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Staatstheater Schwerin : Unschuldig sind sie alle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Lortzings „Wildschütz“ feierte im Großen Haus des Staatstheaters Schwerin Premiere

Das Schweriner Opernkonzept für die laufende Saison ist breit aufgefächert: Neben Strawinsky und Dvoáks Rusalka steht auch „Der Wildschütz“ auf dem Programm. Am Freitagabend feierte die Komische Oper von Albert Lortzing im Großen Haus des Staatstheaters Schwerin Premiere.

Das Publikum nahm die klangschöne und fantasievolle Aufführung mit großem Jubel und stürmischem Beifall auf. Das Stück erzählt vom Schulmeister Baculus, der für die Verlobungsfeier mit seinem Ziehkind Gretchen im Wald des Grafen einen Bock schießt und dabei erwischt wird. Daraufhin enthebt ihn der Graf von seinem Amt. Ein verkleideter Student bietet Abhilfe, indem er verspricht um Gnade für ihn zu bitten. Mehrfache Kostümwechsel und resultierende Verwechslungen stricken aus dieser Geschichte eine charmante Komödie, die Lortzing zu schonungsloser Gesellschaftskritik an ehr- und verantwortungslosem Adel und korrupten Kleinbürgertum nutzt. Gleichzeitigen Hohn erfährt die Schwärmerei für griechische Antike am preußischen Hof.

Die Regisseurin Kornelia Repschläger übersetzte das Motto „true love lies“, vermutlich in der Bedeutung: glaube keinem Liebesschwur, denn noch während der Ouvertüre lässt sie die in weiß gekleideten Darsteller auf die leere Bühne laufen und in verschiedene Partnerschaften fallen, bevor sie sich an einem Kleiderständer ihre farbigen Kostüme, entworfen von Claudia Kuhr, wählen. Mit sehr agilem Spiel parodiert Repschläger das Jagdfieber des Grafen nach jungen Mädchen, deren Anbiederung, sowie die Hoffnung des Baculus nach fünftausend Talern für seine Braut. Wer möchte, findet Kritik am Bankensystem oder ist es Zufall, dass ausgerechnet die griechische Darstellerin Unmengen von Geldscheinen in die Luft streut?

Am Ende, nach Aufdeckung und Entzauberung aller Verkleidungen, schlägt die Regie den Bogen zum Anfang, lässt alle Darsteller ihre Kostüme wieder abgeben und mit „weißer Weste“ davoneilen: Alle können ihre Unschuld vorgeben.

Die musikalische Leitung scheint mit Gregor Rot und Kapellmeister Martin Schelhaas gut zu funktionieren. Mit subtilem Klangsinn führt Klangmeister Rot die Mecklenburgische Staatskapelle durch die Partitur, wechselt dabei geschmeidig die Tempi und lässt spritzig und delikat musizieren. Vollkommen erscheint die Besetzung des Solistenensembles. Stamatia Gerothanasi als zum Studenten verkleidete Baronin (alternierend Ks. Petra Nadvornik), Katrin Hübner als Gretchen und Sophia Maeno als Gräfin überzeugten das Publikum mit ihren erstklassigen Frauenstimmen. Auf der Seite der männlichen Darsteller avancierte Christian Hees in der Rolle des Pankratius zum Spielmeister des Abends und machte ein Kabinettstück daraus. Ein Opernabend mit Nachhall!

 


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