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Abschied von Peter Dehler : „Was mir und dem Publikum gefällt“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schauspieldirektor Peter Dehler verabschiedet sich nach 25 Jahren mit drei großen Inszenierungen. Morgen Premiere der „Dreigroschenoper“

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erstellt am 01.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Mit drei großen Inszenierungen verabschiedet sich Peter Dehler nach 25 Jahren vom Schweriner Theaterpublikum. Vor „Schneewittchen“, dem Weihnachtsmärchen, und dem Musical „Fame“ im Frühjahr beginnt der Schauspieldirektor morgen im Großen Haus den Abschiedsreigen mit der „Dreigroschenoper“. Holger Kankel sprach mit Peter Dehler über Brechts „Bettleroper“ und blickt mit dem 52-Jährigen zurück auf dessen Schweriner Jahre – und voraus auf die Zeit nach dem Mecklenburgischen Staatstheater.

Peter Dehler, nach 1986 und 1998 wird nun erneut eine „Dreigroschenoper“ auf dem Spielplan stehen. Warum das Stück im Jahr 2015?
Dehler: Es gibt keinen konkreten Anlass. Wir wollen mit dieser Inszenierung nicht die letzten Welträtsel lösen. „Die Dreigroschenoper“ kann man einfach alle 16, 17 Jahre an einem Theater bringen.

Aber die Bettler haben natürlich auf ihre Art politische Macht, so wie heute die Flüchtlinge…
Wir haben mit den Proben vor dem Sommer begonnen. Damals war die Krise in Griechenland das große Thema. Flüchtlingsschiffe gingen im Mittelmeer unter. Wir spielten mit dem Gedanken, im Bettlerfinale – „Denn wovon lebt der Mensch“ – auf diese Dinge einzugehen. Nach dem Sommer brannten Asylantenheime, Flüchtlinge kommen zu Hunderttausenden. Niemand spricht mehr von Griechenland. Die Wahrnehmung hat sich völlig verschoben. Die Zuschauer müssen also von sich aus entdecken, was es zu entdecken gibt.

Wird diese Inszenierung der spektakuläre Abschiedsknall des Peter Dehler, der dem Publikum noch lange in Erinnerung bleiben wird?
Ich hatte nie das Bedürfnis, zu knallen, egal, ob ich „Die Zauberflöte“, Heiner Müller oder „Prost Brüder“ inszeniert habe. Ich wollte immer nur das machen, was mir und dem Publikum gefällt.

Auf welche Inszenierungen der vergangenen 25 Jahre sind Sie besonders stolz?
Im „Sommernachtstraum“ mit allen Sparten des Hauses hat sich mein Traum vom Stadttheater erfüllt. Auch als wir nicht im Großen Haus spielen konnten und an Orten wie der leerstehenden Bank den „Lob des Kapitalismus“ sangen. Bei den Weihnachtsmärchen haben wir mit 6000 Zuschauern begonnen,  heute sind  wir  bei 25 000. An den Wochenenden kommen manchmal mehr Erwachsene als Kinder. Den „Jedermann“ in der Schelfkirche, „Alexis Sorbas“ auf dem Alten Garten, die Theaterthekennacht…

Und was ist eher nicht gelungen?
Ich habe die wunderbare Fähigkeit, im Premieren-Adrenalin-Fieber alles gut zu finden. Das muss ich als Regisseur auch ausstrahlen. Später denke ich dann, vielleicht war es doch nicht so toll. Aber auch wegen der Schauspieler werde ich jetzt keine Beispiele nennen.

Was hätten Sie gern noch gemacht?
Ich hätte gern den „Peer Gynt“ noch einmal inszeniert oder „Macbeth“. Aber das geht an einem Repertoiretheater nun mal nicht. Einzig „Die Dreigroschenoper“ konnte ich nun noch einmal machen. Bei den Proben 1998 erfuhr ich, dass ich Schauspieldirektor werde, diesmal, dass ich nach dieser Spielzeit gehen muss. Insofern schließt sich ein Kreis.

Traurig?
Irgendwann musste es ja mal sein. Ich hätte nur gern den Zeitpunkt selbst bestimmt.

Haben Sie schon Pläne?
Eigentlich wollte ich ein Jahr aussteigen, vielleicht reisen, um nach 30 Jahren im Beruf einen anderen Blick auf die Welt zu bekommen. Aber nun habe ich im Herbst schon wieder Inszenierungen an den Hamburger Kammerspielen und am Altonaer Theater. Abgesehen davon denke ich, dass ich in drei Jahren wieder ein Theater haben werde – als Schauspieldirektor oder Intendant.

Was wünschen Sie dem neuen Intendanten?
(lange Pause) Alles Gute.

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