März geschlossen. Ausschlaggebend war ein Einsatz mit 112 Polizisten und Mitarbeitern der Stadt und des Jugendamtes. Sie kontrollierten Ende Februar unter anderem die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes. Das Ergebnis: Unter 100 Gästen hielten sich 46 Minderjährige in der Diskothek auf, 23 davon alkoholisiert. Schon länger kursierte das Gerücht, die Disko sei ein Treff vor allem von Unter-18-Jährigen. Die Konsequenz: Die Stadt entzog Betreiber Eduard Geers die gewerbliche Erlaubnis. Zudem droht ihm ein Bußgeld von bis zu 50  000 Euro.

Neben den gewerbe- und gaststättenrechtlichen Konsequenzen geht es für das Amt für Jugend, Soziales und Asyl der Hansestadt Rostock vor allem um eine Sensibilisierung der Erziehungsberechtigten. „Wer minderjährige Kinder hat, ist für sie jederzeit verantwortlich“, unterstreicht Steffen Bockhahn, Senator für Jugend und Soziales, Gesundheit, Schule und Sport. Will man seinem Kind den Diskobesuch nicht verwehren, sei der Muttizettel, und damit die Bestimmung einer verantwortlichen Person zu empfehlen.

Mit diesem Dokument hat der Inhaber der Event Arena in Spornitz gute Erfahrungen gemacht: „Wir nutzen den Muttizettel natürlich und bisher kann ich nichts Negatives sagen.“ Am Abend läuft es folgendermaßen ab: Der Jugendliche und seine Aufsichtsperson, die über 18 Jahre alt sein muss, zeigen gemeinsam beim Securitypersonal am Eingang der Disko das ausgefüllte Formular und ihre Ausweise vor. Es müssen vor allem die Unterschriften eines Elternteils, der Aufsichtsperson für den Abend und Name und Geburtsdatum des Jugendlichen darauf eingetragen sein.

In Spornitz müssen Minderjährige, die ohne Muttizettel kommen, ihren Personalausweis am Eingang abgeben und ihn dann beim Verlassen der Disko um 24 Uhr abholen, erklärt der Veranstalter, der jeden Sonnabend zur Party lädt und in Spornitz Platz für 1200 Feierwütige hat. Auf die Einhaltung des Jugendschutzes legt er großen Wert, auch und gerade weil es nicht immer leicht falle, den jungen Leuten das Alter anzusehen. „Manchmal sehen sie ein paar Jahre älter aus, als sie wirklich sind. Deshalb ist es wichtig, sich im Zweifelsfall immer den Ausweis zeigen zu lassen“, rät er.

Das muss vorher klar sein

Als Erziehungsbeauftragter ist man für das Wohl des Jugendlichen verantwortlich. Damit der Abend nicht in einem Desaster endet, sollte man sich, bevor man den Muttizettel unterschreibt, über die Rahmenbedingungen im Klaren sein:

1. Der  Beauftragte kennt den Jugendlichen und seine Eltern persönlich und ist sich  sicher, dass er der Situation gewachsen ist und die Erziehungsaufgabe erfüllen kann.

2. Der Erziehungsbeauftragte ist nicht nur laut  Personalausweis volljährig, sondern auch im Kopf. Er weiß, was im Falle zu tun ist und  hat Autorität gegenüber dem Jugendlichen und kann ihm Grenzen aufweisen – besonders beim Alkoholkonsum. Außerdem kann er sich durchsetzen und den Abend beenden, wenn es notwendig ist.

3. Beim Feiern kann er seine Partylaune zurückfahren. Er trinkt  keinen oder nur so viel Alkohol, dass er in der Lage ist, seine Aufsichtspflicht zu erfüllen.

4. Der Beauftragte  kann den Minderjährigen zur vereinbarten Zeit wieder nach Hause begleiten und sicher bei den Eltern abliefern.

In der Stadt Neubrandenburg sei der Muttizettel dagegen aktuell nicht relevant. „Punktuell wird für einzelne Veranstaltungen auf den Muttizettel verwiesen“, sagt Haidrun Pergande, Sprecherin des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte. Zur Nutzung würde es seit einigen Jahren aber nicht mehr kommen.

Ganz anders in der Landeshauptstadt, hier findet man am Partyzettel Gefallen: „Der sogenannte Muttizettel wird auch bei Veranstaltungen in Schwerin genutzt“, bestätigt eine Sprecherin der Stadt. Mit dem Veranstalter werde schon im Vorfeld eines Events über die Richtlinien des Jugendschutzes gesprochen. Auf die Kontrollen beim Einlass werde speziell hingewiesen. „Insbesondere wird nach Hinweisen, aber auch gelegentlich verdachtsunabhängig kontrolliert“, heißt es aus dem Stadthaus.

Und auch beim Osterhammer, einem großen Partyevent am 16. April in der Schweriner Sport- und Kongresshalle, findet der Muttizettel Anwendung: „Wir sind damit immer gut gefahren und machen das eigentlich bei all unseren Veranstaltungen“, sagt Projektleiter Cristoph Lüdtke, Media Consult Eventmanagement. Zusätzlich werde der Alkoholausschank während der Party kontrolliert. „Wir fragen nochmal die Ausweise an der Bar ab“, erklärt Lüdtke.

Ein klarer Gegner des Partyzettels ist Henning Schirrmeister, Inhaber des Klubs 77 in Schwerin: „Bei uns kommen nur Volljährige rein oder über 16-Jährige in Begleitung der Eltern.“ Der Grund sei ganz einfach: Immer wieder würde der Jugendschutz umgangen, Alkohol von älteren Freunden besorgt. „Das wirklich zu kontrollieren, ist schwer. Deshalb fahren wir eine konsequente Linie“, unterstreicht Schirrmeister. Dennoch findet der Club-Betreiber den Muttizettel eine gute Alternative. „So können die Jugendlichen an besonderen Events länger oder überhaupt teilnehmen.“

Muttizettel gibt es viele im Netz. Die Stadt Rostock stellt einen unter http://rathaus.rostock.de/sixcms/media.php/1068/Muttizettel.pdf zur Verfügung.

 
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