Der Fall Hagedorn : Serienkiller in der DDR

<strong>Morde</strong><strong>, die es in der DDR nicht geben durfte:</strong> 1969 und 1971 brachte der 20-jährige Erwin Hagedorn in Eberswalde drei kleine Jungen um.<foto>ARD</foto>
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Morde, die es in der DDR nicht geben durfte: 1969 und 1971 brachte der 20-jährige Erwin Hagedorn in Eberswalde drei kleine Jungen um.ARD

Vor mehr als 40 Jahren tötet der 20-jährige Erwin Hagedorn im Eberswalder Frühsommer drei Jungen. Ein TV-Film zeichnet die unter politischen Vorgaben leidenden Ermittlungen zum Kindermörder nach.

svz.de von
30. Januar 2013, 11:20 Uhr

Berlin | Mit durchschnittener Kehle werden die beiden Jungen in einem Wald entdeckt. Unzählige Messerstiche bedecken ihre schmalen Körper. Es ist Frühsommer 1969 in Eberswalde. Bevor der Mörder gefasst wird, muss noch ein dritter Junge sterben. Im September 1972 wird der Kindermörder Erwin Hagedorn hingerichtet.

Der Film "Mord in Eberswalde" zeichnet diesen spektakulären Kriminalfall der DDR nach. Die WDR-Produktion ist heute um 20.15 Uhr im "Ersten" zu sehen. Die Suche nach dem rätselhaften Täter wird begleitet vom Konflikt zweier Ermittler und früherer Schulfreunde. Fast beklemmend steht im Raum: Wäre das dritte Opfer ohne ideologische Verbohrtheit zu retten gewesen?

Der eine, Kommissar Heinz Gödicke (Ronald Zehrfeld), ist bei der Volkspolizei in Eberswalde, der andere, Stefan Witt (Florian Panzner), Major bei der DDR-Staatssicherheit. Das angespannte Verhältnis eskaliert, als Carla (Ulrike C. Tscharre) für den nachdenklichen und fast allzu guten Kommissar den strebsamen, auf Karriere bedachten Stasi-Offizier verlässt. Dieser warnt den Rivalen unverblümt: "Versuch nicht mit den großen Hunden um den Block zu ziehen, wenn du nicht hoch genug pinkeln kannst."

Die Stasi bestimmt die Ermittlungen, auch die SED-Führung ist wegen des fehlenden Fahndungserfolgs nervös. Doch als Gödicke die Frage aufwirft, ob der Kindermörder psychisch krank und ein Opfer seiner pädophilen Neigungen ist, stößt er auf blanke Ablehnung. "Es gibt keine homosexuellen Sadisten in Eberswalde - es gibt solche Objekte im Sozialismus nicht", presst Stasi-Major Witt hervor. Parallelen zum westdeutschen Serientäter Jürgen Bartsch, der vier Kinder tötete, darf es auch nicht geben.

Der Fall wird zu den Akten gelegt, obwohl Gödicke warnt, dass die tickende Zeitbombe erneut hochgehen könnte.

Im Herbst 1971 wird wieder ein Junge in Eberswalde ermordet. Die Hartnäckigkeit des Polizisten zahlt sich nun aus. Erwin Hagedorn (Sergius Buckmeier) wird gefasst. Fast erleichtert gesteht er alles - regungslos, monoton. Wie ein Monster wirkt er nicht.

Regisseur und Grimme-Preisträger Stephan Wagner hat nach einem Drehbuch von Holger Karsten Schmidt inszeniert. Es ist auch ein Film über einen Mord, der von einem Staat begangen wurde, sagt Wagner. Schuld, Menschlichkeit, Umgang mit Straftätern, die Macht der Stasi - all das beleuchtet der Streifen an dem einzelnen Fall und bezieht daraus seine Spannung.

Bei der Darstellung des DDR-Alltags gibt es aber ein paar durchaus verzichtbare Klischees - so ständig wehende DDR-Fahnen an grauen Häusern. Auch ein Dialog zum "antifaschistischen Schutzwall", der Mauer, wirkt eher aufgesetzt.

Mit der Erschießung von Hagedorn wurde in der DDR das letzte Todesurteil in einem zivilen Fall vollstreckt. SED-Chef Walter Ulbricht hatte das Gnadengesuch der Familie abgelehnt.

Erst 1987 schaffte die DDR die Todesstrafe komplett ab. Ein "Polizeiruf 110" zum Fall Hagedorn wurde im DDR-Fernsehen nie gezeigt. Das Filmmaterial wurde beschlagnahmt.

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