Schlösser und Gutshäuser : Reise in eine andere Zeit

Auf Gut Belitz wurde die ARD-Dokumentation „Abenteuer 1900 - Leben im Gutshaus' gedeht. Fotos: rahming
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Auf Gut Belitz wurde die ARD-Dokumentation „Abenteuer 1900 - Leben im Gutshaus" gedeht. Fotos: rahming

Auf Gut Belitz erleben die Gäste die Zeit um 1900. Es ist auch der Drehort vom ARD-Dreiteiler „Abenteuer 1900 – Leben im Gutshaus“

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13. September 2015, 09:00 Uhr

Auf den letzten hundert Metern wird’s holperig, die Kopfsteinpflasterstraße führt unter dicht belaubten Bäumen direkt auf den Gutshof Belitz bei Laage. So alt wie die Straße ist das ganze Haus – und genauso im Originalzustand. An der Tür des Gutshauses gibt es keine Klingel, sondern einen metallenen Klopfer, im Foyer hängt ein Kronleuchter mit Wachskerzen. Mit dem Schritt über die Schwelle fällt der Besucher in eine andere Zeit. Manchem Fernsehzuschauer würde das Anwesen bekannt vorkommen. Das täuscht nicht, denn 2003 drehte die ARD hier den Dreiteiler „Abenteuer 1900 – Leben im Gutshaus“.

Die Mutter von Tilmann Bongardt, dem heutigen Hausherrn, wurde 1920 hier geboren. 1945 musste die Familie flüchten. Zu DDR-Zeiten war das Gebäude durchgehend bewohnt. „Es gab Kontakt. Meine Mutter hat immer zu Weihnachten Päckchen gepackt für die Familien, die hier wohnten“, erinnert sich der 68-Jährige. „1985 war sie sogar zur Goldenen Konfirmation hier. Aber ansonsten war Belitz für uns unerreichbar.“

Nach der Wende konnte Bongardt nicht so ohne Weiteres zurückkommen – immerhin führte er mit seiner Frau einen landwirtschaftlichen Betrieb in Ostfriesland. „Es war eine gewachsene Entscheidung“, erinnert sich Barber Bongardt. „Bevor wir das Haus kauften, haben wir hier fünf Jahre zur Miete gewohnt. Wir mussten ja erstmal sehen, ob wir es finanziell halten können. Heruntergekommen sei es gewesen, aber vieles war noch da – inklusive Kachelöfen. „Die Leute hatten sich sehr gekümmert.“

Mehrere Nutzungskonzepte musste Landwirt Bongardt einreichen, bis er das Gut 1997 kaufen konnte. Für das Haus aber gab es zunächst keine echte Idee. Zuerst war eine Grundsanierung dran: Dach, Fassade, Keller – „wir wollten schauen, was ist noch da, wie können wir es bewahren“, sagt die Hausherrin. Und genau das wurde zur großen Chance. Im Frühjahr 2003 standen plötzlich Fernsehleute vor der Tür – auf der Suche nach einem Drehort für eine Historien-Serie. Sie waren sofort begeistert vom Gutshaus Belitz, in dem noch so vieles original erhalten war. Schließlich kam der Kontrakt zustande. Sieben Monate wohnte das Ehepaar in einer Ferienwohnung, musste Platz machen für Bauarbeiten und Dreh. Und was sollte danach kommen? Die Erfahrung lehrt, dass Drehorte gern besucht werden – also lag es nahe, möglichst viel so zu lassen, wie es fürs Fernsehen gestaltet wurde. Direkt nach Dreh-Ende gab es einen Tag der Offenen Tür – „da waren bestimmt tausend Leute hier“, sagt der Landwirt. Ein Jahr später kehrten die Fernsehleute zurück, bauten wieder um und drehten die Folge-Staffel, die 1927 spielte.

Etwa zwei Drittel der Film-Ausstattung sind bis heute vorhanden. Das Ehepaar bewohnt einige Räume im Erdgeschoss. Doch direkt hinter der Zimmertür beginnt eine andere Welt: Die herrschaftlichen Räume vermitteln die Eleganz der alten Zeit, in den Dienerzimmern ist es dafür karg und kühl. Nach wie vor gibt es in den meisten Räumen keinen Strom, von Mai bis September ist es aber warm genug für Übernachtungen. Die Küche im Keller wird vom großen Holzherd geprägt, in den Kammern schläft man in strohgepolsterten Betten. Gäste, die meist für zwei bis drei Tage kommen, leben bei Kerzenlicht und bekommen ihr Waschwasser im Krug von Barber Bongardt. Das ganze Haus ist ein Museum zum Leben. „Die Menschen interessieren sich dafür, wie es früher war“, meint die lebhafte 65-Jährige. „Die Geschichte ist ja noch dicht dran. Von manchem haben die Großeltern noch auf einem Gut gearbeitet.“  

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