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Mecklenburg-Vorpommern

23. Oktober 2017 | 15:40 Uhr

Kurzer Prozess

vom

svz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 07:16 Uhr

Schwerin | Eigentlich war es nur eine der üblichen Verhandlungen, wie sie tagtäglich vor einem Zivilgericht stattfinden. Einer leiht einem anderen Geld, der zahlt die Schulden nicht zurück. Also verklagt der eine den anderen. Die Angelegenheit geht vor den Kadi.

Dass dieser Fall gestern am späteren Nachmittag im Schweriner Landgericht trotzdem großes Medieninteresse fand, hatte mit den recht prominenten Beteiligten zu tun. Auf der einen Seite Ines Raum, 50-jährige Unternehmerin aus Wismar, in der Region auch bekannt durch verschiedene Ehrenämter. Auf der anderen Seite Philipp Schlaffer, auch bekannt - aber eher durch Negativschlagzeilen. Als Chef der Schwarzen Schar - die nicht zufällig die beiden Anfangsbuchstaben wählte. Ein ehemaliger Rockerklub, den die Polizei als gewaltbereit einschätzte und in die Nähe der Organisierten Kriminalität einordnete. Den sie eigenen Angaben nach weiter beobachtet, auch wenn er sich offenbar inzwischen offiziell aufgelöst und umbenannt hat in Schwarze Schar Nomads.

Eine Zeitlang hatte Schlaffer in der Hansestadt den berüchtigten Werwolf-Laden betrieben. Der "Outlaw" in Rockerkluft auf der einen Seite und die elegante Geschäftsfrau in schwarzem Hosenanzug mit rosa T-Shirt auf der anderen. Was haben die beiden so gegensätzlichen Menschen miteinander zu schaffen?

Die 50-Jährige hat in den vergangenen Tagen der Öffentlichkeit diese Frage ausführlich beantwortet. Von ihrem Liebesverhältnis mit einem rund neun Jahre jüngeren Mann aus dem Bekanntenkreis Schlaffers erzählte sie auch dem Fernsehen. Den sie kennenlernte, als er gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Nun soll ja Liebe blind machen. Die umtriebige Unternehmerin, unter anderem im Vorstand der Wismarer Wirtschaftsgemeinschaft, schien jedenfalls im Umfeld ihres damaligen Liebhabers nicht das zu sehen, was die Polizei sah. Im Gegenteil, sie unterstützte die Männer, damit sich die Schwarze Schar ein Haus in Gägelow kaufen konnte - das der Club im Übrigen im Juli geschlossen hat. Ines Raum gewährte Philipp Schlaffer ein Privatdarlehen über 90 000 Euro. Nur ein Bruchteil davon soll zurückgezahlt worden sein. Das Liebesverhältnis war zwischenzeitlich auseinandergegangen. Nach Angaben von Schlaffers Anwalt Sven Rathjens forderte die Frau noch gut 80 000 Euro zurück.

Einzelheiten über den Darlehensvertrag und wie er zustande kam, erfuhren die zahlreichen Gerichtsbesucher gestern im Gericht nicht. Nach all der Öffentlichkeit in den vergangenen Tagen waren beide Seiten nun sehr still. Die Richterin führte hinter verschlossenen Türen eine Güteverhandlung - und zu aller Erstaunen kam diese gestern auch zu einem Ergebnis. Beide Seiten einigten sich, teilten die Prozessbeteiligten schließlich mit - wie, darüber sei Stillschweigen vereinbart worden. "Ich habe jetzt meinen Seelenfrieden wieder", sagte Ines Raum am Ende. In SMS und Mails habe sie viel Zuspruch erfahren. "Einen Fehler macht doch jeder mal", sagte ein mitgereister Unternehmer, der ihr zur Seite stand. Ihre Aufgaben im Vorstand der Wirtschaftsgemeinschaft Wismar, der knapp 300 Unternehmen angehören, wolle sie erst einmal ruhen lassen, sagte Raum. Eine Woche Bedenkzeit habe sie mit dem Vorstand vereinbart. Schlaffers Anwalt Sven Rathjens verkündete am Ende ebenfalls: "Wir sind zufrieden." Ende gut, alles gut? Die Zeit wird’s zeigen.

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