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Trauer um Carl M. Pohla : Tod eines Vielseitigen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Mecklenburgische Landestheater Parchim trauert um den Schauspieler und Regisseur Carl M. Pohla

svz.de von
erstellt am 04.Aug.2014 | 20:57 Uhr

Max ist Mitte 30, als er in Emmas Armen stirbt. In Emmas Leben katapultierte ihn wenige Wochen zuvor ein Zufall, als er in einem Luxusauto von der Straße abkommt und auf ihrem Hof landet. Max hat Krebs – und um sich seinen letzten Traum, eine Reise nach Mexiko, erfüllen zu können, hat er einem Freund nicht nur den Wagen, sondern auch viel Geld geklaut. Doch weiter als bis auf Emmas Hof kommt er nicht. Die Schweinezüchterin, die auch vom Dorfpolizisten Henner umworben und von Max’ beklautem Kumpel Hans bedrängt wird, wird seine letzte Liebe…

Wenn Max in Emmas Armen stirbt, wischen sich im Parchimer Theater nicht nur Frauen verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. „Emmas Glück“ ist eine anrührende Tragikomödie, die von der Darstellkunst der Titelheldin Anne Ebel und mehr noch von der Carl M. Pohlas, der alle anderen Rollen spielt, lebt.

Lebte – denn Carl M. Pohla ist in der Nacht zu Sonntag gestorben. Ersten Ermittlungen zufolge hatte sich in seiner Wohnung durch ein beschädigtes Stromkabel ein Schwelbrand entwickelt, der 30-Jährige erlitt wahrscheinlich eine tödliche Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Pohla war am Sonntag nicht zum Bus gekommen, mit dem das Ensemble zur Aufführung von „Ein Herz und eine Seele“ nach Warnemünde fahren wollte. Dem Polizeibericht zufolge wurde er dann tot in der verrußten Wohnung gefunden.

Die Vorstellung in der Kleinen Kommödie wurde, wie auch alle noch für diese Woche geplanten, abgesagt. Pohla hätte am Sonntag zum 137. -mal seine wohl bekannteste Rolle gespielt, die des stets meckernden, reaktionären und besserwisserischen Haustyrannen Alfred Tetzlaff, den Ältere womöglich noch aus der in den 70er-Jahren ausgestrahlten Fernsehserie „Ekel Alfred“ kennen. Seit das Stück am 1. Dezember 2012 Premiere feierte, waren alle Vorstellungen ausverkauft. Im kommenden Frühjahr sollten mit „Der Sittenstrolch“ und „Tapetenwechsel“ zwei neue Episoden auf die Bühne kommen – natürlich wieder mit Pohla in der Hauptrolle.

Bereits im Februar 2015 sollte seine nächste Regiearbeit Premiere feiern: „Max und Moritz“ nach Wilhelm Busch. Zuletzt hatte Pohla in „Das kalte Herz“ Regie geführt. Auch „Ox und Esel“, „Die kleine Meerjungfrau“, „Verschwunden – Looking for Grethel“ und „Ich komma saufen“ waren unter seiner Federführung in Parchim aufgeführt worden. Mit dem Ensemble, dem der Absolvent der Theaterakademie Zinnowitz seit 2008 angehörte, stand er unter anderem in „Pippi Langstrumpf“, „Am Samstag kam das Sams zurück“, „Im weißen Rössl“ und „Die Mausefalle“ auf der Bühne. Darüber hinaus engagierte sich Carl M. Pohla für den künstlerischen Nachwuchs im Theaterjugendclub, zusammen mit Schauspieler-Kollegin Marlene Eiberger leitete er seit vergangenem Herbst die Laientheatergruppe „Pütter Bretter“.

Intendant Thomas Ott-Albrecht erreichte die Nachricht vom Tod Pohlas im Urlaub. „Ich bin unendlich traurig und tief bewegt. Carl war ein großartiger Mensch und kollegialer Freund. Sein Verlust ist unersetzbar“, sagte er.

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