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Mecklenburg-Vorpommern

25. September 2017 | 20:53 Uhr

Kultus knauserte mit Kulturförderung

vom

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erstellt am 10.Jun.2013 | 07:48 Uhr

Schwerin | Nach Angaben der Opposition im Landtag hat das Schweriner Bildungsministerium in den vergangenen beiden Jahren über 600 000 Euro an Kulturfördergeldern eingespart. Kulturvereine, Museen und Künstler wundern sich darüber. Mit der Begründung, es sein kein Geld vorhanden, waren ihre Förderanträge abgelehnt worden.

Meist ging es um überschaubare Beträge. Walter Reuter vom soziokulturellen Verein "Auf der Tenne" in Dummerstorf wollte 2500 Euro haben, um Referenten für Vorträge über ferne Länder bezahlen zu können. "Wir verpflichten Leute, die mehr als einen Reisebericht bieten können", so Reuter. Obwohl die Veranstaltungsreihe in den Vorjahren vom Bildungsministerium unterstützt wurde, hieß es 2012, der Fördertopf sei ausgeschöpft.

Ähnlich erging es der Künstlerin Anne-Katrin Altwein in Ivenack. Für ihr Vorhaben mit dem viel sagenden Namen "Über das entwickelte Unrechtsbewusstsein" hatte sie 5000 Euro beantragt. "Weil kein Geld mehr da sei", erinnert sie sich an das Schreiben aus Schwerin. "Ich hatte den Eindruck, Mecklenburg-Vorpommern hat kein Geld für Künstler übrig."

Die Stadt Penzlin wollte in ihrem Museum eine Ausstellung mit dem Namen "Brunnenfunde" neu gestalten und so über deren "magischen Interpretation und zur landesgeschichtlichen Legendenbildung" informieren. 2012 hatte das Bildungsministerium dafür nicht die beantragten 2900 Euro übrig, weil die Mittel vergeben seien, so eine Sprecherin der Stadt.

In der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage hatte das Ministerium indes selbst angegeben, dass 22 Kunst-Projekte wegen Geldmangels nicht gefördert wurden.

Ulrike Berger (Grüne) warf Minister Mathias Brodkorb (SPD) vor, heimlich die Kulturförderung gekürzt zu haben, obwohl im Haushalt ausreichend Geld veranschlagt war. Ein Ministeriumssprecher wies darauf hin, wenn Projekte die Fördermaßstäbe nicht erfüllten, könnten sie nicht gefördert werden. So musste das Fliesenmuseum Boizenburg auf einen 6000-Euro-Zuschuss verzichten, weil es die Ausstellung wertvoller holländischer Fliesen angeblich bereits eröffnet hatte. Laut der Förderrichtlinie dürfen Projekte nicht begonnen worden sein, bevor es grünes Licht für die Zuschüsse gibt. Wolfgang Ebert vom Museumsverein hält die Begründung für die Ablehnung für vorgeschoben.

Gut 9,4 Millionen Euro hatte Bildungsminister Brodkorb im vergangenen Jahr für die Kulturförderung zur Verfügung. Ein Großteil ging davon an die Jugendmusik- und an die Jugendkunstschulen. Nutznießer sind auch Künstler, Musiker, Schauspieler, Archivare, Tanzgruppen, Bibliotheken, Museen, Heimatvereine und soziokulturelle Einrichtungen sowie deren Verbände.

Nach der anhaltenden Kritik an der Vergabe kündigte Brodkorb vor kurzem an, das Geld künftig nach neuen Regeln zu vergeben. Kleine Projekte mit rein lokaler oder regionaler Bedeutung sollen von den Landkreisen unterstützt werden.

Das Land würde sich, so die Vorschläge des Ministers, um die Grundversorgung mit Musikschulen und ähnlichen Institutionen sowie um Projekte mit landesweiter Bedeutung kümmern.

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