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Kunst oder Abfall : Risiko ohne Brandgefahr

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kunst oder Abfall: Umstrittene Holzinstallation in Neubrandenburg vorzeitig abgebaut

Das „Risiko“ ist keine Brandgefahr mehr: Nach wochenlangem Kunststreit ist gestern in Neubrandenburg eine überdimensionale Holzinstallation vorzeitig abgebaut worden. „Es war eine emotional sehr anstrengende Zeit, aber ich hätte mich mehr gefreut, wenn die Kritiker direkt zu mir gekommen wären“, sagte der Künstler Holger Stark während der Demontage der „Risiko“-Installation in der Kunstsammlung. Sechs Stunden lang bauten der Zimmermann und Künstler Stark und zehn Mitarbeiter das 17 Meter lange Kunstwerk ab, das sich aus einem der Ausstellungsräume auf den engen Innenhof hinausgezogen hatte. Das Kunstwerk soll wegen geringer Abstände zu Gebäuden gegen Brandschutzauflagen verstoßen haben, was Stark aber bis zuletzt bezweifelte. Es gehörte zur renommierten Ausstellung „Fünf Positionen der Gegenwart“, die die Mecklenburgische Versicherungsgruppe alle zwei Jahre organisiert. Diese begann schon Ende Juni. Zunächst nahm niemand, auch nicht Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU), Anstoß am „Risiko“. Erst Mitte Juli fiel einem Mitarbeiter der städtischen Tochterfirma, die das Kunsthaus verwaltet, auf, dass die Arbeit im Brandfall den Versicherungsschutz gefährden könnte. Danach erarbeitete ein Feuerwehrexperte ein Gutachten. Das kam zu dem Schluss, dass das „Risiko“ brandtechnisch wie Abfall zu bewerten sei und zu dicht an Gebäuden lagere.

Das löste überregional eine Debatte aus, was Kunst und was Abfall sei. Der öffentlichen Diskussion stellten sich Kritiker aber nicht. Kunst solle nicht ästhetischen Genuss bereiten, sondern Anlass zum Nachdenken geben, erklärte die Chefin des Landeskünstlerbundes MV, Miro Zahra.

Zimmermann Stark will Räume sichtbar machen, indem er geometrische Formen durchbricht. Diese Arbeiten sind „temporäre Kunst.“ Nur durch Überstunden der Stadt-Mitarbeiter, zusätzliche Bewachung und den Einsatz der Mecklenburgischen Versicherungsgruppe konnte eine sofortiger Abbau verhindert werden. Aus Kostengründen musste das „Risiko“ nun aber doch weichen, sechs Tage vor Ausstellungsschluss. Die etwa 40 Kubikmeter Holzreste aus dem Bootsbau wurden in einen Stahlcontainer entsorgt.


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