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Israelischer Regisseur dreht mit ZDF Film über das Attentat München 1972 : Stunde Null des Terrorismus

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Dror Zahavi will etwas richtigstellen. Gut erinnert sich der israelische Regisseur an den Tag, an dem er 1972 als Schuljunge das Geiseldrama bei den Olympischen Spielen von München zu Hause in Tel Aviv im Fernsehen sah.

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2011 | 12:02 Uhr

München | Man könnte sagen: Dror Zahavi will etwas richtigstellen. Gut erinnert sich der israelische Regisseur noch an den Tag, an dem er 1972 als Schuljunge das Geiseldrama bei den Olympischen Spielen von München zu Hause in Tel Aviv im Fernsehen sah. Damals lief etwas falsch, findet er: "Ich kann noch die heftigen Emotionen spüren, die das in Israel hervorrief, und sehe die Bilder von den Freudentänzen auf Arabiens Straßen vor mir."

Derzeit verfilmt Zahavi die Geschehnisse für den ZDF-Fernsehfilm "München 72" mit Heino Ferch und Bernadette Heerwagen neu - diesmal will er ein "differenzierteres Bild" vermitteln.

Als am 5. September 1972 in München die "Stunde Null des internationalen Terrorismus" schlägt, wie es der Produzent des Filmes, Nico Hoffmann, formuliert, ist Zahavi 13 Jahre alt. "Wir hatten keinen Fernseher und liefen zu den Nachbarn, alle waren aufgeregt", berichtet Zahavi nun am Rande der seit Ende Juni laufenden Dreharbeiten in München. Nur verrauscht kamen die Bilder aus der bayerischen Landeshauptstadt damals nach Tel Aviv.

Israelische und palästinensische Darsteller

Vor allem im übertragenen Sinne will der Regisseur bei dem ZDF-Projekt "München 72", das einen realen Hintergrund mit fiktiven Elementen verbinden soll, nun ein klareres Bild zeichnen. "Ich will einen Zugang, der keinen neuen Hass schürt", sagt Zahavi. "Für mich als Israeli ist das ein besonders wichtiges Thema, aber auch ein heikles." Zahavi will eine allzu vereinfachende Aufteilung in Opfer, Täter und falsch agierende Sicherheitsbehörden vermeiden.

Um eine größere Authentizität zu erzeugen, hat der Regisseur für die Rollen der Geiselnehmer und der israelischen Sportler Darsteller aus Palästina und Israel gefunden. Bereits bei den Dreharbeiten sei es bei den Schauspielern zu einem Perspektivenwechsel gekommen: "Einige der Israelis hatten jüngst ihren Wehrdienst abgeleistet, und auf einmal hatten nun die Palästinenser die Gewehre in der Hand." Schnell hätten sich Diskussionen und eine positive Dynamik zwischen den Darstellern entwickelt, berichtet Zahavi.

Vor allem das Vorgehen der deutschen Sicherheitskräfte bei der Beendigung des Geiseldramas ist aber ein Grundthema des Films. "Aus heutiger Sicht wirkt vieles naiv, aber damals waren viele Argumente legitim", sagt Zahavi. Es gehe auch darum darzustellen, dass "nicht aus Blödigkeit" agiert wurde, sondern die Handelnden "nach bestem Wissen" vorgingen.

Auch Schauspieler Heino Ferch, der die Rolle des fiktiven Polizeipräsidenten Dieter Waldner übernimmt, saß 1972 als Neunjähriger vor dem Fernseher. "Ich weiß noch, wie fassungslos die Menschen in meinem Umfeld waren." Erst bei den Dreharbeiten zu dem Film sei ihm aber klar geworden, welcher Druck auf den Handelnden lastete, sagt Ferch: "Es ist erschütternd, welche Hilflosigkeit terroristische Gewalt immer wieder auslöst." Auch deswegen sei es wichtig, einem jungen Publikum zu zeigen, was 1972 in München passierte.

Gedreht wird auch an Originalschauplätzen wie dem Olympischen Dorf in München. Ein Sendetermin steht nach Angaben des ZDF noch nicht fest.

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