Fusion in MV kurz vor dem Scheitern? : Neues Theater ums Theater

Stürmische Zeiten für das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin.
Stürmische Zeiten für das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin.

Für MVs Kultusminister steht die Staatstheaterfusion auf der Kippe: Oberbürgermeisterin sieht sich falsch zitiert.

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20. November 2015, 20:30 Uhr

Die vereinbarte Fusion des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin mit dem Landestheater Parchim sowie der Einstieg des Landes als Gesellschafter stehen auf der Kippe.

Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) hält es angesichts des Verhandlungsverlaufs für unwahrscheinlich, dass Landeshauptstadt und Staatstheater kurzfristig die Probleme aus dem Weg räumen können. Für kommende Woche ist die finale Sitzung des Haushaltsausschusses geplant. Wenn bis dahin kein belastbarer Wirtschaftsplan vorliegt, „ist die zum 31. Januar 2016 vorgesehene Fusion vom Tisch“, sagte Brodkorb unserer Zeitung.

Am Freitag war aus der Schweriner Stadtvertretung ein neuerlicher Finanzstreit kolportiert worden (wir berichteten). Kurzform: Weil die vom Land zugesicherten 1,5 Millionen Euro beim Theater noch nicht angekommen seien und das Land zudem verlange, aus dem Wirtschaftsplan für 2016 weitere 600 000 Euro herauszusparen, drohe dem Theater die Insolvenz.

Über die Schuldzuweisung an ihn zeigte sich Brodkorb gestern verwundert. Dem Ministerium sei in Schwerin lange Zeit keine Einsicht in alle Personalunterlagen nebst Personalkosten gewährt worden - unter Verweis auf den Datenschutz, sagte er. Die vom Theater derzeit geltend gemachten Zusatzkosten von 600 000 Euro im Jahr könne das Ministerium nicht nachvollziehen, zumal noch immer kein gemeinsames, mit Parchim abgestimmtes Personalkonzept vorliege. „Möglicherweise wurde zwischenzeitlich zusätzliches Personal eingestellt, möglicherweise resultiert des Defizit aus Verzögerungen beim Stellenabbau, die durch die Unbespielbarkeit der Spielstätte in Parchim entstanden. Wir wissen es schlicht nicht genau“, räumte Brodkorb ein.

Gleichwohl gibt sich der Minister gesprächsbereit: „Die drei Intendanten müssen sich schnell zusammensetzen und einen gemeinsamen Personalplan bis 2020 entwickeln. Darum haben wir dringend gebeten. Wir müssen eine verlässliche Perspektive für den Abbau der Mehraufwände erkennen können.“ Wenn es über den verabredeten Finanzrahmen hinaus Nachschuss-Bedarf gebe, könne es allerdings nicht sein, dass der komplett vom Land getragen wird. Jeder Gesellschafter müsse wenigstens annähernd nach seinen Zuschuss-Anteilen für das Theater einstehen, konstatiert der Minister. „Wer das Land künftig als Gesellschafter haben will, darf sich selbst nicht der finanziellen Verantwortung für das Theater entziehen.“

Brodkorb zeigte Verständnis für die Schweriner Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke), schließlich stehe sie unter Haushaltskonsolidierungs-Zwang. Zur höheren Beteiligung sieht er gleichwohl keine Alternative. „Dass die Landeshauptstadt künftig auch noch ihren Hauptstadt-Zuschuss für andere Zwecke als Theaterinvestitionen verwenden will, ist für mich undenkbar.“

Gramkow selbst fühlt sich indes falsch wiedergegeben. „Ich lege wert auf die Feststellung, dass das wörtliche Zitat über mögliche Entlassungen beim Landestheater Parchim durch den Journalisten frei erfunden ist“, erklärte sie gestern. Zu Sparforderungen des Landes und mögliche Auswirkungen habe es gestern weder eine Presseanfrage noch ein direktes Gespräch gegeben.

Unterdessen haben die Fusionspartner im Osten des Landes die Zielvereinbarung zur dortigen Theaterfusion zwar unterzeichnet. Der Neustrelitzer CDU-Landtagsfraktionschef Vincent Kokert warnte gestern jedoch: „Wenn die Fusion in Schwerin platzt oder zusätzliche Gelder dorthin verschoben würden, würde dies im Osten eine komplett neue Diskussion auslösen.“

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