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Falladas letzter Roman "Jeder stirbt für sich allein" : Neuer Auftrieb für die stillen Helden

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Kaum erregt der Aufbau Verlag Aufsehen mit der erstmals ungekürzten Fassung von Falladas letztem Roman "Jeder stirbt für sich allein", legt der Steffen Verlag nicht weniger nach.

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erstellt am 08.Jun.2011 | 05:00 Uhr

Friedland/Berlin. | Der Paukenschläge ist kein Ende in diesem Jahr, was Publikationen rund um Hans Fallada angeht. Kaum erregt der Aufbau Verlag Aufsehen mit der erstmals ungekürzten Fassung von Falladas letztem Roman "Jeder stirbt für sich allein" (wir berichteten), legt der Steffen Verlag nicht weniger nach als "Die wahre Geschichte" zu diesem 1947 entstandenen Buch über das zunächst hitlertreue Berliner Ehepaar Hampel (im Roman Quangel), das nach dem Tod des Sohnes mit hauptstadtweit verteilten Postkarten gegen die Kriegstreiber protestierte und 1943 hingerichtet wurde.

Noch bedeutsamer als das Verdienst, auf Grundlage der Gestapo-Akten den authentischen Hintergrund zu durchleuchten, ist die Tatsache, dass die keineswegs erst jetzt geschah: Das Buch ist eine Neuausgabe von Manfred Kuhnkes 2001 erschienener Publikation "Die Hampels und die Quangels". Und der Autor ist zu Recht stolz, dass sein Werk so gut wie keiner Überarbeitung bedurfte. Lediglich "ein paar kleine Akzente" habe er verändert, sagt der Berliner, der von 1995 bis 2004 das Hans-Fallada-Museum in Carwitz leitete und entscheidend mitgestaltete.

Für Leben und Werk von Hans Fallada interessierte sich der Germanist schon viel länger. Eine erste Publikation zu "Jeder stirbt für sich allein" erschien 1993/94 in der "federlese"-Reihe des Neubrandenburger Literaturzentrums. Darauf angesprochen wurde Kuhnke wenige Jahre später, schon als Museumsleiter, von Besuchern, die sich als Verwandte der Hampels erwiesen. Genauer: als Nichten von Elise Hampel, die in den 40er-Jahren noch Kinder waren. Aus dieser Begegnung erwuchs eine herzliche Beziehung zu den Lübeckerinnen, die dem Autor viel Material zugänglich machten und private Fotos zur Verfügung stellten.

"Alone in Berlin" in den Bestsellerlisten

Daraus wurde dann 2001 die Veröffentlichung "Die Hampels und die Quangels" im federchen Verlag. In der "Fallada-Szene" sei der Band durchaus gewürdigt worden, blieb ansonsten aber in Deutschland relativ wenig beachtet, resümiert Kuhnke, der indes zu Vorträgen bis nach Bulgarien, Spanien und Finnland eingeladen wurde.

Wie die internationale Aufmerksamkeit wuchs, hat Steffen-Verlagsleiter Jörn Runge unter anderem vor anderthalb Jahren während einer England-Reise erlebt: "Alone in Berlin" stand dort auf den Bestsellerlisten - ein Titel, der ihm erst mal nichts sagte, bis er erfuhr, dass "Jeder stirbt für sich allein" sich dort mit dem Namen der Hauptstadt einfach besser verkaufe. Schon seit damals habe der Verlag - dem sich federchen unterdessen als Fusionspartner angeschlossen hatte - an eine Neuausgabe von Kuhnkes Buch gedacht.

Dass Aufbau dann, ebenfalls als Reaktion auf den internationalen Erfolg, das Fallada-Original ausgrub, gab den letzten Ausschlag. Im Berliner Kulturkaufhaus Dussmann liege "Die wahre Geschichte" gleich nach dem Roman, freut sich Runge. Im Hause Steffen könne man stolz sein, das "Buch zum Buch" veröffentlicht zu haben.

Manfred Kuhnke sieht sich bestätigt in seinem Anliegen, die stillen Helden der Nazi-Zeit zu ehren. Natürlich wünscht er seinem Buch, dass es ebenfalls außerhalb Deutschlands Aufmerksamkeit erregen möge. In seiner Vorstellung "liegt da ein großer Ballon um die Welt, das ist Falladas Roman, und unten dran hängt ein kleines Päckchen, auf dem mein Name steht..."

Manfred Kuhnke: Falladas letzter Roman - Die wahre Geschichte. Steffen Verlag, Friedland 2011. 174 Seiten, 12,95 Euro. ISBN 978-3-941683-10-5.
Lesungen und Vorträge mit Manfred Kuhnke am 11. Juni um 20 Uhr im Literaturcafé Strausberg sowie am 24. Juli im 14.30 Uhr im Hans-Fallada-Museum Carwitz.

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