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Theater Vorpommern feuert Intendanten

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erstellt am 28.Mai.2010 | 06:18 Uhr

Stralsund/Greifswald | Anton Nekovar, Intendant des Theaters Vorpommern, ist gefeuert. Die Gesellschafter der Theater-GmbH, Stralsund, Greifswald und der Kreis Rügen, setzten dem Österreicher den Stuhl vor die Tür. Auch Verwaltungsdirektor Hans-Peter Ickrath muss gehen.

Unsere Zeitung erreichte den Intendanten per Handy in Tokio. "Das sind so die Sachen, die einen freuen", kommentierte Nekovar sarkastisch die Tatsache, dass man ihn ausgerechnet während einer erfolgreichen Auslandstournee rauswerfe: "Am Donnerstag hatten wir noch 1300 begeisterte Zuhörer in Nagoya." Bereits in der Nacht habe er über einen Musiker aus Greifswald von der Entscheidung der Gesellschafter erfahren, gestern sei dann ein Anruf bekommen. "Die Gründe für den Rauswurf würde ich nach meiner Rückkehr vorfinden, hieß es", so Nekovar.

Die Hansestädte Stralsund und Greifswald sowie der Landkreis Rügen als Gesellschafter teilten mit, sie folgten einer Empfehlung des Aufsichtsrates. Inhaltliche Gründe nannten die Gesellschafter nicht. Als Interimslösung seien der Vorstand des Aufsichtsrates, Rainer Steffens, und Hans-Walter Westphal als Geschäftsführer eingesetzt worden. Die Gesellschafter versicherten, dass der Spielplan 2010 weiter gelte. "Wir sehen unsere Hauptaufgabe zunächst darin, das Unternehmen aus der derzeitigen wirtschaftlichen Problemlage, für die es eine Vielzahl von Ursachen gibt, herauszuführen und in eine sichere Zukunft zu begleiten", teilten Steffens und Westphal mit. Zudem solle über weitere Kooperationen verhandelt werden.

Der Theaterverbund Vorpommern - die Bühnen in Greifswald und Stralsund sowie das Bespieltheater Putbus - hat unter massivem Spardruck zu leiden. Nekovar hatte bereits im Januar die Open-Air-Produktionen der Ostseefestspiele auf der Seebühne in Stralsund und der Greifswalder Bühne am Museumshafen wegen der damals schwer kalkulierbaren Landeszuschüsse abgesagt.

Nekovar leitet das Theater seit 2004. Seine künstlerischen Leistungen fanden allgemein Anerkennung, sein Führungsstil hatte Kritiker. Als Kompromiss einigten sich die Gesellschafter darauf, die Verträge für Ickrath und Nekovar bis Juli 2012 zu befristen.

Eine Entscheidung, die nun teuer werden könnte. Noch kenne er die Begründung seiner Kündigung nicht, betonte Nekovar gegenüber unserer Zeitung, "aber wenn ich sie geprüft habe, werde ich mich entsprechend verhalten. Wahrscheinlich werde ich meine Rechte wahren - und den Vertrag einklagen."

Gegen den nun ebenfalls gefeuerten Verwaltungsdirektor Ickrath ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft Stralsund. Vorwurf: Er soll Gelder zweckentfremdet haben. So prüft die Behörde ob für das Theater bestimmte Gelder in die Finanzierung der Ausstattung der Greifswalder Stadthalle geflossen sind. Die Ermittlungen wurden durch eine anonyme und mit Detailinformationen versehene Anzeige eines Insiders in Gang gesetzt.

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