Laage probt den Ernstfall

Ein professioneller Schauspieler mimt den Geiselnehmer, die Geiseln sind im realen Leben Polizeischüler.
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Ein professioneller Schauspieler mimt den Geiselnehmer, die Geiseln sind im realen Leben Polizeischüler.

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18. September 2012, 07:40 Uhr

Rostock | Ein paradoxes Bild bietet sich am Vormittag im Flughafenterminal in Rostock-Laage: Am Abflugschalter wartet eine mit Koffern und Taschen bepackte Menschenschlange, lachend und voller Vorfreude auf den anstehenden Urlaub. Nur ein paar Meter weiter sitzt eine Gruppe junger Menschen, alle in blau-schwarze Jacken gehüllt und mit ernsten, unruhigen Gesichtern. Sie warten. Auf Neuigkeiten. Darauf, dass einer der vielen Polizisten, die in und vor dem Flughafen unterwegs sind, ihnen sagt, was eigentlich passiert ist.

Die blau-schwarz gekleideten Besucher sind eigentlich Auszubildende an der Polizeifachhochschule in Güstrow. Heute übernehmen sie aber die Rolle von Eltern, Freunden und Eheleuten, deren Angehörige die Opfer einer inszenierten Geiselnahme sind. Sie sind Teil einer Großübung, mit der sich Kräfte von Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern und Bundeswehr und Mitarbeiter des Flughafens auf den Ernstfall vorbereiten.

Elf Menschen befinden sich an Bord

Das Szenario begann um 9.30 Uhr, wie der Polizeihauptkommissar des Rostocker Polizeipräsidiums, Gert Frahm, berichtet. Ein Passagierflugzeug blieb am Ende eines Rollfeldes stehen. Zunächst - so das Szenario - habe der Verdacht eines technischen Defekts bestanden. Doch dann, um etwa 11.30 Uhr, dringt ein Anruf des Piloten der Maschine nach draußen. Ein bewaffneter Geiselnehmer habe die Maschine in seine Gewalt gebracht. Elf Menschen befinden sich an Bord, davon neun Passagiere.

Die rund 600 Teilnehmer der Übung versuchen alles so realistisch wie möglich durchzuspielen. Auch wenn der Geiselnehmer ein professioneller Schauspieler und die Geiseln in Wirklichkeit ebenfalls Azubis von der Polizeifachhochschule sind. Die Organisation des Einsatzes muss schnellstmöglich geregelt werden, zusätzliche Polizeikräfte müssen angefordert werden. Auch der Einsatz eines Sonderkommandos ist möglich.

Die angeblichen Angehörigen werden in den für die Öffentlichkeit und die Presse nicht zugänglichen Bereich des Flughafens gebracht. "Sie müssen geschützt werden", sagte Michael Schuldt, Sprecher des Landeskriminalamtes, welches die Übung mit begleitet. Es müsse verhindert werden, dass unter ihnen Panik ausbricht.

Im Verlauf der Übung gibt es kein Konzept

Die Geduld der wartenden Angehörigen wird auf eine harte Probe gestellt. Am späten Nachmittag schließlich kommt von Polizeihauptkommissar Frahms die Nachricht, dass der Geiselnehmer Kontakt zu den Einsatzkräften aufgenommen hat. Seine Forderungen hätten einen familiären Hintergrund. Näheres sei noch nicht bekannt.

Außerdem habe der Mann ein medizinisches Mittel für einen der Passagiere angefordert, der unter Asthma leidet.

Unterdessen dringen aufgeregte und wütende Rufe aus dem Sicherheitsbereich des Terminals durch die inzwischen fast leere Flughafenhalle. Unter den angeblichen Angehörigen bricht langsam Verzweiflung aus. Einige versuchen, den Sicherheitsbereich über Treppen zu verlassen, werden aber von Mitarbeitern des Flughafens zurückgebracht. Es wird noch ein langer Abend für alle Teilnehmer der Übung werden. Bis mindestens 23.00 Uhr soll das gespielte Geiseldrama noch andauern. "Im extremen Fall kann es auch bis in die Morgenstunden gehen", sagt LKA-Sprecher Schuldt. Denn im Verlauf der Übung gäbe es kein festes Konzept, Abwandlungen könnten spontan eingebracht werden. Nur so sei es eine wirkliche Probe für den Ernstfall.

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