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Und als Zugabe ein Stargast

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erstellt am 14.Apr.2011 | 09:05 Uhr

Schwerin | Eigentlich, sagte Angelika Waller gestern Abend, sei sie ja nur nach Schwerin gekommen, um ihrem Regisseur Kurt Maetzig nachträglich zum 100. Geburtstag zu gratulieren. Weil der aber mit einer Grippe das Bett hüten muss und darum gestern nicht zum Filmfest-Warm-Up kommen konnte, sei sie plötzlich von der Zugabe zum... Der Rest ging im Beifall der etwa 300 Gäste im bis auf den letzten Platz besetzten Casino des Verlagshauses unserer Zeitung unter.

Festival-Atmosphäre schon drei Wochen vor dem eigentlichen Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern (3. bis 8. Mai 2011). Gezeigt wurde einer der Klassiker der Defa, der Film "Das Kaninchen bin ich" von Kurt Maetzig aus dem Jahr 1965. Angelika Waller spielte darin in ihrer ersten großen Filmrolle die schöne, romantische, aufsässige Maria, die sich ausgerechnet in jenen verheirateten Richter verliebt, der ihren Bruder aus ominösen Gründen ins Gefängnis gebracht hat. "Das Kaninchen bin ich" mit einer furios spielenden jungen Angelika Waller hatte das Zeug zum Kultfilm - wurde dann aber nach dem berüchtigten XI. Kulturplenum des ZK der SED gemeinsam mit der gesamten Jahresproduktion der Defa verboten, verschwand in Giftschränken und kam erst 1990 erstmals auf die Leinwand.

Als der Filmkritiker Ralf Schenk die Schauspielerin fragte, wie sie sich an die Atmosphäre jener Zeit erinnere, antwortete Angelika Waller lakonisch: "Ich wollte diese Rolle unbedingt spielen. Umso trauriger war ich, als der Film dann verboten wurde."

Der gestrige Auftritt der Waller in Schwerin war, wie viele der Gäste wussten, eine Rückkehr an den Ort eines anderen künstlerischen Triumphes. 1974 spielte die Schauspielerin am Mecklenburgischen Staatstheater die Franziska Linkerhand. In der Inszenierung eines ihrer Lieblingsregisseure: Christoph Schroth.

Nach mehr als 100 Film- und Fernsehrollen und bis 1992 "wunderbaren Jahren am Berliner Ensemble" gibt Angelika Waller heute als Professorin ihre Erfahrungen an Studenten der renommierten Berliner Schauspielschule "Ernst Busch" weiter. Mit wie viel Charme und Witz dieser Unterricht ablaufen mag, davon konnte sich das Publikum gestern im launigen Gespräch der Künstlerin mit dem Filmkritiker Ralf Schenk überzeugen. Und davon, dass noch immer sehr viel von der Maria aus dem Film "Das Kaninchen bin ich" in der Professorin Waller steckt. Angelika Waller - eine bloße Zugabe? Nein, der Stargast dieses Abends.

Wie es sich traditionell für ein Festival-Warm-Up gehört, stimmte Oliver Hübner vom Organisationsteam des 21. Filmkunstfestes auf das Programm ein. Mehr als 100 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme, so viele Premieren wie noch nie im Wettbewerb, mit Israel ein hochkarätiges, hochinteressantes Gastland, bewährte Filmreihen wie "Gedreht in MV", eine Kriminacht und eine erweiterte Reihe für Kinder und Jugendliche unter dem Titel "halbstark". Auch dieses Filmkunstfest verspricht ein gutes zu werden.

Mit dem Ehrenpreis "Goldener Ochse" wird in diesem Jahr die in Schwerin geborene Schauspielerin Katrin Sass geehrt. Und in den Wettbewerben warten u. a. der Hauptpreis "Fliegender Ochse" (7500 Euro), der NDR-Regiepreis (5000 Euro) und nicht zuletzt der von den Künstlern sehr geschätzte SVZ-Publikumspreis (2500 Euro) auf die Gewinner.

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