Nazi-Verbecher : KZ-Sanitäter in Neubrandenburg enttarnt

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Nach dem Urteil gegen den Ex-KZ-Aufseher Demjanjuk gab es eine Welle neuer Ermittlungen – sie führten jetzt zu einer Verhaftung in MV.

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19. März 2014, 08:00 Uhr

Ein mutmaßlicher NS-Verbrecher, der zur Ermordung zahlreicher Menschen im KZ Auschwitz-Birkenau beigetragen haben soll, ist im Raum Neubrandenburg verhaftet worden. Nach Recherchen der Staatsanwaltschaft war der heute 93-Jährige im September 1944 als SS-Sanitäter in dem Vernichtungslager tätig. Dadurch habe er den Lagerbetrieb und die Vernichtungsaktion unterstützt, erklärte die Staatsanwaltschaft Schwerin gestern.

In dem Zeitraum seien in Auschwitz-Birkenau acht Gefangenentransporte eingegangen und 1721 Menschen, die als nicht arbeitsfähig eingestuft wurden, in den Gaskammern getötet worden. Die Transporte kamen demnach aus Cadcy (Slowenien), Wien, Westerbork, Lyon, Triest, Berlin, Stutthof (Elsaß) und Kaunas. Der Vorwurf gegen den 93-Jährigen lautet Beihilfe zum Mord in einer Vielzahl von Fällen. Der Mann streite den gegen ihn erhobenen Tatvorwurf bislang ab, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der 93-Jährige sei nach der Durchsuchung seiner Wohnung und einer ärztlichen Untersuchung am Montag in die Justizvollzugsanstalt Bützow gebracht worden. Er war den Ermittlern zufolge von April 1940 bis Kriegsende Angehöriger der Waffen-SS.

Die Ermittlungen dauern an. Sie würden prioritär und auf Hochtouren geführt, sagte der Sprecher. Angesichts des hohen Alters des Beschuldigten sei überlegt worden, ihn gegen Auflagen von der Untersuchungshaft zu verschonen. Angesichts der Schwere der Vorwürfe sei dann aber anders entschieden worden. Es bestehe Fluchtgefahr. Die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) hatte in den vergangenen Jahren Vorermittlungen gegen rund 50 Verdächtige geführt. Sie waren nach dem Münchner Urteil gegen den KZ-Aufseher John Demjanjuk möglich geworden. Dieser war 2011 wegen Beihilfe zum tausendfachen Mord verurteilt worden, weil er Mitglied der Wachmannschaft des KZ Sobibor war.

Bis dahin waren viele mutmaßliche Täter straffrei geblieben, weil der Bundesgerichtshof 1969 im Fall Auschwitz festgelegt hatte, dass für eine Verurteilung der Wächter wegen Beihilfe zum Mord die individuelle Schuld nachgewiesen werden muss. Dies war vielfach nicht möglich.

Der jetzt verhaftete Mann aus dem Raum Neubrandenburg ist der einzige Fall, in dem in MV aktuell ermittelt wird, wie ein Sprecher des Justizministeriums in Schwerin sagte.


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