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Landeskunstschau : Spiel der Generationen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„NEUGIER“ – 25. Kunstschau des Künstlerbundes Mecklenburg-Vorpommern im Schweriner Marstall eröffnet

von
erstellt am 16.Jul.2015 | 08:00 Uhr

Schon mit der Wahl des Schweriner Marstalls als Ausstellungsraum für seine 25. Kunstschau hat der Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern vieles richtig gemacht. Im Spannungsfeld zwischen Kultus- und Sozialministerium gelegen und also diesmal nicht an entlegenem Ort, zeigt sich die Kunst dort, wo sie hingehört, in der Mitte der Gesellschaft. Auch mit den beiden Silben des vieldeutbaren Titels „NEUGIER“ lässt sich fantasievoll spielen. Selbst der Untertitel „Dialog der Generationen“ ist zugleich Ausstellungskonzept als auch Weckruf und Wunsch. Drei Viertel der Mitglieder im Künstlerbund sind über 50!

Wie nähern sich die ausstellenden 67 Künstler dem Generationenprojekt Landeskunstschau 2015? Als Erstes fällt auf, dass die klassischen Techniken wie Malerei, Grafik oder Fotografie zwar mit u.a. Hartwig Hamer, Johannes Müller, Anneliese Schöfbeck, Walter Hinghaus prominent vertreten, aber auch in der Minderheit sind. Das gilt ebenso und überraschend für Videos und neue Medien.

Dafür fällt der spielerische Umgang mit verschiedensten Materialien auf, die oft gemixt, verfremdet, collagiert und so in neue Zusammenhänge gebracht werden.

Der Rügener Künstler Bernhard Misgajski zum Beispiel hat in zwei Stahlköpfe Uhrwerke eingebaut. Folgerichtig heißt seine Arbeit „Anders Ticken“. Auch das wäre ein schöner Titel für viele der Arbeiten. Die Neubrandenburgerin Monika Bertermann, früher Krankenschwester, formte aus alten Röntgenbildern Lichtsäulen. Maria Raeuber übersetzte den Generationendialog in ein fragiles Gebilde aus ineinandergreifenden alten und neuen Wäscheklammern. Ramona Seyfarth legte aus tausenden eingefärbten Papierschnipseln einen Teppich auf den abgenutzten Boden des Marstalls, der noch immer von den Linien und Kreisen der früheren Turnhalle gezeichnet ist. Seine „Säule der Planer“ formte Ulf Michaelis aus alten Stadtplänen seines Vaters. Und Anka Kröhnke kreiierte aus alten Holzscheiben von Kabel- trommeln einen „Wolkenturm“. Viele der Künstler haben den Untertitel der Schau noch wörtlicher genommen, sind direkt in den Dialog mit älteren oder jüngeren Kollegen getreten, und haben dabei sogar ihre vertrauten Techniken verlassen.

Der Rostocker Maler Jürgen Weber, Jahrgang 1936, und der Güstrower Bildhauer Henning Spitzer, Jahrgang 1971, porträtierten sich gegenseitig in lebensgroßen Gipsfiguren. Der Güstrower Maler Lars Lehmann malte Arbeiten des Töpfers Armin Rieger und fertigte in dessen Atelier selbst Keramiken an. Silvia Dallmann überzeichnete einen Katalog von Iris Vitzthum, die wiederum einen von Silvia Dallmann.

Besonders eindrücklich sind auch zwei an Messestände erinnernde Kabinen mit den Arbeiten von sechs Studenten, die Prof. Rolf Wicker an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein betreut hat – alle sechs jungen Künstler sind irgendwie mit Mecklenburg-Vorpommern verbunden. Und kommen hoffentlich in die Heimat zurück, um auch künftig den Dialog der Generationen aufrechtzuerhalten.

Das ist auch der Wunsch von Projektleiter Holger Stark, der die von ihm gestaltete Schau „eine Guck-Ausstellung“ nennt. Auch wenn diese Kategorie wohl keinen Eingang in die Kunstgeschichte finden wird, zu sehen gibt es in der Tat viel in dieser alles in allem überzeugenden Jubiläumskunstschau des Künstlerbundes Mecklenburg-Vorpommern. Holger Kankel

Öffnungszeiten:
25. Kunstschau des Künstlerbundes MV im Marstall Schwerin, Werderstraße 120; 17. Juli bis 30. August 2015, Mi bis So 14 bis 18 Uhr
 

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