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Kultur : Tatort Personalbüro

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Die Grönholm-Methode“ von Jordi Galceran hatte Premiere im Schweriner-E-Werk

Sich passend anzuziehen ist wichtig. Wichtiger ist, sich ausziehen zu lassen und zwar bis auf die Gedanken, Gefühle, Intimitäten, wenn es um den lukrativen Job geht. Das Bewerbungsgespräch, einen Vorgang ohne Erbarmen in der Arbeitswelt, treibt der Spanier Jordi Galceran, 1964 in Barcelona geboren, in seinem Stück „Die Grönholm-Methode“ auf die Spitze aggressiver Konkurrenz. Wieder ein Theater-Gemetzel über dunkle Seiten der Leistungsgesellschaft.

Vier Bewerber, drei Männer und eine Frau, sind zur Auswahl für einen Direktorenposten einer Weltfirma geladen. Darunter – erhöhter Stress – ist ein V-Mann der Personalabteilung. Wer entlarvt ihn? Den Kandidaten werden zum Teil absurde Aufgaben gestellt, bei denen sie Konflikte durchspielen und ihre Fähigkeit beweisen müssen, die richtige Entscheidung zu treffen. Da ist der Streit zwischen Clown, Politiker, Torero und Bischof, wer im brennenden Flugzeug den einzigen Fallschirm beanspruchen darf, ein humoriger. Ein ethisch explosiver Fall ist die Frage, ob jemand einzustellen sei, der sich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen will.
Galcerans Untertext fragt: Wird ein Mensch selbst seine Würde opfern, um hochbezahlte Karriere zu machen? Wie gnadenlos ist der Arbeitsmarkt geworden? Sarkastisch lautet am Ende eine Arbeitgeberparole: „Wir suchen keinen guten Menschen, der nach außen ein Arschloch ist, wir suchen ein Arschloch, das nach außen ein guter Mensch ist.“

Den raffiniert gefügten Psychokrieg, in dem es kein Pardon gibt, Freund und Feind nicht zu unterscheiden sind, jede Lüge brauchbar ist, hat Beate Rothmann im Schweriner E-Werk inszeniert. Mit einer schrägen Arena für die Gladiatoren der Manager-Etagen, spartanischen Sitzwürfeln im Fokus und der Anmutung von globaler Konzern-Architektur hat Detlef-Michael Schultz den stimmig kalten Raum für das heiße Hauen und Stechen markiert. Die Regisseurin nutzt ihn für erzählende Arrangements im Rhythmus von erregten wie leisen Kollisionen, konzentriert auf die wechselnden Haltungen der Figuren und die Stimmungen im Dialog. Sie inszeniert keine modischen Aktionsmätzchen, sondern Schauspieler und damit brisante Szenen der emotionalen Stimulierung, der Entblößung, Täuschung, schließlich der überraschenden Wendung. Ein dramatisches Spotlight, nicht ohne Spott.

Das Quartett spielt mit Gift und Witz die bittere Farce. Andreas Lembckes Fernando als Typ, der sich überlegen dünkt, schon ungeduldig wie ein fieser Boss auftritt, der als Fühlloser Rührseligkeit mimt, um zu siegen. Lucie Teisingerova zeigt eine Mercedes, die kaum aus der Ruhe zu bringen ist, lächelnd mit distanzierten Reaktionen undurchsichtig bleibt. Ebenso laden Amadeus Köhli als Enrique und Sebastian Reusse als Carlos ihre Figuren zwischen Maskierung und Faktum mit Spannung auf.

Ein Psychokrimi am Tatort Personalbüro. Zum Nachdenken.


Termine: 18. Juni und 4. Juli,    

19.30 Uhr im E-Werk.

Karten: (0385) 5300123;    

kasse@theater-schwerin.de


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