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Feuchtigkeit und Schimmel : Kulturgüter vergammeln in Depots

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jedes zweite Museumsdepot in Mecklenburg-Vorpommern weist teilweise gravierende Mängel auf

svz.de von
erstellt am 15.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Jedes zweite Museums-Depot in Mecklenburg- Vorpommern ist nach Einschätzung des Museumsverbandes unzulänglich. Ein häufiges Problem sind Feuchtigkeit und Schimmelbildung, wie der Verbandsvorsitzende Steffen Stuth sagte. Besonders gefährdet seien Bücher, Urkunden und Briefe sowie Textilien oder Möbel.

Doch nicht nur in Depots können Kulturgüter dem Verfall ausgesetzt sein. Das kann auch vor aller Augen geschehen: „Originaldokumente in Dauerausstellungen, die jahrelang nicht abgedunkelt in Vitrinen liegen, vergilben“, warnte Stuth. Empfohlen werde daher, Kopien auszustellen und die Originale zu sichern.

Brodkorb kündigt Unterstützung an

Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) kündigte ein „Programm zum Erhalt der Kulturgüter“ noch für dieses Jahr an. Daraus solle etwa die Digitalisierung und die Erhaltung und Restaurierung von Buchbeständen bezahlt werden. „Es ist aber nicht so, dass wir alle Kosten übernehmen, sondern wir unterstützen die Träger“, machte der Minister deutlich. Für die Depots seien die Träger selbst zuständig. 2015 hätten die freien Museen 574 000 Euro Projektfördermittel erhalten.

„Die Museen sind bestrebt, die Depots zu verbessern. Aber es ist ein ziemlicher Investitionsstau aufgetreten“, sagte Stuth. Vor mehr als zwei Jahren war im Land die Situation der Depots der rund 230 Museen erfasst worden. „Seitdem hat sich grundsätzlich nichts geändert“, bedauerte er. Das Gros der Häuser – etwa 180 – seien Klein- und Kleinstmuseen, meist in Trägerschaft von Kommunen oder Vereinen.

Doch auch große Museen und Archive oder das frühere Landesamt für Bodendenkmalpflege sind nicht sicher, wie die 7000 Jahre alten Einbäume zeigten, die in einer Halle in Schwerin verrotteten. 2002 waren die Steinzeit-Boote bei Bauarbeiten in Stralsund gefunden worden. Nach nur zwei Jahren waren sie weitgehend zerfallen. Der Skandal wurde erst Jahre später bekannt. Das Land zog Konsequenzen aus dem Fall.

„Das war eine Schande“

Wie Brodkorb sagte, hatte er nach seinem Amtsantritt 2011 begonnen, das gute Dutzend provisorischer Depot-Außenstandorte des Landes schließen zu lassen. „Das waren keine Depots, das war eine Schande“, sagte er. Nach und nach seien die archäologischen Schätze des Landes in ein Zwischendepot in einem Schweriner Industriegebiet gebracht worden. Die Funde seien aufgearbeitet, registriert und digitalisiert worden.

Größtes Sorgenkind waren dem Landesarchäologen Detlef Jantzen zufolge zwei ehemalige Munitionsbunker in Wiligrad bei Schwerin, wo sich Schimmelpilze, Mikroben und Bakterien der Werke bemächtigten. Er schätzte die Verluste auf zehn Prozent. Auch Zettel mit Beschriftungen vergammelten dort. Schon 2012 hatte ein Berliner Architektenbüro den Wettbewerb für ein zentrales Depot des Landes in Schwerin gewonnen. In dem Werkstatt- und Depotneubau sollen die Kulturgüter des Staatlichen Museums Schwerin, des Landeshauptarchivs und der Landesarchäologie gelagert und restauriert werden. Die Planungen seien abgeschlossen, der Baustart stehe bevor, hieß es im Finanzministerium. Es handele sich um das größte Bauvorhaben des Landes in den kommenden Jahren außerhalb des Hochschulbaus.

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