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Stillstand der Biodiesel- und Ölproduktion : Kurzarbeit bei EcoMotion Sternberg

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Die Branche schwächelt schon seit einigen Jahren, jetzt hat die Absatzkrise bei Biodiesel auch Eco Motion erreicht. Ölmühle und Biodieselanlage sind außer Betrieb, die 30 Beschäftigten beziehen Kurzarbeitergeld.

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erstellt am 11.Apr.2012 | 10:02 Uhr

Sternberg | Die Branche schwächelt schon seit einigen Jahren, jetzt hat die Absatzkrise bei Biodiesel auch Eco Motion in Sternberg erreicht. Ölmühle und Biodieselanlage sind außer Betrieb, die rund 30 Beschäftigten aus der Produktion beziehen Kurzarbeitergeld. "Es ist das dritte Jahr, in dem es für die Branche nicht mehr so berühmt läuft. Die Produktionsauslastung lag nur noch bei durchschnittlich 40 Prozent. Jetzt hat es auch uns ereilt", sagt Geschäftsführer Axel Becker mit ernster Miene. "Wir waren gezwungen, bei der Agentur für Arbeit von April bis September Kurz arbeit anzumelden und müssen die nun auch in Anspruch nehmen." Einzig die RVF-Logistik, der Fuhrpark, sei "mit 18 Mann" weiter in Betrieb, als Spedition für Dritte sowie andere Betriebs teile.

Kurzer Rückblick: 2010 produzierte EcoMotion in Sternberg noch 100 000 Tonnen Biodiesel. Das bedeutete volle Auslastung, während die Branche insgesamt nur bei 50 Prozent lag. Im Vorjahr ging die Herstellung von Biodiesel um ein Fünftel zurück, doch dafür konnte Rapsöl verkauft werden. Dessen Abnehmer, zum Beispiel Produzenten von Biodiesel in Rostock und Magdeburg, gerieten inzwischen selbst in die Klemme bzw. bauten eine eigene Ölmühle.

Becker ärgert sich maßlos über den Schlingerkurs der Bundesregierung in der Steuerpolitik. "Es ist die alte Leier, dass politische Zusagen nicht eingehalten werden", sagt er. Biodiesel galt wegen seiner geringeren Kohlendioxid- und Schadstoffwerte als eine der Zauberformeln beim Umwelt- und Klimaschutz sowie der Unabhängigkeit von Rohöl - und war deshalb von der Mineralölsteuer befreit. Allerdings nicht lange, auf einmal ging es von null auf 18,6 Cent, und jährlich sollten sechs Cent hinzukommen. Das war, als ein Barrel Rohöl um 150 Dollar kostete und zu befürchten war, dass der Ölpreis sich in Richtung 200 Dollar bewegt; doch das Gegenteil trat ein. Die Mineralölsteuer auf Biodiesel wurde zwar eingefroren, zur Belebung des so genannten B100-Marktes - 100 Prozent Biodiesel in den Lkw-Flotten - sei aber "nichts passiert", grollt der EcoMotion-Geschäftsführer.
Statt 100 Prozent verabschiedeten sich die deutschen Spediteure, die ebenfalls auf die Zusagen der Politik vertraut hatten, schnell wieder von dem neuen Kraftstoff. Denn sie zahlen drauf, wenn Bio- und Normaldiesel gleich viel kosten. Mindestens zehn Cent müsste der Unterschied betragen, weil bei Biodiesel der Verbrauch höher ist und sich die Intervalle für den Ölwechsel halbieren. 2008 flossen mehr als zwei Millionen Tonnen Biodiesel auf den deutschen B100-Markt, im Vorjahr nicht mal mehr 100 000 Tonnen. Allein der Export hielt Produzenten wie EcoMotion mehr oder weniger über Wasser.

Mittlerweile ist auch der Absatz im Ausland eingebrochen, sagt Becker. Hauptgrund sei, dass nur Deutschland die Nachhaltigkeitsverordnung beflissen umgesetzt habe. Sie verlangt, dass der Rohstoff für Biodiesel nachhaltig produziert wird und nicht auf Flächen, die vorher zum Beispiel Urwald, Moor oder Naturpark waren. Europäische Nachbarn hätten sich kaum daran gehalten und der Einfuhr von preisgünstigerem Soja- und Palmmethylester aus Südamerika und Asien die Türen der EU geöffnet. Dadurch sei die Biodieselproduktion auf der Basis von Rapsöl stark zurückgedrängt worden.

Das Sternberger Unternehmen bemühe sich konsequent, Lösungen für die Produktion und den Absatz von Rapsöl zu finden, erklärt Becker, wohl wissend, dass das kein leichtes Unterfangen ist. Die Ölmühlen in Deutschland hätten eine jährliche Verarbeitungskapazität von sechs bis sieben Millionen Tonnen, zwei Millionen davon blieben derzeit ungenutzt. "Doch wir unternehmen alle Anstrengungen, damit unsere Ölmühle wieder in Betrieb geht und wir unseren Standort in Sternberg erhalten", betont der Eco Motion-Geschäftsführer. Von Biodiesel spricht er gegenwärtig nicht.


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