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NDW-Star lebt heute in Schwerin : Kunst oder Käse?

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Vor 30 Jahren stand Ernst-Ulrich Deuker mit der Band Ideal auf der Bühne. Während der Neuen Deutschen Welle waren die Musiker mit Hits wie "Eiszeit" oder "Deine blauen Augen" erfolgreich. Heute lebt Deuker in Schwerin.

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erstellt am 05.Jul.2013 | 07:16 Uhr

Schwerin | Vor 30 Jahren stand Ernst-Ulrich Deuker mit der Rockband Ideal auf der Bühne. Mit Annette Humpe, Frank Jürgen Krüger und dem Schlagzeuger Hans-Joachim Behrendt waren die Musiker mit Hits wie "Eiszeit" oder "Deine blauen Augen" in der Zeit der Neuen Deutschen Welle erfolgreich. Deuker erlebte den Gipfel von Ruhm und Anerkennung und überstand schwere Lebenskrisen. Heute lebt er mit Partnerin Laima und Tochter Paula im Zentrum Schwerins und möchte mal wieder etwas ganz anderes machen.

Aufgewachsen in Trier, spielte er zusammen mit Bruder Martin bei den Pfadfindern die Ukulele. Bereits mit elf Jahren tauschte er diese gegen die Gitarre und als 14-Jähriger kam der E-Bass hinzu.

Ernst-Ulrich wurde von seinen Eltern zur Verwandtschaft nach Westberlin verfrachtet, machte dort sein Abitur, studierte Mathematik. Er liebäugelte mit dem Jazz. "Aber", so Deuker: "In den 70er- Jahren liebäugelten umgekehrt die meisten Jazz-Musiker mit der Pop-Musik - Fusion (aus Jazz und Rock) nannte sich der Stil". Der Schlagzeuger Hans-Joachim Behrendt brachte ihn mit Annette Humpe und Frank Jürgen Krüger zusammen. Und es funkte musikalisch sofort. Schon bei der ersten Probe entstanden drei Songs.

Das persönliche Verhältnis der Musiker war eher schwierig und konfliktbeladen. Der Band-Name "Ideal", erzählt Deuker, wurde per Münzwurf von Inga Humpe entschieden, die erste Platte 1979 aufgenommen, als er selbst noch in der Endphase seines Studiums steckte. Mit dem Studienabschluss gerade in der Tasche ging es auf die erste Tournee.

Auf der Spitze des Ruhmes löste sich die Band nach nur drei Jahren auf. Dieter-Thomas Heck verkündete es 1983 in der "Hitparade". Deuker erzählt von unglaublichem Stress für die vier unangepassten Bandmitglieder. In die "Hitparade" wollte Deuker nie. "Macht es, aber ohne mich," gab er seinen Kollegen mit auf den Weg zu Dieter-Thomas Heck. Dieser wollte die Band jedoch nur komplett. Damals trat auch Nena in der Sendung auf.

Deuker nennt die damalige Entscheidung auch heute noch richtig, trotzdem war es in persönlicher Hinsicht einer der Tiefpunkte seines Lebens. Danach, so der Musiker, wollte er nie wieder etwas Kommerzielles mit Musik zu tun haben. In den Vogesen lernte er Käse herzustellen und führte eine Käserei. Später arbeitete er in einem Berliner Sternerestaurant.

Lebenskrisen nennt er die Phasen in seinem Leben, die Veränderungen brachten. Nach Käsen und Kochen ging’s nach Mecklenburg. Gemeinsam mit seiner damaligen Gefährtin, der Künstlerin Gabo, kaufte er ein Haus bei Malliß, lebte dort und begann wieder, mit Musik seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Nun als Lehrer für Gitarre und E-Bass. Erste Schüler hatte er in Ludwigslust, nahm auch den Kontakt zum Schweriner Konservatorium auf. Volker Ahmels, dess Leiter, schickte ihn zu Ataraxia. Die Musiker Reinhard Lippert und Ingolf Drabon nahmen ihn hier mit offenen Armen auf.

Es folgten Jahre als Lehrer, aber immer auch mit künstlerischen Gemeinschaftsprojekten. Gerne erzählt er von der Zeit mit "Mischpoke" und der Zusammenarbeit mit John Carlson vom Schweriner Theater.

Schwerin, so Deuker, ist ein guter Ort für einen Musiker, wenn dieser nicht ständig mit einem Produzenten ein Bier um die Ecke trinken muss, um im Geschäft zu bleiben. Er kann hier gut und in Ruhe arbeiten, die Stadt ist für ihn strategisch günstig gelegen. Schnell sitzt er mit dem Instrumentenkoffer im Zug, um nach Hamburg oder Berlin zu kommen.

Vergangenes Jahr arbeitete er für vier Wochen mit Jugendlichen in Litauen und Lettland. Natürlich an einem Jazzprojekt.

Trotz verschiedenster musikalischer Arbeiten und Projekte sieht Deuker die Perspektiven im Unterrichten problematisch. Musik hat seiner Meinung nach nur den Stellenwert von Freizeitbeschäftigung. "Die Musikschule ist nicht im Bildungssystem eingebettet." Deuker setzt sich ein für seine Schüler und seine Stadt. Arbeitet mit anderen Lehrern an Konzepten für neue Unterrichtsformen. Geht direkt in die Schulen, um den Kindern die Musik nahe zu bringen.

Deuker befindet sich auch heute in einer Umbruchssituation. Fühlt vor, ob er nahe der Landeshauptstadt, in Medewege, wieder Käse produzieren kann. Spät im Leben hat er eine Familie gegründet. Laima, seine Frau, kommt aus Lettland. 17 Jahre trennen das Paar.

Mathematiker, Popstar, leidenschaftlicher Jazzmusiker und Lehrer, bald wieder Käseproduzent? Man möchte ihn mit Ketten an seine Schüler binden. Der Unangepasste lacht darüber und wird seinen eigenen Weg gehen.

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