Karat feiert 40. Geburtstag : Schwanenkönig und Seelenschiffe

Michael Schwandt, Bernd Römer, Claudius Dreilich, Christian Liebig und Martin Becker (v.l.) von der Band Karat stellten gestern in Berlin das neue Album „Seelenschiffe“ vor.
Michael Schwandt, Bernd Römer, Claudius Dreilich, Christian Liebig und Martin Becker (v.l.) von der Band Karat stellten gestern in Berlin das neue Album „Seelenschiffe“ vor.

Karat feiert 40. Geburtstag – mit einem Jubiläumskonzert und dem neuen Album „Seelenschiffe“

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17. März 2015, 07:48 Uhr

Hinter den Musikern von Karat liegen vier bewegte Jahrzehnte. Mehr als 12 Millionen Tonträger hat die Band nach eigenen Angaben verkauft. In diesem Jahr feiert das Quintett aus Berlin seinen 40. Geburtstag – mit einem Jubiläumskonzert und dem neuen Album. „Seelenschiffe“ erscheint am 27. März.

Das Geburtstagskonzert ist für den 20. Juni in der Berliner Waldbühne geplant – auf der Bühne stehen dann auch Freunde von Karat, darunter Matthias Reim und Ute Freudenberg.

„Karat ist für uns eine Lebenseinstellung“, sagt Sänger Claudius Dreilich (44), der jetzt seit genau zehn Jahren dabei ist. Gitarrist Bernd Römer (62) meint rückblickend: „Ich glaube, es hat keine Band so viele Tiefschläge erlebt wie wir.“

Der echte Band-Geburtstag war schon vor einigen Wochen: Am 22. Februar 1975 hatte Karat im sächsischen Pirna das Bühnen-Debüt gegeben. Die erste LP, 1978 erschienen, wurde bereits über 300 000-mal verkauft. Im gleichen Jahr gewann die Band auch den Grand Prix des Internationalen Schlagerfestivals Dresden.

Ob „König der Welt“, „Der blaue Planet“, „Jede Stunde“ oder „Schwanenkönig“: Mit ihren großen Balladen wurden die Berliner bald zu einer festen Größe in den DDR-Hitparaden – und auch in jenen westlich der Mauer. Dort traten sie in der ZDF-Hitparade von Dieter Thomas Heck auf. 1982 sangen die Musiker um Frontmann Herbert Dreilich (1942-2004) bei „Wetten, dass..?“. Frank Elstner kündigte sie an als „Diamant der Popgruppen der DDR.“

Der größte Coup von Karat wurde das Lied „Über sieben Brücken“. Grundlage war ein Gedicht für den gleichnamigen Fernsehfilm. Der damalige Keyboarder Ed Swillms (68) – Verfasser vieler Karat-Hits – vertonte es. Als Single kam der DDR-Song auch im Westen Deutschlands in die Läden. Peter Maffay hörte ihn im Radio – und war so begeistert, dass er ihn coverte. Es wurde ein großer Hit. Eine Reihe anderer Musiker entdeckte in den Jahren danach das Lied ebenfalls für sich: unter anderem Chris de Burgh, Helene Fischer, Scooter oder Max Raabe.

Das Jahr 2004 brachte der Band einen Schicksalsschlag: Frontmann Herbert Dreilich starb – kurz nach seinem 62. Geburtstag, nach langem Kampf gegen den Krebs. Kurz danach trat sein Sohn Claudius – eigentlich Einzelhandelskaufmann – das Erbe seines Vaters als Stimme von Karat an. Er gleicht seinem Vater äußerlich und stimmlich. „Ich konnte gar nicht fassen, was ich da gefragt wurde“, erinnert er sich an den Moment zurück, als ihn der entscheidende Anruf erreichte. „Ich war ja ein absoluter Nobody und hatte noch nie öffentlich gesungen.“ Sein Vater habe gesagt: „Du musst es machen. Aber machs ordentlich, Junge.“

Der Tod von Herbert Dreilich brachte die Band noch in eine weitere Bredouille: einen Streit um die Rechte am Namen Karat. Die Witwe von Herbert Dreilich untersagte den Musikern eine weitere Verwendung des Bandnamens. Der Sänger hatte sich 1998 beim Deutschen Patent- und Markenamt in München die Rechte an der Marke Karat gesichert. Die Band nannte sich daher seit 2006 „K...!“. 2007 schließlich unterlag die Witwe vor dem Berliner Landgericht. Die Richter entschieden, dass der Markeneintrag gelöscht werden müsse. Karat wurde wieder Karat.

Nun hat die Band es bis zur Plattenfirma Universal geschafft. Das neue Album – es ist das 20. – sei ein klares Statement, dass Karat alles andere als eine Altherrentruppe sei, heißt es in einer Universal-Mitteilung. Und trotz ihrer Erfahrung haben die Musiker sich viele junge Kollegen mit ins Studio geholt – und schwärmen davon.

„Es hat tierisch Spaß gemacht“, berichtet Römer. Und Dreilich fügt hinzu: „Man wird ja ein bisschen betriebsblind nach so langer Zeit, was die eigene Musik angeht.“

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