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Kultur : Rostocker Sommer ohne Theater

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Was andernorts gepflegt wird, lehnt die Bühne der Hansestadt aus Kostengründen ab / Keine weitere Unterstützung aus dem Rathaus

von
erstellt am 21.Jul.2015 | 08:00 Uhr

Trotz drastisch gesunkener Besucherzahlen in der zu Ende gehenden Theatersaison, wird es in Rostock auch in diesem Jahr kein Sommertheater im klassischen Sinne geben. Mit der Vorstellung „Im Weißen Rössl“ hat sich das Volkstheater am Sonntag für diese Spielzeit von der großen Bühne verabschiedet. Derweil laufen in Schwerin die Schlossfestspiele. Die Naturbühne Ralswiek ist fest in Störtebekers Hand. Auch die Piraten von Grevesmühlen gehen mittlerweile in der zehnten Saison auf Kaperfahrt. Und Neustrelitz spielt „Hello Dolly“. Sommertheater scheint überall zu funktionieren. Doch das Rostocker Volkstheater hält sich zurück.

Seit mittlerweile vier Jahren verzichtet die Bühne auf großes Freilufttheater oder ein ähnliches Spektakel in der Sommerzeit. Mit Intendant Steffen Piontek hatte das zuletzt auf der Haedge-Halbinsel stattgefunden, sein Nachfolger Peter Leonard entschied sich für die wetterunabhängige Variante in einer Werfthalle. Doch auch davon zog sich das Volkstheater zurück. Hinter dem Feigenblatt „1. Volkstheater-Sommer“, der in diesem Jahr begangen wird, versteckt sich im Prinzip nur ein Spielen auch im Juli – sogar mit Premieren – und Vorstellungen in der Kleinen Komödie auch im August, die Norddeutsche Philharmonie bringt sich beim Sommercampus der Hochschule für Musik und Theater ein. Ein Festival ist das nicht.

Dabei kann Sommertheater in Rostock durchaus kontinuierlich und erfolgreich sein. Die Compagnie de Comédie, ein kleines privat geführtes Theater, bespielt mittlerweile im 25. Jahr die Bühne im Klostergarten. Die große Form ähnlich wie in Schwerin sei in Rostock allerdings ein zu großes finanzielles Risiko, meint Stefan Rosinski, kaufmännischer Geschäftsführer der Theater-GmbH: „Eine feste Anlage entfällt in Rostock. Darum müssten wir die gesamte Infrastruktur am Spielort herstellen.“ Die Auflagen dafür seien hoch, die Kosten demnach auch. Hinzu kämen Leihgebühren für die Technik, die dem Volkstheater nicht selbst zur Verfügung steht, außerdem Ausgaben für die Überwachung der Anlage. „Auf der Haedge-Halbinsel war das Sommertheater extrem defizitär. In der Halle war es besser, aber auch nicht gut“, sagt Rosinski. Mit einer viertel bis einer halben Million Euro Minus schlug das Spektakel jährlich zu Buche. „Es gibt für uns also keinen Grund, ein Sommertheater anzubieten“, so der Theater-Chef.

Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) sieht in dem seit vier Jahren nicht stattfindenden Sommertheater vor allem eine vertane Chance. „Damit stehen wir außerhalb von Schwerin und Neubrandenburg, die es als ihren künstlerischen Schwerpunkt bestimmt haben, so wirksam auch überregional auf sich aufmerksam zu machen“, sagt der Rathaus-Chef. Allerdings macht er auch deutlich, dass es von Seiten der Stadt keine zusätzliche Förderung für ein Sommertheater geben wird. „Das ist eine Frage der Schwerpunktsetzung innerhalb des Volkstheaters Rostock und seines Zuschusses von über 16,6 Millionen Euro pro Jahr“, sagt Methling. Die Bühne müsse also selbst entscheiden, ob sie innerhalb der ihr zur Verfügung stehenden Mittel, Geld für eine Sommerbespielung ausgeben will.

„Aus touristischer Sicht ist ein breites kulturelles Angebot immer begrüßenswert, auf dem die Destination mit Vermarktungsaktivitäten aufsetzen kann“, sagt Beate Hlawa, Sprecherin der Tourismuszentrale Rostock und Warnemünde.  

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