Anzeige gegen NDR : Zank um deutsche Musik

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Bürgerinitiative zeigt NDR 1 Radio MV Schwerin wegen Diskriminierung an. 80 Prozent englischsprachige Titel im Radio seien zu viel

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10. September 2015, 21:00 Uhr

Nun muss sich auch die Schweriner Staatsanwaltschaft mit dem Anliegen der Bürgerinitiative „Für mehr deutsche Musik im Radio und für die Bewahrung unserer Muttersprache“ befassen. Nachdem die 56 Mitglieder der im Jahr 2000 gegründeten Initiative vor allem aus dem Osten Mecklenburg-Vorpommerns seit Jahren sowohl im Landtag als auch beim Ministerpräsidenten und erst recht direkt beim NDR mit ihrem Anliegen gescheitert waren, gehen sie nun einen Schritt weiter im Kampf um mehr deutsche Musik im NDR 1 Radio MV. Angezeigt wurden die Direktorin des Landesfunkhauses MV, Elke Haferburg, und Chefredakteur Joachim Böskens.

In der Anzeige, über die zuerst der „Nordkurier“ berichtet hatte und die unserer Redaktion vorliegt, heißt es u.a.: „Gegenwärtig sendet NDR 1 Radio MV im Tagesprogramm 80 % Musik in englischer Sprache.“ 22, 4 Prozent der in MV lebenden Menschen seien älter als 65 Jahre. „Diese Bürger fühlen sich durch das Musikprogramm des beitragsfinanzierten Hörfunks im täglichen Leben ausgegrenzt, diskriminiert.“ Willi Behnick, Sprecher der Bürgerinitiative, betont im Gespräch mit unserer Zeitung, dass es ihnen nicht allein um den deutschen Schlager gehe. „Es muss doch möglich sein, in 100 Stunden NDR 1 Radio MV an jedem Tag der Woche eine Stunde für Blasmusik, Seemannslieder, Volksmusik, Schlager und am Wochenende vielleicht für eine Gruß- und Wunschsendung freizuhalten.“ Im Augenblick habe man von morgens bis abends „den gleichen Abklatsch“. „Warum nicht pro Stunde sechs Lieder in deutscher Sprache und fünf in englischer?“

Bei einem Gespräch im Landtag im April hatte Landesfunkhausdirektorin Elke Haferburg die Musikauswahl als das Ergebnis wissenschaftlich fundierter Medien- und Marktforschung bezeichnet. Ziel sei es, so viele Hörer wie möglich zufriedenzustellen. Deutscher Schlager polarisiere aber. Jüngere Hörer könnten abschalten.

Die Bürgerinitiative hat die Ergebnisse der Marktforschung immer wieder angezweifelt und fordert Einsicht in diese Zahlen, was ihnen bisher vom NDR verwehrt wurde.

Chefredakteur Joachim Böskens zeigte sich gestern genervt. Von sechs Stationen bei der NDR-Sommertour hätten bei fünf nur deutsche Bands gespielt. Auch die Staatsanwaltschaft sieht keinen hinreichenden Anfangsverdacht einer Straftat, wie Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek gestern gegenüber unserer Zeitung sagte.

Willi Behnick gesteht, selbst gern Boney M. oder Chris Norman zu hören. Aber das Verhältnis stimme nicht. „Der Anteil an deutscher Musik – 20 Prozent – wird allein von Grönemeyer, Kunze und Revolverheld bestritten.“ Nicht mal die allseits umjubelte Helene Fischer werde gespielt. „Der deutsche Schlager ist im NDR tabu“, behauptet Behnick.

Hört er denn überhaupt noch NDR 1? „Seitdem ich mich morgens beim Rasieren immer aus Ärger geschnitten habe, wenn ich diesen Sender gehört habe, höre ich jetzt nur noch ,Paloma‘ im Internetradio. Die spielen nur deutsche Musik. Und wir werden weiterkämpfen, sollten wir auf gerichtlichem Weg nicht weiterkommen. Dann rufen wir den Landesrundfunkrat an und wenden uns auch an den Bundespräsidenten.

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