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Volkstheater Rostock : „Wir trotzen der Kulturbarbarei“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf den Amerikaner Peter Leonard folgt der frühere Schweriner Schauspieler Sewan Latchinian / Kleine Brötchen backen will er nicht

Oft stand das Volkstheater Rostock zuletzt in der öffentlichen Diskussion. Der Grund waren aber nicht wegweisende Uraufführungen wie zu DDR-Zeiten, als Theaterkenner auch aus dem Westen den Weg nach Rostock fanden. Nein meist wurde mit der Bürgerschaft oder der Landesregierung um die Finanzierung gefeilscht. Zu Beginn der laufenden Spielzeit schien sogar das Ende nah, als Intendant Peter Leonard den Spielplan nur für die erste Hälfte verkünden konnte – der Rest sei nicht finanziert.

Nun geht der Amerikaner Leonard. Sein Nachfolger ist der frühere Intendant des Theaters Senftenberg, Sewan Latchinian. „Meine Intendanz war eine Krisenintendanz“, sagt Leonard im Rückblick auf sechs teils stürmische Jahre an der Spitze des renommierten Hauses – einer Behelfsunterkunft mit all seinen Nachteilen. Das Große Haus musste zwischenzeitlich sogar für Monate geschlossen werden wegen Mängeln im Brandschutz. Der Kampf um ein neues Haus ist jahrzehntealt – nun soll es nach dem Wunsch von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) und der Bürgerschaft 2018 fertig sein. Noch steht aber nicht einmal der Standort fest, unklar ist auch die Finanzierung.

Leonard bekam 2008 quasi über Nacht die Intendanz angetragen. „Ich bin nie zufrieden, aber ich schäme mich nicht“, sagt er im Rückblick.

Immerhin hat er es geschafft, dass in seiner Amtszeit trotz Mittelkürzungen und Dauerclinch mit der Landesregierung keine der Sparten gestrichen wurde.

Sein Nachfolger Sewan Latchinian denkt nicht da-ran, kleine Brötchen zu backen. Im Gegenteil: Er bringe die Erfahrung mit, aus dem Provinztheater in Senftenberg ein saniertes Schauspielhaus mit großem Amphitheater und großer Anerkennung gemacht zu haben. „Jetzt habe ich Lust, mit Rostock das Gleiche zu schaffen.“ Zusätzlich will er ein Bürger- und ein Puppentheater etablieren.

Mehr als 50 Premieren und Uraufführungen sind geplant. „Wir trotzen dem Kulturabbau, der Barbarei und Kulturlosigkeit in der Politik.“

Er erinnert an die deutsche kulturhistorische Ausnahmesituation mit der weltweit dichtesten Theaterlandschaft, für die die Kleinstaaterei früherer Jahrhunderte verantwortlich ist. Auch der Wettlauf der zwei deutschen Staaten habe zu großen Theater-Investitionen geführt. „Es scheint im Kapitalismus aber kein wirkliches Interesse an der Kultur zu geben“, bedauert der 53-Jährige. Seitdem die Zweistaatlichkeit weggefallen ist, sacke die Motivation zu weiteren Investitionen.

Umso mehr sehe er als Theatermacher den inneren Auftrag, so viel wie möglich davon zu bewahren und möglichst noch was draufzusetzen.

Oberbürgermeister Methling erhofft sich von Latchinian frischen Wind in der Debatte um die Zukunft des Theaters. „Dabei wünsche ich mir, dass die Rostocker und unsere Gäste die Theaterangebote mehr als bisher besuchen und dass das Theater in seiner ganzen Vielfalt stärker als bisher durch künstlerische Leistungen wahrgenommen wird“, betont er. Latchinian bringe die Voraussetzungen mit, die seit Jahren vom Theater in Aussicht gestellten Einnahmeverbesserungen umzusetzen. Knapp 19 Millionen Euro umfasst der Gesamtetat, 1,4 Millionen davon stammen aus dem Kartenverkauf.


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