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Kultur : Wie Uecker zu Pankok kam

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mitte der 50er-Jahre flüchtete der berühmte Maler aus Mecklenburg nach Düsseldorf

von
erstellt am 15.Dez.2014 | 12:00 Uhr

In Wendorf nahe Schwerin ist der berühmte Nagelkünsler und Mitglied der ehemaligen Künstlergruppe ZERO 1930 geboren, Günther Uecker. Heute lebt er in Düsseldorf. Aber seine Kindheit verlebte er auf der Halbinsel Wustrow. „Ich bin ein einfacher Bauernjunge, der auf dem zweiten Bildungsweg sein Wissen erlangte“, stapelt er kräftig tief.

Auch wenn dem Vater sein künstlerischer Drang nicht passte, begann Uecker 1949 in Wismar Malerei zu studieren. Die DDR macht aus ihm einen Schrift- und Plakatmaler. Da studiert er schon in Berlin-Weißensee. Er wird in den Semesterferien in die Heimat geschickt, um zu kontrollieren, ob die Schrift auf den Losungen der SED in den Geschäften und an den Häusern richtig geschrieben war. Einmal malt er einen Stalin haushoch an das Rathaus in Grevesmühlen. „Mit dem Quast oben und unten zwei Schwünge Weiß in die Augen und ein schwarzer Punkt in die Mitte, dass sie nur so funkelten“, lacht er amüsiert.

Aber die Sehnsucht nach Düsseldorf war größer, nach der Kunstakademie und nach dem Avantgardisten Otto Pankok, der dort lehrte. Unter dem Eindruck des Aufstandes im Juni 1953 gelang Uecker später die Flucht, die er selbst nicht so bezeichnet. Zunächst landete er in Westberlin, wo er Monate in einem Lager unter Beobachtung stand. Man vermutete in ihm einen Kundschafter der DDR. Doch irgendwann Mitte der 50er stand er dann doch Otto Pankok gegenüber und erzählte ihm seine Geschichte. Und was sagt der Kunstprofessor: „Junge, du bist so unverdorben, du solltest hier nicht bleiben, gehe wieder zurück.“ Uecker heute: „Da habe ich geweint.“ Bis 1958 war er noch DDR-Bürger mit DDR-Pass. Da studierte er längst bei Pankok. 

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