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Raritäten unter dem Hammer

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erstellt am 03.Aug.2010 | 05:40 Uhr

Ahrenshoop | Das Interesse an Kunstwerken aus der legendären Ahrenshooper Künstlerkolonie ist gewaltig. "Sammler aus ganz Europa fragen bei uns an, wollen sich an der diesjährigen Kunstauktion beteiligen. Wir werden auch viele Telefonbieter haben", blickt Auktionator Guenter Roese mit Freude und Spannung auf die 36. Ahrenshooper Kunstauktion an diesem Sonnabend voraus. Schon jetzt gebe es schriftliche Vorgebote, die doppelt so hoch lägen wie die Schätzpreise.

Die Auktion hält für Kunstinteressierte erneut zahlreiche Raritäten bereit. 156 Werke werden aufgerufen. Sie stammen von 88 Künstlern, die in der 100-jährigen Tradition der Künstlerkolonie stehen, also in dem kleinen Fischerort Ahrenshoop lebten und arbeiteten.

Zu den wertvollsten Werken gehört eine frühe Arbeit von Max Kaus (1891-1977) - geschätzter Wert 22 000 Euro. Im Jahr 1924 malte er "Interieur mit Turu". Das Ölbild zeigt seine erste Frau Turu, als Akt. "Eine Spitzenarbeit", findet der 74-jährige Kunstliebhaber Roese. Der bislang höchste Auktionspreis für eine einzelne Arbeit liegt bei 17 000 Euro. Ein Sammler ersteigerte dafür ein Werk von Elisabeth von Eicken (1862-1940), die zu den Gründerinnen der Künstlerkolonie in Ahrenshoop zählt.

Auch diesmal sind die Gründer mit idyllischen Küstenlandschaften wieder gut vertreten. Vier Arbeiten stammen von Paul Müller-Kaempff (1861-1941). Darunter eine Winterlandschaft von Ahrenshoop aus dem Jahre 1895. Das Ölgemälde besitzt einen Schätzwert zwischen 5800 und 7200 Euro. Winterlandschaften sind in Ahrenshoop recht selten gemalt worden, umso erstaunlicher, dass weitere zur Auktion angeboten werden. Von Friedrich Wachenhusen (1859-1925) wird das Bild "Mond über winterlicher Landschaft" (um 1895) und von Elisabeth von Eicken ein Aquarell vom Dornenhaus im winterlichen Tauschnee (1890) versteigert.

Für Feininger-Liebhaber hält Roese einen seltenen Holzschnitt aus dem Jahr 1918 bereit. Außerdem präsentiert er von Lyonel Feininger (1871-1956), der die Ostseeküste liebte, eine wertvolle Handzeichnung "Wolke über dem Meer". Deutlich erinnere die Skizze an das Gemälde von Caspar David Friedrich "Mönch am Meer". "Das ist eindeutig eine Adaption", erklärt Roese. Zu den außergewöhnlichen Arbeiten zählt auch das Gemälde "Flaggenparade" (1947) von Edmund Kesting (1892-1970), der sich als Avantgardist vielfältig experimentell orientierte.

Die 300 Plätze im Saal des Kunstkaten Ahrenshoop werden schnell gefüllt sein, ist sich Auktionator Roese sicher. Er hat schon erlebt, dass Interessierte, die sich vor dem Gebäude im Freien aufhielten, durch das Fenster mitboten. "Dazu kommen noch Bieter per Telefon. Das verlangt einiges Geschick von allen Mitarbeitern der Kunstauktion", sagt Roese. Ein besseres Aushängeschild für den 800-Einwohner- Künstlerort an der Ostsee, der im nächsten Jahr den Baustart für ein eigenes Kunstmuseum plant, gebe es nicht.

Kurdirektor Hartmut Schmidt ist ebenfalls zufrieden, die 2100 Gästebetten in Ahrenshoop sind in der gesamten Saison restlos ausgebucht. "Auf dem schmalen Landstrich zwischen Bodden und Ostsee gibt es für Urlauber viel zu entdecken. Als Ort mit den meisten Galerien pro Einwohner haben wir einen guten Ruf, wir pflegen unsere Traditionen."

Noch bis Freitag sind alle zum Verkauf stehenden Werke im Kunstkaten und in der Strandhalle zu besichtigen.

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