Pommernkogge „Ucra“ : Segeln wie die Vorfahren

Die historische Pommernkogge „Ucra“ im Stadthafen von Ueckermünde
Die historische Pommernkogge „Ucra“ im Stadthafen von Ueckermünde

In aufwendiger Handarbeit ist eine Kogge nach historischen Vorlagen nachgebaut worden – jetzt kann sie bestaunt werden

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27. August 2015, 21:00 Uhr

„Vorn mehr ziehen“, ruft Werner Löwe und fünf Mann hängen sich auf der riesigen Kogge in Ueckermünde in die Seile. Von der Seite schiebt noch ein Motorschlauchboot, Hunderte Schaulustige bestaunen das große Holzschiff, das von zwei Motorbooten bugsiert wurde. Es gilt, das rund 100 Tonnen schwere Schiff so dicht an den Kai zu ziehen, dass Gäste gefahrlos auf das Holzschiff steigen können. Nach einer halben Stunde hat Löwe als Kapitän in spe das geschafft.

Seit Donnerstag hat Mecklenburg-Vorpommern nun ein neues maritimes Aushängeschild: Im Stadthafen von Ueckermünde können Schifffahrtsinteressierte jetzt die nach historischem Vorbild erbaute Pommernkogge „Ucra“ sehen.„Hier soll die 26 Meter lange Kogge bis 2016 fertig ausgebaut werden“, sagte Ueckermündes Bürgermeister Harald Walter (Linke). So muss die gesamte Bordelektrik noch installiert werden, damit die 300 PS starken Motoren ins Laufen kommen.

Auch Kombüse, Toiletten und der Frachtraum sind noch nicht ausgebaut und das 240 Quadratmeter große Segel fehlt. Seit 14 Jahren läuft das Projekt der Städte Ueckermünde, Eggesin und Torgelow mit dem mittelalterlichen Ukranenland Torgelow.

Historische Vorbilder sind eines der ältesten Schiffsmodelle von 1450 aus Ebersdorf (Sachsen), eine 1962 im Weserschlamm entdeckte Kogge und eine Schiffsdarstellung im Dreikönigsaltar des Kulturhistorischen Museums in Rostock.

„Wir haben immer acht bis zehn Leute beim Arbeiten“, erklärt Löwe. Vieles läuft über Beschäftigungsprojekte, weshalb das auch länger dauerte. So wurden die armdicken Eichenbohlen bei heißem Dampf gebogen und mussten möglichst schnell eingebaut werden. „Das ganze Schiff besteht, wie früher, aus heimischer Eiche, der 24 Meter lange Mast ist aus heimischer Lärche und mehrfach konserviert“, sagt Ingo Bünning vom Ukranenland. Nur für den Schiffsboden haben die Torgelower auf russische Lärche zurückgegriffen.

Rund 1,1 Millionen Euro wird das Schiff im Endausbau gekostet haben, hat die Torgelower Stadtverwaltung ausgerechnet. Damit Touristen und Einheimische die Ausfahrten auf Ostsee und Stettiner Haff sicher genießen können, soll in Kürze die Ausbildung der Crews – jeweils sechs Mann plus Kapitän – beginnen. Dazu fahren die Männer auch nach Wismar und Kiel, um von anderen historischen Schifffahrtsvereinen zu lernen. „Ostern 2016 wollen wir loslegen“, sagt Löwe. Bis dahin soll es schon Führungen auf dem Schiff geben, erklärt Bürgermeister Walter. Deshalb liegt das Holzsegelschiff auch direkt neben Touristinformation und dem Eingang zur Altstadt. Nächster Höhepunkt soll am 17. Oktober die Schiffstaufe sein.

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