Conrad-Ekhof-Preis 2015 : Schubert, toll, eine Liebe

Preisträgerin Josefin Ristau
Foto:
1 von 1
Preisträgerin Josefin Ristau

Schauspielerin Josefin Ristau erhält den Schweriner Conrad-Ekhof-Preis 2015

Es ist außergewöhnliches Musiktheater: „Winter. Reise“. Nach dem Liederzyklus „Winterreise“ von Franz Schubert hat der Regisseur Hendrik Müller ein Seelendrama im Schweriner E-Werk inszeniert, vom Pianisten Clemens Michael Kraft musikalisch geleitet. Ein Experiment, bei dem neben den Opernprofis Sophia Maeno und Markus Vollberg die Schauspielerin Josefin Ristau als Sängerdarstellerin glänzt. Die Gesellschaft der Freunde des Mecklenburgischen Staatstheaters hat sie für diese Leistung mit dem Conrad-Ekhof-Preis 2015 ausgezeichnet.

Sie nippt vorsichtig am Sektglas, lächelt zurückhaltend, als sie im Intendantenzimmer von der Ehrung erfährt. Sie muss noch arbeiten, „meine Kids“ in Ballett unterrichten an der Ataraxia-Schule. Hat doch die Neubrandenburgerin mit vier Jahren schon auch Ballett getanzt. Ihre musikalischen Eltern haben sie musisch geprägt. „Und mich immer, in allen Höhen und Tiefen toll unterstützt“, lobt sie. Nach dem Abitur zog sie ein freies kulturelles Jahr ans Neustrelitzer Theater, und danach ging es zum Musical-Studium an die renommierte Stage School in Hamburg. Seit der Spielzeit 2013/14 gehört sie zum Schweriner Schauspielensemble.

Was schoss ihr durch den Kopf, als sie das außergewöhnliche Angebot für die „Winter. Reise“ bekam? Sie zögert nicht: „Sofort hab’ ich gedacht: toll, Schubert. Hat mich schon in der Schule sehr interessiert, wie auch Goethes Werther. Ich mag diesen Komponisten, hab seine Musik gern und viel gehört. Aber ich habe natürlich nicht damit gerechnet, als Schauspielerin jemals etwas von Schubert zu machen. Natürlich bin ich keine Opernsängerin, ich musste meine Mittel einbringen in diese Figurenkonstellation, das war spannend für mich.“

Josefin Ristau gehört zur Generation, die mit sozialen Medien wie Facebook lebt, was kann sie mit Melancholie und Einsamkeit à la Schubert anfangen, ist ihr das nicht sehr fern? „Nein, gar nicht“, blickt sie ernst, „man hat in den Networks tausende Freunde und vergisst, dass das doch gar keine Freunde sind, dass dort nur Informationsaustausch ist. In diesen Netzen ist man eigentlich einsam“. Eine verstörende Empfindung? Noch ein Nein: „Ich bin gern allein, höre Musik, lese, mag es, allein etwas anzuschauen. Ich bin emotional, himmelhoch jauchzend, na und so weiter.“

Kunst ist weltläufig, die Welt wird immer offener, denkt da eine junge Künstlerin noch an Heimat? „Aber ja, unbedingt“, intensiviert die Mecklenburgerin ihre Stimme, „meine Heimat ist die Ostsee, ich bin durch meine Familie sozusagen auf Rügen groß geworden. Wenn ich mal ein Tief habe, rufe ich Mutti an und sage, wir fahren nach Thiessow, gehen auf den Kleinen Zicker. Meine Familie gehört für mich zum Glück.“

Und wohin in die Welt will sie noch? „Bis jetzt“, klopft sie auf den Tisch, „ging alles gut, auch wenn ich mal auf den Hintern gefallen bin. Jede Änderung fordert heraus. Aus allem, was passiert, versuche ich, das Positive zu ziehen.“ Dann sinniert sie leise: „Ich habe kein konkretes Ziel, kann nicht sagen, wo ich ankommen möchte. Ich stehe gern auf der Bühne, stehe ja aber noch am Anfang.“ Es muss nicht das Musical am Broadway werden? Helles Lachen, und dann forte: „Nö, aber wäre natürlich toll.“ Nun piano: „Doch familiär glücklich zu sein finde ich wichtiger als Karriere.“ Sie schaut auf die Uhr, ihre Ballettkinder warten.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen