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Malerei trifft Fotografie : Kunst, die die Zeit anhält

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Aus der Onlineredaktion

Kunsthalle Rostock zeigt Ausstellung mit Werken von Andreas Mühe und Markus Lüpertz

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erstellt am 24.Sep.2016 | 08:00 Uhr

Nazis, die an Bäume pinkeln, junge Männer in gebügelten SS-Uniformen, nackte Körper, die mit provakanter Haltung im Scheinwerferlicht stehen. Daneben Zeichnungen einer hageren Männergestalt, eines Apolls. Doch sie erinnern weniger an einen Gott, als an einen menschlichen Greis.

Andreas Mühe ist Fotograf, Markus Lüpertz Maler. Was beide gemeinsam haben? Zusammen führen sie einen Dialog mit der Kunstgeschichte, setzen sich mit der Vergangenheit auseinander, reflektieren die Zeit. Was sie noch gemeinsam haben? Seit heute sind ihre Werke unter dem Titel „Ancien Régime“ in der Kunsthalle Rostock ausgestellt. „Andreas fotografiert mit großartigem Malerpotenzial, fast von mittelalterlicher Qualität“ – ein Kompliment des Apoll-Meisters. Noch nie war dessen komplette Werkserie zur Figur der griechischen Mythologie ausgestellt. 13 der Arbeiten konnten zuletzt im Bode Museum Berlin besichtigt werden.

Andreas Mühe spielt mit der Macht, fotografierte in der Vergangenheit zahlreiche Prominente wie Angela Merkel oder Prinz Harry. Er spielt mit der Nacktheit, ist angetan von der Finsternis, von dem Bösen. In seiner Obersalzberg-Reihe bewegt er sich in der politischen Landschaft der Nazi-Ästhetik. Zwischen 1933 und 1944 hat Hitler in seiner Schaltzentrale im Bergidyll 125 Gesetze, Führer-Erlasse und Verordnungen formuliert und Staatsverträge ratifiziert.

Mühe konzipiert seine Bilder, Zufall formt keine Posen für eine Diktatur. Für seine Obersalzberg-Reihe habe er sich an historischen Aufnahmen von Walter Frentz orientiert, Hitlers Haus- und Hoffotografen. Um die NS-Ikonografie zu verstehen, reiste er zwischen 2010 und 2013 immer wieder in die Berchtesgadener Bergwelt.

Mühe und Lüpertz haben sich vor zehn Jahren kennengelernt, als der Fotograf den Maler im Auftrag einer Wochenzeitung ablichtete. Seitdem schätzen sie einander, beschreiben ihre Beziehung als „Liebe auf den ersten Blick“.

Die gemeinsame Ausstellung sei Mühes Idee gewesen – schon vor langer Zeit. In der Kunsthalle Rostock haben die beiden einen möglichen Raum für die Präsentation ihrer Werke gefunden. „Leute bauen die wahnsinnigsten Museen, die alles können, aber keinen Raum geben für Bilder“, sagt Lüpertz. Die Kunsthalle sei da anders. Damit die Exponate besser zur Geltung kommen, wurden sogar die Wände gestrichen. Kunst halte die Zeit an, bedeutet Lüpertz: „Ein Bild bewegt sich nicht. Nur wer noch Fantasie besitzt, hat die Macht, die Bilder zu bewegen.“ Die Ausstellung sei insofern als Frage zu verstehen, sagt der Maler und Bildhauer. „Wertet die Malerei die Fotografie auf oder eher ab? Wir präsentieren keine Lösung.“

Die Ausstellung kann bis zum 4. Dezember in der Kunsthalle Rostock, Hamburger Straße 40, besucht werden. Geöffnet ist das Haus dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Führungen werden dienstags 16 Uhr, mittwochs 14 Uhr und donnerstags 16 sowie 18 Uhr angeboten. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

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