zur Navigation springen

Staatstheater Schwerin : Neuer Intendant – neues Ensemble

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit dem neuen Intendanten Lars Tietje am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin kündigen sich einschneidende Veränderungen auch im Ensemble an. Ein Interview.

von
erstellt am 26.Mai.2015 | 21:00 Uhr

Mit dem Intendantenwechsel am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin kündigen sich einschneidende Veränderungen auch im Ensemble an. Der designierte Generalintendant und Geschäftsführer, Lars Tietje, der derzeit noch das Theater in Nordhausen leitet, hat zu Personalgesprächen eingeladen und wird Einzelverträge u.a. im Ballett nicht verlängern, heißt es. Die Empörung am Theater ist groß. Am 15. Juni will der künftige Generalintendant zu einer Vollversammlung am Theater einladen. Mit Lars Tietje sprach Max-Stefan Koslik.

Herr Tietje, noch sind Sie gar nicht in Schwerin, schon sorgen Sie für Aufregung, wohin geht die Reise bei den gegenwärtigen Anhörungen am Staatstheater?
Tietje: Also zunächst einmal zum Verständnis: Alle solistisch tätigen Künstler am Theater haben auf ein Jahr befristete Verträge, die sich in der Regel jährlich verlängern, wenn keine der beiden Seiten – Künstler oder Intendant – aktiv werden. Jetzt gibt es aber einen Intendantenwechsel. Damit ist verbunden, dass ich auch den einen oder anderen künstlerischen Akzent in Schwerin setzen möchte. Das hängt natürlich immer mit Personen zusammen. Dazu haben jetzt Anhörungen mit den ersten Ensemblemitgliedern stattgefunden. Andere Gespräche werden stattfinden. Nichtverlängerungen sind jedoch noch nicht ausgesprochen worden. Formaljuristisch kann man zudem in keinem Fall von Kündigungen sprechen. Ich empfinde es eher als normal, dass sich mit einem neuen Intendanten auch das Ensemble verändert.

Nichtsdestotrotz haben die Gespräche zu Reaktionen geführt. Im sehr erfolgreichen Ballett wurden von Ihnen offenbar Tänzer vor die Perspektive gestellt, dass sie das Theater in Schwerin verlassen müssen. Was haben Sie mit dem Ballett vor?
Ich werde insgesamt versuchen, auf dem bisherig erfolgreichen Theater aufzubauen und es natürlich auch weiterzuführen. Da wird es auch im Ballett ganz sicher andere künstlerische Akzente geben.

Es geht das Gerücht, dass Sie sich mit dem derzeitigen Ballettdirektor, Sergej Gordjenko, nicht sehr gut verstehen. Ist das auch ein Grund, beim Ballett mit Veränderungen zu beginnen?
Das stimmt nicht. Der Ballettdirektor hat hier bei uns in Nordhausen gearbeitet und hat eine sehr erfolgreiche Produktion auf die Bühne gebracht. Wir haben ihn auch zu den Nordhäuser Balletttagen eingeladen. Nein, ich bin kein Freund von persönlichen Befindlichkeiten. Es gibt immer Kollegen, mit denen man persönlich besser und Kollegen, mit denen man schlechter kann. Aber wenn es künstlerisch stimmt, arbeitet man professionell zusammen.

Nun haben Sie ja noch ein bisschen Zeit, der Intendantenwechsel findet im Sommer 2016 statt, was haben Sie mit solchen Spielstätten und Formen wie den Schlossfestspielen oder der Bühne im E-Werk vor?
Ich versuche ernsthaft, die derzeitige Struktur, wie sie in der Zielvereinbarung zwischen der Stadt Schwerin und dem Kultusministerium festgeschrieben ist, weiter zu bespielen. Die Schlossfestspiele sind wichtig für das Theater, für die Stadt und für die Region. Es wird eine große Herausforderung sein, sie auf dem Niveau fortzusetzen. Das E-Werk versuchen wir selbstverständlich weiter zu bespielen. Wir brauchen eine zweite Bühne. Das einzige, was sich verändern wird, ist die Fusion mit dem Landestheater Parchim. Das ist eine Erweiterung für das Staatstheater, aber auch eine Herausforderung. Da ist auch von Synergien die Rede, die zu erbringen sind.

Es gibt aber auch einen Personalabbauplan...
Ja, den gibt es bis 2019. In der Zielvereinbarung zwischen Land und Stadt ist ein Abbau von 30 Stellen vorgeschrieben. Aber es war immer das Ziel der Träger – und das ist auch mein Ziel, die Spartenstruktur zu erhalten.

Es ist davon die Rede, dass Sie die Opernsparte als Generalintendant selbst leiten wollen, was ist da dran?
Ich kann mir gut vorstellen, mich in die künstlerische Ausgestaltung des Theaters mehr einzubringen, als das der derzeitige Generalintendant, Joachim Kümmritz, tut. Ich habe Musik studiert.

Am 15. Juni haben Sie zu einer Vollversammlung am Theater eingeladen, was wollen Sie den Mitarbeitern und Künstlern sagen?
Ich möchte allen Mitarbeitern eine Perspektive deutlich machen. In welche Richtung geht es weiter? Ich habe jetzt am Theater über viele Wochen viele Menschen kennengelernt. Meine Schlussfolgerungen daraus für die Zukunft will ich dort gerne darlegen. Die Mitarbeiter können mir Fragen stellen. Ich möchte mich einfach einmal vorstellen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen