Kupfer-Diebe sind im Gleisbett aktiv

<strong>Großer Arbeitsaufwand: </strong>Fahrleitungsschlosser Daniel Pohl zeigt die Stellen, an denen sich Diebe zu schaffen machen. Foto: Dabe
1 von 2
Großer Arbeitsaufwand: Fahrleitungsschlosser Daniel Pohl zeigt die Stellen, an denen sich Diebe zu schaffen machen. Foto: Dabe

svz.de von
13. Juni 2012, 01:53 Uhr

Rostock | Metalldiebe in Rostock werden immer dreister: In den vergangenen Tagen haben Unbekannte etwa 250 Meter Kupfer-Kabel aus dem Gleisbett der Straßenbahnen gestohlen. "Wir sind den metallaffinen Leuten ausgeliefert", sagt Andreas Lüdtke, Abteilungsleiter bei der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG). An 40 schlecht einsehbaren Stellen im Netz wurden die Kabel vermutlich in den vergangenen Nächten entwendet. "Dabei ist ein Schaden in Höhe von 15 000 Euro entstanden", so Lüdtke. Das liege nicht nur an den Materialkosten, sondern auch an der aufwändigen Montage durch die Mitarbeiter. Das städtische Unternehmen wehrt sich nun gegen die Diebe und hat Anzeige erstattet. Darüber hinaus wird geprüft, inwieweit die Überwachungsmaßnahmen in Zukunft ausgeweitet und die Kabel in ihrer Bauweise diebstahlsicherer gestaltet werden können.

Einen so massiven Kabel-Diebstahl wie in den vergangenen Tagen habe die RSAG bisher noch nie feststellen müssen. In den Jahren zuvor habe es lediglich einzelne Vorfälle dieser Art gegeben. Auf Kontrollfahrten bemerkten die RSAG-Mitarbeiter schnell, dass das Problem ein größeres Ausmaß angenommen hat. An vielen Stellen wurden die Verbindungskabel abgeschnitten beziehungsweise abgebogen. Zwischen den einzelnen Schienen sowie zwischen den Richtungsgleisen gibt es etwa alle 150 Meter Verbindungskabel. Diese sorgen dafür, dass der Stromkreis stets geschlossen ist und der Widerstand möglichst gering bleibt.

Fehlen die Kabel, kann das den ordnungsgemäßen und sicheren Betrieb der Straßenbahn gefährden, so Lüdtke. Vor allem im Weichenbereich könne das zu Problemen führen und die Steuerung beeinträchtigen. Darum soll es nun häufiger Kontrollfahrten geben, bei denen gezielt auf die Verbindungskabel geachtet wird.

Auch präventiv will die RSAG gegen den Kabelklau vorgehen. So denkt das städtische Unternehmen momentan darüber nach, die schlecht einsehbaren Stellen und gleichzeitig die bisherigen Diebstahl-Schwerpunkte bewachen zu lassen. Überwachung habe sich auch schon beim Vandalismus-Problem in den Straßenbahnen ausgezahlt. "Seit die Kameras installiert wurden, ging die Vandalismus-Rate um 90 Prozent zurück", so Lüdtke. Geprüft wird derzeit außerdem, ob die Bauweise an den Schienen verändert werden kann, sodass die Verbindungskabel nicht mehr abmontiert werden können.

In den vergangenen Tagen waren die Metall-Diebe vor allem im Stadtteil Dierkow aktiv. Offenbar waren sie gut vorbereitet und hatten entsprechendes Werkzeug dabei. "Die Kabel sind relativ schwer zu schneiden", erklärt Lüdtke. Das liege daran, dass es sich dabei um arminierte Kabel handelt, die in eine Plastikschicht eingehüllt und ebenfalls davon durchzogen sind. Diese Bauart soll es Dieben schwerer machen, das Kabel zu durchtrennen. Außerdem, so dachten die Mitarbeiter der RSAG, macht diese Bauweise die Kabel für Diebe weniger attraktiv, weil der Schrotthändler dafür weniger Geld zahlt. Der Preis für Kupfer liegt derzeit bei etwa sechs Euro pro Kilogramm - das gilt jedoch nur für reines Metall. Weil sich das Geschäft trotzdem zu lohnen scheint, sollen die Kabel baulich weiter abgewertet werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen