Jahrmarkt der Sensationen : Wortlos glücklich

Wolfram   von Bodecker  (rechts)  kehrt  mit  seinem  Partner  Alexander  Neander in  die  mecklenburgische  Heimat  zurück.
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Wolfram von Bodecker (rechts) kehrt mit seinem Partner Alexander Neander in die mecklenburgische Heimat zurück.

Wolfram von Bodecker kehrt mit dem „Jahrmarkt der Sensationen“ der Festspiele auch an seinen Geburtsort Schwerin zurück

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31. Juli 2014, 12:00 Uhr

Was haben Michael Jackson und die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten verbindet beide der große französische Pantomime Marcel Marceau: Jackson ließ sich zum „Moonwalk“, seinem späteren Markenzeichen, von Marceaus „Marsch gegen den Wind“ inspirieren. Und der „Jahrmarkt der Sensationen“, mit dem die Festspiele ab morgen durchs Land touren, präsentiert mit der Compagnie Bodecker & Neander zwei Meisterschüler des Franzosen.

Vor allem für einen der beiden Pantomimen, Wolfram von Bodecker, werden die zehn Auftritte zwischen Redefin und Stolpe zum Heimspiel: Er wurde 1969 in Schwerin geboren und verbrachte seine ersten knapp 19 Lebensjahre in der damaligen Bezirkshauptstadt. „Meine Familie ist noch da – und die innere Bindung an Mecklenburg hält wohl ein Leben lang“, sagt von Bodecker, den man momentan am ehesten in Berlin erreicht – oder auf den Bühnen der Welt. Denn die universelle Sprache des Bildertheaters versteht man in Warschau wie in Taiwan, in Caracas wie in Redefin.

In Schwerin entdeckte von Bodecker seine Liebe zur Musik und zum Theater. Und in Schwerin sah er als Zwölfjähriger den Auftritt eines Magiers – und wurde anschließend selbst Mitglied im „Magischen Zirkel“ der Stadt. Unmittelbar nach der Wende erlebte er dann Marcel Marceau live – „den größten Zauberkünstler überhaupt“, wie von Bodecker noch heute ehrfurchtsvoll betont. Seine reduzierte Darstellung, mit der er ohne Worte so vieles sagen kann, tat es dem jungen Mann an. Sein Berufswunsch stand endgültig fest und er bewarb sich schließlich todesmutig zur Aufnahmeprüfung an Marceaus Internationaler Schauspielschule in Paris. „Ich war unsportlich und rechnete mir keine allzu großen Chancen aus“, erinnert er sich. „Aber ich hatte Phantasie und Ausdrucksvermögen“ – und das überzeugte die Auswahlkommission letztlich. Drei Jahre lang, von 1993 bis 1995, studierte von Bodecker in Paris: außer Pantomime auch Fechten, Klassischen Tanz, Jazztanz und Akrobatik – und die französische Sprache, von der er anfangs kaum mehr als einige Brocken beherrschte.

In Paris lernte der Schweriner auch den dort geborenen und in Süddeutschland aufgewachsenen Alexander Neander kennen. Beide wurden nach dem Studium von Marceau in dessen Compagnie aufgenommen. Mit ihm gastierten sie zehn Jahre lang – bis Marceau sich zur Ruhe setzte – in aller Welt. „Da ging das Studium erst richtig los“, sagt Wolfram von Bodecker rückblickend. Auf einer 20 mal 30 Meter großen Bühne vor 1200 Zuschauern aufzutreten – „das war Marceaus Kunst, dem es gelang, trotz des großen räumlichen Abstands den Funken zum Publikum überspringen zu lassen“.

Eine Kunst, die mittlerweile auch Bodecker und Neander perfekt beherrschen. 1996 gründeten sie zusammen mit einem weiteren Marceau-Schüler, Lionel Ménard, ihre eigene Compagnie. „Unsere Spezialität ist nicht nur das visuelle Theater. In vielen unserer Produktionen spielen wir auch zusammen mit Orchestern, zum Beispiel mit dem Stuttgarter Kammerorchester oder dem WDR-Symphonieorchester.“

Beim „Jahrmarkt der Sensationen“ werden Bodecker & Neander unter anderem die Musik von Quadro Nuevo in ihre ganz eigene Bildsprache umsetzen. Über Wochen hätten die beteiligten Künstler – neben dem Weltmusikensemble auch noch die Artistin Nicola Elze alias Danza Furiosa – Videos ausgetauscht und in stundenlangen Konferenzen miteinander telefoniert. Jetzt, in den letzten beiden Tagen vor der Premiere, geben sie ihrem Programm in gemeinsamen Proben den Feinschliff. „Alle zwischen 6 und 99 Jahren“ seien auf dem Jahrmarkt willkommen, betont von Bodecker, der auf die Resonanz dieses ganz besonderen „Heimspiels“ schon sehr gespant ist.

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