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Hinter die Kulissen geschaut : Kunst im Schloss des Herzogs

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hinter Ausstellungsvorbereitungen steckt mehr, als Bilder an Wänden anzubringen

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2016 | 11:45 Uhr

Die Wände im Schloss hängen derzeit voller Plakate – so verschiedenen, dass man glauben könnte, sie stammten von unterschiedlichen Künstlern. Doch auf allen taucht das Wort Willisau auf. Das ist der schweizerische Heimatort von Niklaus Troxler, der die 70 kreativen Veranstaltungsankündigungen geschaffen hat. Organisiert und veranstaltet werden die Ausstellungen seit gut 25 Jahren vom Kunstverein Wiligrad. „Wir sind jetzt bei Nummer 192 angelangt“, sagt Detlef Kiehn, der hier als Projektleiter arbeitet.

Das Schloss Wiligrad wurde in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts für Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg gebaut. Nach 1945 war das Dorf-Ensemble Partei- und später Polizeischule. 1991 übernahm der Kunstverein das Objekt. Kaum hat ein neues Jahr begonnen, wird schon das darauffolgende verplant. Der Verein reicht eine Liste der geplanten Ausstellungen beim Kultusministerium ein, um Fördermittel zu erhalten.

„Meist beginnen wir im Januar mit einer Plakat- oder Fotoausstellung. Dabei fallen nicht so viele Kosten zum Beispiel für Transport und Versicherungen an“, erklärt der Projektleiter. „Denn bevor wir das Geld bekommen, ist das neue Jahr zur Hälfte vorbei. Bis dahin müssen wir alles vorfinanzieren.“ Drei Viertel der nötigen Finanzen erwirtschaftet der Verein ohnehin selbst.

Die ersten Schritte zu einer Ausstellung beginnen früh. „Wir nehmen Kontakt auf. Die Antwort kann manchmal ein bisschen dauern, denn die Künstler müssen sich oft ja auch erstmal über uns informieren.“ Als Nächstes wird geklärt, wann welche Werke ausgestellt werden sollen und wie sie nach Wiligrad kommen. „Troxler hat die Plakate mit der Post geschickt, die lassen sich ja leicht einrollen. Aber ich habe zwei Stunden beim Zollamt in Ludwigslust gesessen, um sie abzuholen. Solche Sendungen haben die dort auch selten.“ Schon für die folgende Schau jedoch wird der logistische Aufwand erheblich größer: Aus ganz Deutschland müssen ausgewählte Werke des Malers Thomas Ziegler abgeholt werden.

Die nächste Frage ist die nach der Präsentation. Sollten die Troxler-Plakate also gerahmt werden oder nicht? Zuerst einmal mussten sie etliche Tage flach liegen, um sich vom Transport in der Rolle zu erholen. „Und wir hatten uns entschieden, sie dann auf Passepartout-Pappen aufzuklammern, weil es ja nur Leihgaben sind.“ Parallel zu diesen Vorbereitungen beginnt der Verein, die Veranstaltungen zu bewerben. Es gibt einen Flyer fürs ganze Jahr, aber daneben werden die Ausstellungen auch kurz vor der Eröffnung in den Medien angekündigt. Eine knappe Woche vor der geplanten Eröffnung werden die Werke geliefert, sodass mit dem Aufhängen begonnen werden kann.

„Nach dem Ende einer Ausstellung bauen wir oft montags ab und beginnen schon dienstags mit dem Aufbau der nächsten“, sagt Kiehn. Oft wird auch erst in dieser Zeit entschieden, welches Bild wo hängen soll – wenn der Künstler nicht selbst eine genaue Vorstellung davon hat. „Manche haben einen Plan und kommen sogar mit zum Aufbauen her – das ist für uns gut.“ Andere erscheinen erst zur Eröffnung – auch dieser Aufenthalt muss organisiert werden. Außerdem werden offizielle Gäste eingeladen, Redner, Musik und Catering für die Vernissage gebucht.

Viel Vorarbeit also für die Schauen, die meist sechs Wochen zu sehen sind – die Troxler-Plakate noch bis zum 6. März.
 

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