Premiere in Schwerin : „Schützt die Tradition!“

„Der Widerspenstigen Zähmung“  als Ballett feiert am Mecklenburgischen Staatstheater Premiere.
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„Der Widerspenstigen Zähmung“ als Ballett feiert am Mecklenburgischen Staatstheater Premiere.

Der polnische Choreograph Tomasz Kajdanski inszeniert Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ mit dem Schweriner Ballett

svz.de von
16. September 2015, 12:00 Uhr

Bianca ist schön und hat drei Verehrer, aber heiraten ist nicht so leicht. Nach Vaters Willen ist zuerst die ältere Schwester Katharina an der Reihe. Die ist ebenso schön, doch energisch und kratzbürstig, sie will nicht. Ein Edelmann aber hat sich vorgenommen, sie mit rabiaten Mitteln „aus ’nem wilden Kätzchen zu ’nem Käthchen zu wandeln.“

Shakespeares Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“ von 1594 ist seine italienischste. Der Pole Tomasz Kajdanski, der als Solist am Warschauer Nationaltheater und an der Bayerischen Staatsoper unter Johann Kresnik tanzte und jetzt Ballettdirektor in Dessau ist, choreografiert das auch als Musical „Kiss me, Kate“ populäre Stück mit dem Schweriner Ballett.

„Das Thema ist aktuell, ist ein politisches, die Emanzipation der Frau, schwieriges Thema, auch Männer brauchen Unterstützung, ich denke, man muss das Leben mit Humor genießen“, sprudelt Kajdanski. Er ist von jenem Temperament, das eine Frage schon beantwortet, bevor sie ganz gestellt ist. „Ist die Zähmung einer Frau durch einen Macho heute nicht politisch inkorrekt?“, wäre sie gewesen. Scherz lass nicht nach!

Ballett kann ein Schauspiel natürlich nicht nachbuchstabieren, und so erklärt Kajdanski, der lieber am Regiepult als in der Theaterkantine im Tempo presto erzählt: „Ballett ist die älteste, die archetypische Sprache des Menschen, weil es Gesten und Zeichen zur Verständigung benutzt. Ich habe diearchetypischen Momente des Stücks, das der Commedia dell’ arte noch verwandt ist, also Grundsituationen menschlicher Kommunikation in die Ballettsprache übersetzt. Statt der Poesie der Sprache gibt es die Poesie des Tanzes. Der Körper kann witzig sein, dramatisch, kann Energie ausdrücken. Bei uns konzentriert in zwei Akten mit Dynamik und Humor.“

Und der Musikdramatiker Dmitri Schostakowitsch zum komödiantischen Shakes-peare? Kajdanski gesteht seine Überraschung, wie viel Humor Schostakowitsch, der mit Stalin zu tun hatte, entwickelt hat. So benutzt er also Ballett- und Filmmusik, etwa die „Goldenen Zeiten“ des großen Symphonikers. „Eine Collage dieser Musik passt ideal zu Shakespeare“, findet der Choreograf.

Drängt Handlungsballett zu klassischem Tanzvokabular? Eindeutiges Ja von Kajdanski. „Das passt zur Commedia, Bewegungsfluss auf klassischer Basis. Die Hauptsache, die Bewegung muss glaubwürdig sein, dann ist es dem Publikum egal, welches Material es ist, wenn die Tänzer gut sind.“ Und der Gast, der erstmals an diesem Haus arbeitet, fügt an: „Schwerin hat eine Super-Ballettcompagnie, und bitte alle Politiker und Verantwortlichen, schützen Sie diese Sparte und dieses Theater. Verbrennt die Altäre nicht, nicht die Tradition, sie gehört zur Zukunft des Menschen.“
 


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