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Dachboden-Schatz Schwerin : Wertvolles Wachenhusen-Gemälde aufgetaucht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gemälde von Friedrich Wachenhusen, Mitbegründer der Künstlerkolonie Ahrenshoop, ist jetzt aufgetaucht

Mehr als vier Jahrzehnte hatte ein Schweriner Ehepaar ein in der Öffentlichkeit unbekanntes Gemälde von Friedrich Wachenhusen im Wohnzimmer hängen – offenbar ohne zu wissen, dass es sich um eines der ältesten Werke des Mitbegründers der Künstlerkolonie in Ahrenshoop handelt. Nun geht das Bild vom Schweriner Schlachtermarkt als Geschenk an die Stiftung Mecklenburg.

Markttreiben auf regennassem Pflaster anno 1887 in der Schweriner Innenstadt. Zwei der Fachwerkhäuser, der Tordurchgang und das weiß getünchte Gebäude am rechten Bildrand sind noch erhalten. Im Hintergrund das Dach des damals noch turmlosen Doms. In der Bildmitte schaut ein Mann mit einem schwarzen Hut mit breiter Krempe den Betrachter direkt an. Wachenhusen-Biograf Wolf Karge glaubt, dass es sich um ein Selbstbildnis des Künstlers handelt.

„Als ich das Bild zum ersten Mal zu Gesicht bekam, stockte mir schon der Atem“, sagt Karge. „Das Bild war bislang nirgends aufgetaucht. Wahrscheinlich ist es das älteste Ölgemälde Wachenhusens. Es ist noch ganz im akademischen Stil seines Mentors Carl Malchin gemalt.“

Karge bekam das Bild von einem älteren Schweriner Ehepaar, das anonym bleiben will, zu treuen Händen übergeben. „Es sind bescheidene Leute. Sie wollen kein Geld, sondern nur, dass das Bild öffentlich gezeigt wird und sich viele Schweriner daran erfreuen können.“ Laut Karge lag das herrenlose Gemälde auf einem Dachboden in der Schweriner Schelfstadt, als dieser 1969 saniert werden sollte. Der bisherige Bild-Besitzer, der bei den Arbeiten half, fand es und bat, es mitnehmen zu dürfen. Den Kontakt zu Karge knüpfte das Ehepaar im vergangenen November. Der Historiker hielt einen Vortrag über Wachenhusen und bat sein Publikum um Hinweise, falls jemand noch unbekannte Werke Wachenhusens kennt. Wenige Tage später erhielt Karge einen Anruf: Er möge sich ein Bild von Wachenhusen anschauen.

Friedrich Wachenhusen wurde 1859 in Schwerin geboren. Als er in Berlin studierte, wohnte er in einem Haus mit Paul Müller-Kaempff, dem „Gründer“ der legendären Künstlerkolonie in Ahrenshoop auf dem Darß. Karge schreibt Wachenhusen dabei eine Schlüsselrolle zu. „Seit Beginn … gehört Fritz Wachenhusen mit zu den Wegbereitern und Gründern. Es ist sogar stark davon auszugehen, dass er … Müller-Kaempff erst auf die Idee gebracht hat, dieses idyllische Fleckchen Erde aufzusuchen“, schreibt Karge in seiner Wachenhusen-Biografie.

Trotz so mancher künstlerischer Erfolge ging es der Familie finanziell nicht sehr gut, als Wachenhusen 1925 in Schwerin starb. Bei einer Ausstellung im Landesmuseum zu seinen Ehren wurden 1926 deshalb auch Bilder verkauft. Möglicherweise fand damals auch das Bild vom Schlachtermarkt einen Käufer, spekuliert Karge. Welchen Weg es dann auf den Dachboden am Schelfmarkt nahm, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall zweifelt Karge nicht an der Echtheit des Gemäldes. Dies sei unter anderem durch die Signatur belegt.

Karge hat das Bild der Stiftung Mecklenburg überlassen, die ihren Sitz nur zwei Straßen vom Schlachtermarkt entfernt hat. Geschäftsführerin Ulrike Petschulat freut sich über das Geschenk der unbekannten Schweriner. Sie will den „Schlachtermarkt“ in der Dauerausstellung der Stiftung zeigen. „Möglicherweise wird es auch bald in einer Sonderausstellung zu sehen sein, die wir Wachenhusen und Müller-Kaempff widmen würden.“ 

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