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Und noch eine Landeskunstschau

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erstellt am 31.Aug.2012 | 10:11 Uhr

Bützow | Was die allzu kurze Landeskunstschau im Sommer in Wismar nicht leisten konnte und was auch die großen Museen und Kunstsammlungen des Landes derzeit nicht zu bieten haben, damit wartet seit einer Woche eine Ausstellung im Bützower Kunsthaus auf: die Möglichkeit, gleich 40 Malern des Landes in einer Ausstellung zu begegnen. Und zwar über alle regionalen und ästhetischen Grenzen hinweg.

Gestandene Künstler, deren Werke seit Jahren sehr präsent sind, wie Joachim John, Joachim Lautenschläger, Anneliese Schöfbeck, Matthias Wegehaupt, Karin Zimmermann, Horst Holinski oder Thomas Ziegler sind in der rustikalen Galerie ebenso vertreten wie die Bilder unbekannterer Maler. Vielleicht werden einige Künstler, die in Bützow fehlen, wie die 13. Märchenfee schmollen. Allein das Kunsthaus, so stattlich dieses frühere Bürgerhaus auch ist und so liebevoll es auch von Galerie-Chef Karl-Werner Zießnitz eigenhändig restauriert wurde, es bleibt ein Haus und ist kein Palast. Ein Haus, von dem sich Zießnitz, ehemaliger Kunstlehrer und jetzt Rentner, wünscht, er könnte es irgendwann einmal in die Obhut der Stadt Bützow übergeben.

Womit wir den kunstverrückten Mann ins Spiel gebracht haben, der die Arbeiten Bild für Bild von Rügen bis Usedom mit seinem Wohnmobil eingesammelt hat, fast durchweg große und mittlere Formate, die in den oberen Räumen des Kunsthauses den ihnen gebührenden Platz zur Entfaltung haben. Die Gespräche mit den Künstlern in ihren Ateliers, sagt Zießnitz, waren genauso spannend wie die Auswahl der Bilder selbst. Das, was die Maler da von sich preisgaben, müsste eigentlich Teil dieser Ausstellung sein. "Vielen der Künstler", so der Galerist, "geht es nicht gut." Um so erfreuter waren sie, Teil dieses Projektes sein zu können. Absagen habe es so gut wie keine gegeben.

Wer nun Mecklenburgische Malerei immer noch mit Landschaftsmalerei gleichsetzen will, wird in dieser Ausstellung eines Besseren belehrt. Natürlich fehlen auch Landschaften nicht, etwa ein Boddenblick von Oskar Manigk, Matthias Wegehaupts "Bäume hinter dem Schilf", ein sturmgepeitschtes Meer von Friedrich W. Fretwurst oder ein eisig-schöner Winter von Horst Holinski. Aber neben starken Frauenporträts, etwa von Ana Sojor und Hans W. Scheibner, findet man auch die reine Abstraktion oder grotesk Realistisches bei Günter Müllers babylonischem Menschenturm, Claus Müllers "Landvermesser und Investor" oder Malte Brekenfelds mittsommerlichem Hasengreifen.

Im letzten Raum der Ausstellung, neben zwei Radierungen von Joachim John, steht der Besucher dann vor einer dieser unverwechselbaren Werke Michael Wirkners, einem schwarzen "Hohen Land" aus dem Jahr 2011, und man wird erneut mit dem großen Verlust nach dem Tod dieses einsamen Meisters konfrontiert.

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