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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 12:30 Uhr

Schwerin : Kulturschutz: Der Kampf geht weiter

vom

Der letzte Vorhang ist zwar nicht gefallen im Staatstheater, aber ein kultureller Kahlschlag droht noch immer. Es gehe nicht nur um das Schicksal des Theaters, sondern um die Zukunft der Theater und Orchester im ganzen Land.

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erstellt am 15.Apr.2012 | 06:49 Uhr

Schwerin | Der letzte Vorhang ist zwar nicht gefallen im Mecklenburgischen Staatstheater, aber ein kultureller Kahlschlag droht noch immer. "Wir haben nur eine Atempause gewonnen, nicht mehr", schätzt Ralph Reichel, Regisseur, Dramaturg und einer der Organisatoren der Protestbewegung "Kulturschutz" die derzeitige Situation ein. Deshalb müsse der Kampf fortgesetzt werden.

"Es geht hier doch nicht nur um das Schicksal des Schweriner Theaters, sondern um die Zukunft der Theater und Orchester im ganzen Land", betont er. Deshalb trage die Bewegung auch den Namen "Kulturschutz". Reichel erklärt das so: Im Grundgesetz wurde 1968 auf Drängen breiter Teile der Gesellschaft der Naturschutz als Verfassungsziel verankert, das Gleiche müsse jetzt mit der Kultur geschehen. Dann wäre sie nicht als so genannte freiwillige Aufgabe ständig in der Gefahr, Kürzungen bis zum Todesstoß hinnehmen zu müssen, sondern könne als Pflichtaufgabe der öffentlichen Hand auf angemessene finanzielle Ausstattung hoffen.

"Schneller und einfacher indes könnten wir dieses Ziel erreichen, wenn sich die Politiker unseres Landes dazu durchringen könnten, den Kulturschutz in der Landesverfassung für Mecklenburg-Vorpommern festzuschreiben", sagt Reichel. Er hofft, dass die bevorstehende erneute Debatte im Landtag zur Gestaltung der Theater- und Orchesterlandschaft in MV , die durch 50 000 Unterschriften von Theaterfreunden erzwungen wurde, ein wichtiger Schritt auf diesem Wege sein kann.

Und der Mann der Kunst steht nicht allein. Überall in Schwerin hängen Kulturschutz-Plakate: in Gaststätten und Friseursalons, in Kaufhallen und Anwaltskanzleien, in Kitas und Informa tionszentren, in öffentlichen Gebäuden wie in privaten. Aufkleber an Autos und Kinderwagen, Aufnäher auf Handtaschen und Jacken zeigen: Das Theater ist Gesprächsthema, die angedrohten Sparmaßnahmen erhitzen nach wie vor die Gemüter der Schweriner.

Die Kulturfreunde machen mit immer neuen Ideen Front gegen den drohenden Kulturabbau im Lande und demonstrieren zugleich, dass sehr viele Menschen Kunst und Kultur als unverzichtbar ansehen, sowohl in der Breite als auch in der Qualität. So hat am Wochenende eine Gruppe vorwiegend junger Leute ein Protest-Zeltlager direkt vor dem Landtag aufgeschlagen. Rund um die Siegessäule auf dem Alten Garten wird auf Transparenten unmissverständlich bekundet: "Kultur muss sein" und "Wir lassen uns die Theater im MV nicht kaputtmachen". So hat die Mahnwache vor dem Landtag, die seit Wochen an der Schlossbrücke ausharrt, nun massiv Unterstützung bekommen. Den erfindungsreichen Kulturschutz-Aktivisten gelingt es dabei mit immer neuen Aktionen, freundlich für ihr Anliegen zu werben. So nahm sogar Ministerpräsident Erwin Sellering lächelnd - und dankend - eine Flasche Bio-Apfelsaft der Marke "Kultur ist Lebensmittel" vor der Staatskanzlei entgegen, die ihm ein kleines Mädchen aus Schwerin überreichte. Eine riesige Uhr im Biohof Medewege zeigt: Es ist fünf vor zwölf. "Wer sich über unsere Aktivitäten informieren möchte, findet dazu im Internet unter www.theater-schwerin-kulturschutz. de alle Infos", sagt Reichel.

Die Mitarbeiter des Theaters kämpfen unterdessen mit dem für ihr Haus, was sie am besten können: Sie machen gutes Theater, spielen mit vollem Einsatz, bringen unbeirrt eine Premiere nach der anderen auf die Bühne. Und die Schweriner wissen das zu honorieren. Am Freitag war das Große Haus beim Ballettabend bis in den dritten Rang gefüllt. Es gab dermaßen viel Beifall für die Inszenierung "Blutrot, schneeweiß, rabenschwarz" von Birgit Scherzer, dass den Tänzerinnen und Tänzern die Tränen der Rührung in den Augen standen.

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