„Jahrhundertpianist“ : Zaubermeister am Flügel

Igor Levit verzaubert das Publikum und die Kritiker.
Igor Levit verzaubert das Publikum und die Kritiker.

Pianist Igor Levit ist seit 2004 immer wieder Gast bei den Festspielen MV – in diesem Jahr ist er Preisträger in Residence

svz.de von
02. Juli 2014, 11:50 Uhr

Senkrechtstarter, neuer Stern am Pianistenhimmel, Zaubermeister: Wenn die Rede von Igor Levit ist, überschlagen sich Kritiker wie PR-Agenturen gleichermaßen. Doch auch jenseits des verbalen Hypes ist der 26-Jährige zweifellos einer der spannendsten Pianisten seiner Generation – und in diesem Sommer das „Gesicht“ der Festspiele MV. Als Preisträger in Residence prägt der in Gorki geborene und in Hannover aufgewachsene Künstler den diesjährigen Musik-Sommer. Vor seinen Konzerten im Rahmen des Preisträger-Projektes hat Christoph Forsthoff mit Igor Levit gesprochen.

Wie lebt es sich damit, als „Jahrhundertpianist“ und pianistischer Überflieger gehandelt zu werden?

Levit: Es freut mich in dem Moment, wenn ich es lese – doch dann geht das Leben normal weiter, und es gibt ganz andere Prioritäten. Denn am Ende des Tages ist mir meine Arbeit viel zu wichtig, als dass ich diese ob solcher Kritiken vernachlässigen würde – und für diese Arbeit genügen keine schönen Worte, sondern braucht es vor allem Zeit.

Zeit hat es offenbar auch für Ihr erstes Album gebraucht: Während andere Pianisten oft nicht schnell genug ihre Debüt-CD einspielen können, haben Sie gewartet, bis Sie 26 waren…

…was ja auch noch nicht ganz so alt ist, oder?

Das ist richtig, aber gerade in Ihrer Generation gibt es ja kaum jemanden, der mit 20 nicht bereits sein erstes Album veröffentlicht hatte.

Das soll jeder machen, wie er will – meinetwegen auch mit acht Jahren: Wenn sich jemand damit wohl fühlt, soll er oder sie es tun. Für mich war mit 26 Jahren der richtige Zeitpunkt – auch wenn ich natürlich vorher schon darüber nachgedacht habe, aber es ist eben auch immer eine Frage des Repertoires und der richtigen Partner.

Apropos Repertoire: Andere Pianisten wählen für ihr CD-Debüt Chopin, vielleicht Rachmaninow – Sie haben sich die letzten fünf Beethoven-Sonaten genommen. Hatten Sie keine Angst, sich zu verheben?

Für wen verhebe ich mich? Solange ich mich selbst im Spiegel anschauen kann, mache ich das. Für mein Alter habe ich wirklich sehr lange und intensiv an diesen Sonaten gearbeitet.

Warum?

Beethoven ist für mich der repertoire-technische Dreh- und Angelpunkt. Nun würden sicher die meisten sagen, Beethoven und Bach sind die größten, aber für mich war einfach klar, dass es die späten Sonaten von Beethoven werden – alles andere wäre für mich persönlich falsch oder doch zumindest ein Kompromiss gewesen, den ich vor mir persönlich nicht hätte rechtfertigen können.

Das klingt eher wie ein persönlicher Entwicklungsprozess und nicht wie ein CD-Projekt?

Am Tag nach den Aufnahmen bin ich auf Konzertreise gegangen – und zwar mit eben diesen Beethoven-Sonaten und habe weiter an ihnen gearbeitet. Insofern war diese Aufnahme Teil eines großen Ganzen, zu dem ich mehr denn je stehe und sehr, sehr glücklich bin, mich mit diesen Beethoven-Sonaten beschäftigt zu haben: Das ist mir sehr viel wert.

Viel wert ist Ihnen auch etwas ganz anderes – nämlich Zeitungen…

Ja, das stimmt – ich bin ein Zeitungsjunkie! Und ich lese nicht nur Zeitungen, sondern gehöre auch zu den Menschen, die diese Zeitungen noch abonnieren.  Die Zeitung gehört für mich einfach zum Alltag,  Hinzu kommt das emotionale Moment. Ich mag es einfach, Papier in der Hand zu halten und mag auch das Gefühl, morgens die Zeitung aufzuschlagen – da hängt mein Herz dran!

Seit Ihrem ersten Auftritt 2004 sind Sie beinahe in jedem Sommer wieder in Mecklenburg-Vorpommern zu Gast gewesen – welche Ecken des Landes haben Sie im Laufe der Jahre denn besonders ins Herz geschlossen?

Sicherlich Ulrichshusen, weil damit einfach sehr schöne Erinnerungen zusammenhängen und ich dort in Kooperation mit der Deutschen Stiftung Musikleben einige wunderbare Projekte realisieren konnte.

Und auch das Schloss Hasenwinkel finde ich ganz großartig – wenn man einmal von dieser Schar an Moskitos absieht… Mich stören diese Mücken ungemein, die dort in wahren Armeen auf einen einstürzen: Die rauben mir den letzten Nerv! Das sind schon „Apocalypse now“-Momente – ansonsten ist das durchaus auch ein Ort, den ich sehr gerne habe.

Konzerte mit Igor Levit:

Hasenwinkel:
9.7., Schloss, 19.30 Uhr,

Schwerin:
10.7., Schelfkirche,

Heiligendamm:
12.7., Grand Hotel

Karten: 
0385 – 591 85 85,
kartenservice@festspiele-mv.de, www.festspiele-mv.de

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