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Interview Joachim Kümmritz : „Theater muss sich öffnen“

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sparen und erneuern – Joachim Kümmritz, Intendant des Schweriner Theaters, über die neue Spielzeit an seinem Haus.

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erstellt am 24.Sep.2014 | 07:55 Uhr

In der Theaterszene Mecklenburg-Vorpommerns brodelt es nach wie vor. Einsparungen, Kooperationen und abenteuerliche Zukunftsmodelle geistern als Schreckgespenster über die Bühnen. „Nur wir sind durch“, sagt Joachim Kümmritz, Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters, mit Blick auf die vom Kultusministerium geforderten Veränderungen, im Interview mit Holger Kankel.

Herr Kümmritz, die neue Spielzeit ist gut eine Woche alt. Mit welchem Gefühl gehen Sie in die Saison 2014/2015?

Kümmritz: Mit einem guten. Auch wenn wir in der vergangenen Spielzeit etwas weniger Besucher hatten als im Vorjahr. Das lag aber nicht am Zuspruch des Publikums. Das Schauspielensemble war z.B. durch andere Inszenierungen so ausgeblutet, dass wir auf eine Theaterthekennacht verzichten mussten. Es war also keine Protestaktion der Schauspieler als Reaktion auf die Sparmaßnahmen, wie es in der Stadt auch hieß. In dieser Saison wird es die Theaterthekennacht aber wieder zweimal geben.

Aber Sie müssen doch sparen, um die Auflagen aus dem Kultusministerium zu erfüllen?

Ja, durch die Sondertarifvereinbarung mit der Staatskapelle wird sie 35 Tage weniger spielen als sonst. Die Musik für das Ballett „Der Nussknacker“ kommt vom Band. Es wird in allen Sparten weniger Vorstellungen geben. Das heißt, wir werden weniger Karten im Freiverkauf absetzen, die Abonnements werden aber alle bedient. Insgesamt werden wir am  Ende  wohl  wieder  180 000 Zuschauer haben. Größere Auswirkungen wird es dann erst ab 2015 geben. Die Bühnenbilder werden kleiner. 2016 wird das Ensemble um zwei Schauspieler und zwei Tänzer kleiner.

Worauf dürfen sich die Zuschauer in dieser Spielzeit besonders freuen?

Wir haben wieder eine bunte Mischung für ein großes Stadttheater versucht – von „Rusalka“ und „La Traviata“ im Musiktheater bis zur Adaption der Bestseller „Der Turm“ und „Tschick“ im Schauspiel. Besonders freue ich mich, dass wir noch vielfältiger geworden sind. Theater muss sich öffnen. So läuft im Moment das integrierte Theaterfest mit behinderten und nicht behinderten Laiendarstellern. Am 1. November starten wir die neue Reihe „Dialog Kirche und Bühne“ mit einer Theaterpredigt von Landesbischof Gerhard Ulrich. Für den 25. Oktober haben wir viele Chöre aus nah und fern eingeladen, um bei einer großen Veranstaltung 200 Jahre bürgerlichen Chorgesang in Schwerin zu feiern. Es gibt in diesem Jahr auch „Figaro“-Häppchen für Kinder und erstmals eine Operettengala.

Sie sind derzeit auch kommissarischer Intendant am Theater Neustrelitz/Neubrandenburg. Wie sind Sie dort aufgenommen worden?

Gut, mit dem üblichen Krach. Die einen mögen mich, die anderen nicht. Ich wurde gefragt, ob ich dort helfen könne, und ich versuche zu helfen. Wir mussten erstmal einen normalen Spielplan absichern, das Theater dort musste künstlerisch breiter werden. Wir haben z. B. den „Hauptmann von Köpenick“ zu einem Renner gemacht. „Der Vorname“ war ausverkauft. Man darf eben nicht nur schwierige Stücke spielen.

Bei der ersten Schweriner Premiere vor einer Woche – „Der Kaufmann von Venedig“ – wurden Sie vermisst.

Da war ich bei der ersten Premiere in Neustrelitz, das war mir diesmal wichtiger.

Der kulturpolitische Sprecher der Linken im Landtag, Torsten Koplin, hat Ihnen vorgeworfen, Landesmittel in Höhe von 1,6 Millionen zu Unrecht erhalten zu haben, weil die Fusion mit dem Theater Parchim nicht wie verabredet steht?

Wenn er nicht richtig lesen kann, ist das nicht mein Problem. Im Vertrag steht, dass wir die Gespräche bis 31. Juli 2014 fortführen. Das ist geschehen und geschieht weiter.

Wird das Theater Parchim als Produktions- und Spielstandort fortbestehen?

Ich kenne keine anderen Aussagen. Aber in Parchim gibt es im Moment ja nicht einmal ein Theatergebäude. Wie soll dann die Fritz-Reuter-Bühne dort ihren Standort haben können?

Am 15. Oktober läuft die Bewerbungsfrist für einen neuen Schweriner Intendanten aus. Plädieren Sie für jemanden aus dem Ensemble oder bevorzugen Sie eine externe Lösung?

Wenn ich die Wahl zwischen einem künstlerischen Intendanten und einem Theaterdirektor hätte, würde ich den Theaterdirektor wählen.

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