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“Zauberflöte“ auf Schwerin : Sind Sterbliche den Göttern gleich?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Premiere der Mozart-Oper „Die Zauberflöte“ am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin

„Und Sterbliche den Göttern gleich“, dieser hehre Anspruch klingt einem aus Sarastros Reich entgegen, dem nach außen abgeschirmten Männerkreis, wo Weisheit trainiert und Menschlichkeit besungen wird. Die neue Inszenierung von Mozarts Oper „Die Zauberflöte“, die am Freitagabend im Großen Haus des Staatstheaters Schwerin Premiere hatte, untersucht das Verhältnis von Anspruch und Wirklichkeit dieser Menschlichkeitsreligion. Sie ist uns wichtig, ihre Existenz beruhigt uns angesichts einer racheschnaubenden Königin der Nacht und eines heimtückischen Schwarzen namens Monostatos.

Doch Regisseur David Freeman zeigt uns, wie die Mitglieder dieses Tempelbundes in hellen, goldglänzenden Kleidern Reichtum zur Schau tragen, wie sie hochtrabende Worte mit kindischen Riten aus Papierschnipseln untermauern, wie ihr Oberhaupt Sarastro sich als Machthaber mit zwei Raubkatzen umgibt, die seine Unnahbarkeit symbolisieren und ihm jeden Widersacher fernhalten. Und dies alles „in diesen heil’gen Hallen“, die Bühnenbildnerin Louie Whitemore als ein finsteres Loch aus nach hinten gestaffelten schwarzen Wänden gebaut hat, deren Ränder hier und da mit Blut bespritzt sind.

Prinz Tamino, der Pamina retten will, weil er sich in ihr Bildnis verliebt hat – Tamino passt sich schnell ein in diesen Männerklüngel, der Frauen gering schätzt. Willig absolviert er die drei Aufnahmeprüfungen, die nichts anderes als abhärtende Martern sind. An der leibhaftigen Pamina, der gefühlsdurch-tränkten liebenden Frau, schaut Tamino fortan nur vorbei, im Kopf trägt er ihr Bildnis und den Willen, den Machtspielen des Männerzirkels zu genügen. Ein glückliches Miteinander der beiden wird da unvorstellbar. Das ist eine illusionslose Sicht auf das Werk, die einem beim Blick auf heutige Weltpolitik durchaus einfallen kann; mit Mozarts Musik geht sie nicht immer konform.

Aber es gibt auch die andere Seite, die des Vogelfängers Papageno. Der lebt lustvoll in den Tag hinein, genügt sich selbst und redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Mit Prüfungen hat er nichts im Sinn, denn er besteht sie sowieso nicht, bekommt am Ende seine Papagena auch ohne Examen und ist mit ihr glücklich.

Diese Schweriner Inszenierung legt uns die Frage vor: „Wie wollt ihr leben?“ Das Premierenpublikum entschied sich klar: den stärksten Beifall bekam der junge Niccoló Paudler als Papageno, ein Neuzugang im Schweriner Ensemble.

Musikalisch kann man die Aufführung mit Freude genießen. Der junge Kapellmeister Gregor Rot leitet die Mecklenburgische Staatskapelle sorgfältig und mit klarer Klangvorstellung. Oft betont er den Bläserklang und nimmt die Streicher dagegen zart und duftig zurück. Das Solistenensemble musiziert hervorragend. Neben Paudlers noch jungem Bassbariton ist ein zwar ängstlicher, aber lyrisch gut modellierender Tamino (Daniel Wagner) zu hören. Der klare Sopran von Stamatia Gerothanasi emotional anrührend als Pamina, Nicola Proksch als Königin der Nacht treffsicher bis zum hohen f, und ein stolzer Sarastro von Igor Storo-zhenko mit sonor schwarzer Basstiefe. Der Opernchor und die Singakademie, einstudiert von Ulrich Barthel, singen und agieren mit schöner Prägnanz. Mit einer brillanten Raubkatzenstudie, fein beobachtet und mit subtiler Körperbeherrschung ausgeführt, ziehen zwei Statisten oft die ganze Aufmerksamkeit auf sich.

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