Weihnachtsmärchen mal anders : Sehnsüchte im Konsumtempel

Im Einkaufscenter: Putzfrau Maria (Karin Hartmann) trifft Heiligabend auf Wachmann Josef (Wolfgang Grossmann).
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Im Einkaufscenter: Putzfrau Maria (Karin Hartmann) trifft Heiligabend auf Wachmann Josef (Wolfgang Grossmann).

Einkaufszentrum dient in Neubrandenburg als Kulisse für das Weihnachtsmärchen „Josef und Maria“

svz.de von
30. November 2015, 12:00 Uhr

Kann man Sehnsüchte von Menschen in einem Einkaufszentrum inszenieren? Dieses Experiment hat die Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz mit „Josef und Maria“ gewagt und dafür ein widersprüchliches Echo vom Publikum bekommen.

Im weihnachtlichen Ambiente des Neubrandenburger Marktplatzcenters ging am Freitagabend die Premiere zwar mit Beifall zu Ende, von Theater-Begeisterung war aber wenig zu spüren. Vereinzelten Szenenapplaus bekam vor allem Karin Hartmann als Putzfrau Maria, die ihr Gegenüber schon mal mit dem bekannten DDR-Schauspieler Winfried Glatzeder („Die Legende von Paul und Paula“) verglich. In dem Weihnachtsmärchen für Erwachsene des Österreichers Peter Turrini treffen sich eine Putzfrau und ein Wachmann an einem 24. Dezember nach Ladenschluss in einem verlassenen Konsumtempel. Soweit ein Originalschauplatz, der wenig Kulisse bedarf.

Das Stück in der Regie von Birgit Lenz soll Menschen zeigen, die von der Gesellschaft vergessen wurden, aber noch Erwartungen und Wünsche an das Leben haben, hieß es vom Theater. Das gelang nur teilweise.

Der Wachmann, gespielt von Wolfgang Grossmann, mimt tapfer einen ehemaligen Kommunisten. Er träumt weiter vom Sozialismus, muss sich aber von Maria in der Ex-Vorzeigebezirksstadt Neubrandenburg sagen lassen: „Das will doch keiner mehr hören.“ Hartmann – seit mehr als 25 Jahren im Ensemble - wechselt spielend die Rollen: von der enttäuschten Mutter, die von der Schwiegertochter Heiligabend ausgeladen wurde und ihren Sohn Willi schmerzlich vermisst, über die tangotanzende Ex-Varietetänzerin bis zur reifen Frau, die sich eingesteht: „Ich weiß ja, dass ich nicht mehr auf der Höhe der “Frischiszität“ und Verführungskunst bin.“

Trotzdem endet das Stück, das vor Rolltreppen und TV-Werbung einer Modekette spielt, vorhersehbar auf einer Matratze, die die Putzfrau besorgt. Nach einer Stunde ist das Schauspiel zu Ende, was viele im Publikum dann doch überrascht.

In Österreich, der Heimat von Turrini, sorgen „Josef und Maria“ und andere Stücke des Autors immer wieder für Aufsehen – in Neubrandenburg nicht.

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