"Sammlung Christian Ludwig" noch nicht endgültig unter Kulturschutz gestellt : Kunstkauf: Brodkorb will neu verhandeln

„Ich bleibe ein unverbesserlicher Optimist“, sagt Mathias  Brodkorb. Er will die Verhandlungen wieder aufnehmen. Regge-Schulz
1 von 2
„Ich bleibe ein unverbesserlicher Optimist“, sagt Mathias Brodkorb. Er will die Verhandlungen wieder aufnehmen. Regge-Schulz

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) will die angeblich "einseitig unterbrochenen" Verhandlungen über den Kauf von 260 Kunstgegenständen aus dem Eigentum von Donata Herzogin zu Mecklenburg wieder aufnehmen.

von
28. November 2012, 08:25 Uhr

Schwerin | Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) will die angeblich "einseitig unterbrochenen" Verhandlungen über den Kauf von 260 Kunstgegenständen aus dem Eigentum von Donata Herzogin zu Mecklenburg wieder aufnehmen. Das teilte ein Sprecher des Ministeriums gegenüber dieser Zeitung mit. Fünf Wochen nachdem die Gegenseite die Verhandlungen verärgert wegen "Untätigkeit" der Landesregierung für beendet erklärt hatte, sind bei der Familie Mecklenburg allerdings noch keine Gesprächssignale von Brodkorb eingegangen, so deren Anwalt Karsten Witt.

Brodkorb hat jedoch die "Sammlung Christian Ludwig" auch noch nicht endgültig unter Kulturschutz gestellt. Das Verfahren dazu hatte sein Ministerium im Frühjahr recht holprig auf den Weg gebracht. Die Familie zu Mecklenburg hatte dies als Affront aufgefasst. Sobald die Sammlung auf der Kulturschutzliste steht, kann die Familie, falls der Verkauf ans Land scheitert, kein Stück daraus ins Ausland verkaufen, wodurch der Markpreis gedrückt wird.

Mit den andauernden Verhandlungen begründet das Bildungsministerium die Geheimhaltung der Wertgutachten, mit denen der bisherige Kaufpreis von 7,9 Millionen Euro gerechtfertigt wird. Andererseits fordert Brodkorb neue Wertgutachten, da die Landtagsabgeordneten "eine streitfreie Entscheidungsgrundlage" bräuchten, wenn sie dem Geschäft zustimmen sollen. Laut Brodkorb ist die Sammlung kulturhistorisch "außerordentlich bedeutend" und darf nicht auseinandergerissen werden. Sein Dilemma ist es, dass sein Vorgänger Henry Tesch (CDU) bereits einen Vertrag hatte ausarbeiten lassen, laut dem die Familie zu Mecklenburg nur 234 Kunstgegenstände für 7,9 Millionen Euro verkauft. 26 Sammlungsstücke, darunter das berühmte Bild der englischen Königin Charlotte aus der Werkstatt des Malers Thomas Gainsborough, wollte sie als "Erinnerungsstücke" behalten. Dahinter wollen die Mecklenburgs nicht zurück. Da seitdem mehrere Jahre verstrichen sind, fordern sie zudem einen zehnprozentigen Aufschlag. Für jeden weiteren der übrigen 26 Gegenstände müsste Brodkorb zusätzlich bezahlen, so ein Kunstmarkt-Experte. Außerdem gerät der Minister möglicherweise unter Zeitdruck. Donata zu Mecklenburg will ihre Sammlung in einem Foto-Katalog präsentieren. Dessen Verbreitung kann die Preise in die Höhe treiben.

Die "Sammlung Christian Ludwig" ist nach dem Vater Donatas benannt, obwohl er diese Dinge nicht selbst gesammelt hat. Sie besteht aus Gegenständen, mit denen ihr Großvater Friedrich Franz IV. seit 1920 das Schloss Ludwigslust einrichtete. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Gegenstände beschlagnahmt worden. 1997 wurden sie wieder der Familie zu Mecklenburg zugesprochen. 152 Dinge nahm sie aus Schwerin mit, die anderen hat sie dem Land bis 2014 geliehen.

Der überwiegende Teil der Sammlungen und Einrichtungsgegenstände der Mecklenburger Herzöge waren spätestens seit 1930 in Staatsbesitz übergegangen. Damals verkaufte Friedrich Franz IV. dem Freistaat Mecklenburg-Schwerin über 2000 Kunstgegenstände. Der Kaufpreis wurde unter anderem mit Landgütern beglichen, weil der Finanzminister kein Bargeld herausrücken wollte. 2011 war der Ankauf der Sammlung Christian Ludwig gescheitert, weil Finanzministerin Heike Polzin (SPD) zum Teil mit einem Wald bezahlen wollte - was auf Protest in der SPD und in der Linkspartei führte. Mit der Sammlung soll das Schloss Ludwigslust erneut ausgestattet werden, sobald es saniert ist.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen