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Mecklenburg-Vorpommern

12. Dezember 2017 | 15:13 Uhr

Lachs und Meerforelle auf großer Reise

vom

svz.de von
erstellt am 30.Dez.2011 | 07:18 Uhr

Prignitz | Staunend stehen Kinder und Erwachsene an der Ziegelhofbrücke in Perleberg und blicken in die großen Hälterwannen. "Diese großen Fische gibt es hier in der Stepenitz?", fragt eine ältere Frau ungläubig. "Ja, die gibt es hier in der Stepenitz. Davon gibt es noch viel mehr und viel größere", sagt Ulli Thiel vom Landesanglerverband Brandenburg mittlerweile nicht ohne Stolz.

Seit Oktober sind Thiel und seine Kollegen mit ehrenamtlichen Helfern unterwegs, um die Rückkehrer des seit 1999 laufenden Wiederansiedlungsprojektes zu registrieren. Bisher konnten in diesem Jahr 20 Lachse und mehr als 60 Meerforellen gefangen und so nachgewiesen werden. Allerdings sei dies nur ein Teil der Fische, die tatsächlich in die Stepenitz zurückkehren, sagt Steffen Zahn vom Institut für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow. Er geht davon aus, dass nur etwa ein Drittel der Fische gefangen werden können, die den Laichaufstieg in die Stepenitz geschafft haben.

Problematisch bleibt das Wehr am Deutschen Kaiser

Problematisch sei immer noch das Wehr am Deutschen Kaiser. Trotz des Fischpasses finden die Fische den Aufstieg nur sehr selten. Deshalb laicht vor allem ein großer Teil der Lachse im Steinigen Grund der Stepenitz unterhalb der Ziegelhofbrücke. "Hier schlagen die Weibchen große Laichgruben in den steinigen Grund und legen ihre Eier ab", so Steffen Zahn. Offenbar schlüpfen immer mehr junge Fische mitten im Perleberger Stadtgebiet. Wichtig sei dabei, dass die Laichgruben in Ruhe gelassen werden, nicht betreten oder mit Booten befahren und nicht durch zu heftige Strömung oder Sedimente zugespült werden.

Bei den Meerforellen hat sich der Bestand in den letzten Jahren so entwickelt, das diese Fische auch beangelt werden dürfen. Allerdings darf jeder Angler nur eine Meerforelle pro Jahr entnehmen und muss das Mindestmaß von 60 Zentimetern beachten. "So sehen die Angler, dass dieses Projekt für sie Früchte trägt.

Die in Perleberg gefangenen Lachse und Meerforellen sind alle über den Fischpass in Geesthacht eingewandert. Dort werden bereits einige Fische mit einem Chip versehen. Wird solch ein markierter Fisch in Perleberg gefangen, geht eine Meldung an das dortige Institut. Mit den Daten kann abgeglichen werden, wann der Fisch die Anlage in Geesthacht passiert hat und wie lange er für den Aufstieg bis in die Stepenitzgebraucht hat. "Allerdings fangen wir nur wenige markierte Fische, viele gehen über den Fischpass, ohne registriert zu werden. Wenn man aber sieht, wie viele Fische registriert sind, kann man sich ausrechnen, dass es tausende Tiere sind, die bereits in die Elbe zum laichen aufsteigen", sagt Ulli Thiel. Die in Perleberg gefangenen Fische werden mit einer kleinen gelben Markierungversehen. Darauf stehen eine laufende Nummer und die Telefonnummer des Instituts für Binnenfischerei. Bisher gab es aber erst eine Rückmeldung: Ein Fischer hatte eine in Perleberg markierte Meerforelle vor der Insel Sylt im Netz gehabt und diesen Fang gemeldet.

Für das Angeln in der Stepenitz ist der Lachs eher zweitrangig, so die Einschätzung der Fischereibiologen. Für die Elbe aber ist der Lachs enorm wichtig. Da in vielen Bundesländern ähnliche Besatzmaßnahmen durchgeführt werden, entwickelt sich die Elbe in den nächsten Jahren zu einem regelrechten "Lachsfluss".

Frühjahrs-Elblachse sind hervorragende Speisefische

"Wir haben dabei beobachtet das die Lachse bereits im Frühjahr in die Elbe aufsteigen und sich fast ein halbes Jahr lang im Fluss tummeln ohne jedoch zu fressen. Sofern sie in das Süßwasseraufsteigen, bilden sich Magen- und Darmtrakt zurück und sie stellen die Nahrungsaufnahme ein", so Ulli Thiel. Während die Laichfische im Herbst in der Stepenitz bereits ausgehungert und ein kaum noch verwertbares Fleisch haben, seien im Frühjahr gefangene Elblachse hervorragende Fische, ist sich Thiel sicher.

Anders verhält es sich mit der Meerforelle. Auch sie steigt bereits im Frühjahr in die Elbe auf und wandert gut zwei Monate vor dem Laichgeschäft in die Stepenitz ein. Anders als beim Lachs sterben die meisten Meerforellen nicht nach dem ablaichen. Sie fressen, sammeln Kraft und wandern wieder ab in Richtung Meer um im kommenden Jahr zurück zu kehren, sofern sie nicht natürlichen Feinden wie Seehunden - die vor allem im Unterlauf der Elbe gern Jagd auf Lachs und Meerforelle machen - oder dem Angler zum Opfer fallen.

An Angler und Fischer appellieren die Biologen, das gefangene Fische, die markiert sind, beim Institut zu melden. Denn nur so kann ermittelt werden, wie lange sich die Tiere in den Gewässern aufhalten und wieschnell sie wieder ins Meer abwandern.

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