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Ausstellung im Staatlichen Museum Schwerin : Raten Sie mal: Welches ist das Original?

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Zwei Gemälde von Herzogin Louise Friederike. Welches Bild aber ist das Original? Auch um diese Fragen geht es in der Ausstellung um die hohe Kunst der Kopie die heute in Schwerin eröffnet wird.

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erstellt am 11.Okt.2012 | 10:24 Uhr

Schwerin | Werke, die massenhaft und ohne einen Gedanken an Urheberrechte kopiert werden - sind wir etwa im Internet? Nein, in der neuen Sonderausstellung des Staatlichen Museums in Schwerin, die von Freitag an für das Publikum geöffnet ist. "Kopie, Replik und Massenware - Bildung und Propaganda in der Kunst" ist der Titel.

"Eigentlich ein sehr aktuelles Thema", sagt Dr. Gerhard Graulich, Vize-Direktor des Museums. Aber kopiert und reproduziert wurde in der Kunst schon immer, und die längste Zeit galt das als völlig ehrenwert. Kopie gleich billig - das ist eine Sichtweise, die erst im 19. Jahrhundert aufkam. Den Ausstellungsmachern geht es "um die Vervielfältigung von Kunstwerken und das Anliegen, das dahintersteht", sagt Dr. Kristina Hegner, Kuratorin der Schau. Sie hat die Stücke in vier Themen-Blöcke gegliedert: "Bilder des Glaubens", "Fürstliche Repräsentation", "Kunst für Sammler und Liebhaber", "Schaulust und Bildung". Von den ersten seriell gefertigen Andachtsbildern und Mini-Flügelaltären aus dem Spätmittelalter bis zu den Mona-Lisa-Adaptionen von Marcel Duchamp umfassen die in der Ausstellung versammelten Werke fast ein halbes Jahrtausend.

Die Verbreitung der noch neuen lutherischen Glaubensgrundsätze - das stand beispielsweise im 16. Jahrhundert hinter den Papiermaché-Reliefs aus der Werkstatt von Albert von Soest. Er fertigte nach Druckgrafik-Vorlagen Holzreliefs an, die dann in Ton und schließlich seriell in Papiermasse abgeformt wurden. Jeweils ein solches Porträt-Relief von Martin Luther und Philipp Melanchthon sei in Schwerin erstmals überhaupt öffentlich zu sehen, sagt Kuratorin Hegner: "In ihrer aufwändigen Rahmung und Bemalung sind das eigenständige Kunstwerke." Schon Massenware dagegen sind die Andachts- und Wallfahrtsbildchen mit Maria und dem Kind, die seit der katholischen Gegenreformation in Umlauf kamen - und oft auf ein Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren zurückgehen.

Der fürstlichen Repräsentation dagegen dienten Kopien und Repliken, wenn Bilder des Herrschers oder aus dessen Sammlung vervielfältigt wurden. Von "Replik" sprechen Kunsthistoriker, wenn die Reproduktion von dem Künstler stammt, der auch das Original geschaffen hat. Eine "Kopie" dagegen stammt von fremder Hand und eventuell auch aus späterer Zeit.

Auch aus ganz anderem Material konnten Reproduktionen entstehen: In der Herzoglichen Cartonfabrik in Ludwigslust wurden seit dem späten 18. Jahrhundert Büsten und Statuen nach antiken oder klassizistischen Vorbildern gefertigt, die wie Bronze oder Marmor aussahen - aber aus Altpapier bestanden. "Abnehmer waren das gebildete Bürgertum und der gebildete Adel", sagt Kuratorin Hegner. Verkaufsbüros habe es in Hamburg, Berlin, Leipzig und Kopenhagen gegeben.

"Bis ins 19. Jahrhundert war die gut gemachte Kopie in der Kunst ausgesprochen positiv besetzt", sagt Hegner. Anfang des 20. Jahrhunderts kippte jedoch die Stimmung. So wurde die komplette Schweriner Sammlung von Gipsabgüssen antiker Plastiken aus dem Schloss entfernt. "Heute dagegen wird der Wert der Kopien wieder erkannt", sagt Gerhard Graulich: "Zumal, wenn sie Werke überliefern, deren Orginale es nicht mehr gibt."

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