Rostock : OB sauer über Theaterleitung

Gefährden mögliche Sparmaßnahmen das Volkstheater?
Gefährden mögliche Sparmaßnahmen das Volkstheater?

Sparpapier des Volkstheaters sorgt für Unruhe, Geschäftsführung spricht von Reduzierung um 90 Stellen

svz.de von
21. Juli 2015, 20:55 Uhr

Die Ideen des Volkstheaters Rostocks zur Umsetzung der beschlossenen Sparpläne sorgen für Diskussionen. Nach einem internen Papier müssten in den kommenden zwei Jahren nicht nur die Sparten Musik- und Tanztheater geschlossen werden. Das Ensemble für das Schauspiel würde künftig auf sieben feste Darsteller schrumpfen. Gleichzeitig würde sich der Gästeetat für das Schauspiel um ein Viertel reduzieren.

Bis 2020 müssten insgesamt 4,6 Millionen Euro eingespart werden, rund 90 der 270 Mitarbeiter stünden vor dem Aus. Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) bezeichnete das Papier der Theaterleitung gestern als „eine einzige Bankrotterklärung“.

Die Autoren des Papiers, Intendant Sewan Latchinian und der kaufmännische Geschäftsführer Stefan Rosinski, betonen am Ende ihrer Stellungnahme, dass sie die Umsetzung dieser Pläne nicht empfehlen. „Es muss ausdrücklich davor gewarnt werden.“ Sie werben dafür, das derzeitige Vier-Sparten-Haus beizubehalten. Der Beschluss der Bürgerschaft würde nach Überzeugung von Beobachtern dazu führen, dass aus dem Vier- ein Zwei-Sparten-Theater wird.

Die Theaterleitung geht davon aus, dass bei der Umsetzung der Bürgerschaftsbeschlüsse in einer Spielzeit noch maximal 60 Vorstellungen im Schauspiel möglich sind. Dies entspreche rund sechs Veranstaltungen pro Monat. Nach Ansicht der Theater-Aufsichtsratschefin Eva-Maria Kröger geriete das Volkstheater in Existenzgefahr, sollten die Pläne so umgesetzt werden. Das Papier bestätige schlimmste Befürchtungen, sagte sie. „Am Ende des Prozesses steht kein Betrieb mehr, der arbeits- und überlebensfähig ist, dann kann man das Theater zumachen.“ Sie hoffe ebenso wie Rosinski, dass die Diskussion über den Bürgerschaftsbeschluss wieder in Gang komme.

„Dass es harte Einschnitte geben wird, die auch wehtun, ist allen bewusst“, sagte Methling. Er kritisierte, dass die Theater-Geschäftsführung sich nicht an dem orientiert habe, was Gutachter zuvor aufgezeichnet hätten. „Stattdessen wird ein Papier vorgelegt, das eine einzige Inszenierung auf der Basis der größtmöglichen Provokation zu sein scheint. Und schon wieder wird auf Zeit gespielt, um wirkliches Handeln zu verhindern.“ Ziel müsse sein, dass das Theater bis 2020 mit dem festgeschriebenen Zuschuss von maximal 16,6 Millionen Euro pro Jahr auskommt. „Das sind zusammen 83 Millionen Euro. Wie man dann bei einem prognostizierten Mehrbedarf von insgesamt 4,6 Millionen Euro darauf kommt, allein im Großen Haus die Anzahl der Vorstellungen halbieren zu müssen, ist mir schleierhaft“, sagte Methling.

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