Theater-Entscheidung Rostock : Rosinski: Theater wichtiger als Debatte um Latchinian

Stefan Rosinski, Geschäftsführer des Volkstheaters Rostock und kommissarischer künstlerischer Leiter
Stefan Rosinski, Geschäftsführer des Volkstheaters Rostock und kommissarischer künstlerischer Leiter

OB kann bis Montag Widerspruch gegen Rückkehr des Intendanten einlegen. Theater-Chef will Ruhe.

svz.de von
25. April 2015, 10:00 Uhr

Die Bürgerschaft hat Volkstheater-Intendant Sewan Latchinian zurückgeholt – aber macht Oberbürgermeister Roland Methling mit? Noch drei Tage hat er Zeit, Widerspruch gegen die Entscheidung einzulegen. Noch zögert er. „Die Entscheidung wird am Montag endgültig fallen“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze.

Die gravierendsten Folgen hat das fürs Theater – vermeintlich. Der Kaufmännische Geschäftsführer, Stefan Rosinski, vermutet, dass der Widerspruch kommt und den Mitarbeitern dadurch weitere Monate im Schwebezustand bevorstehen. Aber auch dann würden sie weitermachen. Das Theater sei voll arbeitsfähig. „Ich befürchte, dass mit und ohne Widerspruch die Lage schwierig wird“, sagt Rosinski. Die öffentliche Debatte der vergangenen Monate auch um Latchinian hätte die Probleme des Theaters mitnichten gelöst. „Wir stehen noch genau da, wo wir im Februar standen.“ Rosinski bringt es auf den Punkt: „Der Spartenbeschluss ist das Entscheidende, nicht die Personaldebatte um Latchinian .“ So wie es die vergangenen Monate gelaufen ist, sei es nicht tragbar gewesen. Die Fronten hätten sich nur verhärtet. „Wir brauchen dringend Ruhe, damit wir diesen politischen Dissens gesittet miteinander verhandeln können“, sagt Rosinski.

Doch zunächst muss der OB sich entscheiden. Kommunalverfassungsrechtlich hat er drei Varianten. Entweder er verzichtet auf den Widerspruch, dann steht die Entscheidung. Gesellschaftervertreter, Aufsichtsrat und Theatergeschäftsführung einigen sich zum Dienstbeginn von Latchinian. Zweites Szenario: Der klassische Widerspruch. Methling legt ihn ein, weil er durch die Entscheidung der Bürgerschaft geltendes Recht verletzt sieht. Wenn sich die Bürgerschaft dann wieder für Latchinian entscheidet, bleibt dem OB Beanstandungsrecht. Der Beschluss bliebe schwebend unwirksam und würde der Kommunalaufsichtsbehörde, dem Innenministerium, vorgelegt. Das hätte aber keine Verpflichtung zu handeln. Wenn die Bürgerschaft auf die Umsetzung bestünde, müsste sie den Methling dazu auf gerichtlichem Weg zwingen. Das Prozedere würde sich ewig hinauszögern. Doch es gibt noch eine dritte Möglichkeit, eine Graustufe. Der OB kann Widerspruch auf Basis einer Gefährdung des Gemeinwohls einreichen. Auch dann müsste die Bürgerschaft erneut zu Latchinian beraten. Aber Methling hätte kein Beanstandungsrecht mehr. Der jetzige Beschluss beinhaltet aber auch Bedingungen. Denen müsste Latchinian erst mal zustimmen. Dazu gehört, die Umsetzung der Spartenbeschlüsse zu akzeptieren.

Der Hauptausschuss hatte am 31. März Latchinians Kündigung beschlossen. Auslöser war ein umstrittener IS-Vergleich, Begründung der Vertrauensverlust, weil Latchinian angekündigte, sich der Umsetzung der Spartenbeschlüsse zu verwehren. Die Bürgerschaft machte die Abberufung rückgängig.

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