Ekhof-Preisträgerin Brit Claudia Dehler : Zuschauer ins Spiel ziehen

<strong>Brit Claudia Dehler</strong> in dem Bulimie-Drama 'Fressen Lieben Kotzen'<foto>Hentschel</foto>
Brit Claudia Dehler in dem Bulimie-Drama "Fressen Lieben Kotzen"Hentschel

"Wahnsinn!" Eben gab es für die Schauspielerin Brit Claudia Dehler am Mecklenburgischen Staatstheater eine Überraschung. Dr. Michael Jungrichter und Matthias Kunze haben ihr den Conrad-Ekhof-Preis 2012 zugesprochen.

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27. Juni 2012, 10:50 Uhr

Schwerin | "Ich?" Sie dehnt das Wort zu einer langen Frage, versteckt ihr Gesicht hinter den schmalen Händen, schüttelt das wilde Lockenhaar. "Wahnsinn!" Eben gab es für die Schauspielerin Brit Claudia Dehler am Mecklenburgischen Staatstheater eine Überraschung. Dr. Michael Jungrichter und Matthias Kunze vom Vorstand der Theatergesellschaft haben ihr den Conrad-Ekhof-Preis 2012 zugesprochen. Einen Moment herrscht Sprachlosigkeit im Zimmer von Generalintendant Kümmritz.

Wer Ekhof war, hat die junge Frau aus Bergisch-Gladbach, die ihre Schauspielschule in Köln absolvierte, erst erfahren, als sie 2009 an die einstige Wirkungsstätte des "Vaters deutscher Schauspielkunst" nach Schwerin kam, nach zwei Spielzeiten in Münster. "Ich war begeistert, wie herzlich ich beim Vorsprechen aufgenommen wurde, hatte das Gefühl, dass man sich wirklich für mich interessiert. Das ist nicht mehr überall so." Von Köln nach Schwerin, war das kein Schock? "Nein, als ich mich damals am See mit seiner Weite auf den Termin vorbereitet habe, war ich schon richtig angekommen."

Zahlreiche Hauptrollen später also der Ekhof-Preis für ihr fulminantes Solo in dem Problemstück "Fressen Lieben Kotzen", eine anspruchsvolle psychologische Studie über Bulimie. Dehler hat Shakespeare, Brecht, viel zeitgenössische Dramatik gespielt, was liegt ihrem Herzen am nächsten? "Die Vielfalt", Ende der lächelnden Ansage. Dann der Nachsatz: "Die Arbeit mit Regisseur Markus Wünsch am ,Fressen war schon ein Höhepunkt an Konzentration und Intensität." Das reizt sie am Theater: "Kraft aus einer Rolle zu kristallisieren, das Publikum damit berühren, ins Spiel hineinziehen zu können. Und in Schwerin spürt man die Theaterliebe des Publikums."

Dass eine Schauspielerin sich eine Rolle wünschen kann, "das habe ich noch nicht erlebt". Dennoch, die "Penthesilea" von Kleist nistet in ihrem Kopf, die Modernität der Figur, "obwohl ich damit wohl nicht besetzt werde".

Besetzt war sie aber auch schon als Hornistin, und das bravourös, wie das? "Vor dem Schauspiel kam der Musikunterricht bei mir, ich habe Horn gespielt, einmal auch im Jugendweltorchester, dann aber hat sich der Schauspielgeist vom Schultheater her durchgesetzt."

Das Theater arbeitet unter finanziellen Zwängen, wie drückt das auf Schauspieler? "Wir sind motiviert, unsere Arbeit durch künstlerische Leistung zu verteidigen und durch Aktionen in der Öffentlichkeit, aber an den Nerven hat das in letzter Zeit schon gerissen."

Wie gesund kann man leben, wenn man am Theater arbeitet? Da kommt nach einer Kölschen Lache die Wunderformel. "Man muss auf sich achtgeben, sich auch mal belohnen." Was bei Brit Claudia Dehler heißt: "Die Natur genießen, ans Wasser gehen, im Kanuverein paddeln." Und möglichst, das sei hinzugedacht, die rheinische Frohnatur bewahren. Die Preisverleihung ist am Sontag, d. 1. Juli, in einer Matinee im Konzertfoyer des Staatstheaters.

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